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01. Oktober 2014 | Dipl.-Met. Adrian Leyser

Land unter in Montpellier

Während in Deutschland weitestgehend ruhiges Herbstwetter vorherrscht, geht es in Teilen des Mittelmeerraumes weiterhin turbulent zu. Brennpunkt in Bezug auf Unwetter war zu Beginn dieser Woche die Küstenregion zwischen dem spanischen Valencia und dem französischen Marseille.

Besonders schlimm traf es am Montag und Dienstag Montpellier in Südfrankreich. Besonders schlimm traf es am Montag und Dienstag Montpellier in Südfrankreich. Die am Löwengolf gelegene Stadt stand am Dienstagmorgen nach schweren Gewittern mit heftigen und wiederholt auftretenden Starkregenfällen teilweise meterhoch unter Wasser. Tausende Menschen mussten vor den Fluten fliehen oder wurden in Notunterkünften untergebracht. Vor knapp zwei Wochen wurde die gleiche Region schon einmal von Starkregenfällen ähnlicher Intensität getroffen.


Nicht nur die Schwere der Unwetter ist bemerkenswert, sondern auch
die Tatsache, dass die betroffene Region zur gleichen Zeit in eine
langgestreckte Bodenhochdruckzone eingebettet war. Diese erstreckte
sich von den Azoren bis zur Balkanhalbinsel. Unterbrochen wurde das
Hochdruckgebiet nur von einer schmalen Rinne relativ niedrigen
Luftdruckes, die am Montag zunächst von Nordalgerien bis Spanien,
später dann bis Frankreich reichte. Die Tiefdruckrinne korrelierte
mit einem besonders in der Höhe ausgeprägten Tief, das sich vom nahen
Atlantik her über die Biskaya und Nordspanien ostwärts verlagerte.
Dabei gelangte kalte Luft in hohen über die feuchtwarme Luft der
unteren Luftschichten. Der sich dadurch verstärkende
Temperaturrückgang mit der Höhe ist ein günstiger Entwicklungsfaktor
für Gewitter. Wie die DWD-Bodenluftdruckanalyse vom Montag, 20 Uhr
MESZ, zeigt, wurde in der Tiefdruckrinne eine Konvergenzlinie (vgl.
Konvergenz unter www.dwd.de -> Wetterlexikon) analysiert (die
Analyse ist nebenstehend zu finden). Dort strömt Luft bodennah zusammen, sodass
ihr keine andere Möglichkeit bleibt, als aufzusteigen. Dieser
vertikale Luftmassentransport forciert die Entwicklung hochreichender
Gewittersysteme, die schließlich entlang der Konvergenzlinie von Süd
nach Nord zogen.

Zum Vergrößern bitte klicken


In der Nacht auf Montag brachten Gewitter vor allem in Katalonien
enorme Niederschlagsmengen. In Girona fielen 132 l/qm innerhalb von
12 Stunden, in Barcelona "immerhin" noch 96 l/qm. Ungleich heftiger
ging es dann am Montag und in der Nacht auf Dienstag im Großraum
Montpellier zur Sache. Wiederholt schwere Gewitter luden exorbitante
Niederschlagsmengen ab. Dienstagfrüh wurde an der Station in
Montpellier eine 24-stündige Summe von 299,5 l/qm gemeldet, davon
gingen 184,0 l/qm alleine zwischen 13 und 15 UTC am Montag nieder.
Innerhalb von zwei Stunden fiel damit etwa die dreifache Monatssumme
(62 l/qm), die auf Grundlage des vieljährigen Mittels 1961-1990 zu
erwarten wäre. Dies entspricht einem neuen Allzeitrekord für eine
zweistündige Niederschlagsmenge in Frankreich. Der ehemalige Rekord
datierte vom 16. September 2014, wurde also gerade einmal 13 Tage
zuvor aufgestellt - an einer Station, die nur wenige Kilometer
westlich von Montpellier gelegen ist (Saint-Gervais-sur-Mare, 178,4
l/qm).


Im Laufe des Dienstags und in der Nacht zum Mittwoch verlagerte sich
der Schwerpunkt der Gewitter weiter ostwärts. Damit waren nun
insbesondere die provenzalische Mittelmeerküste und Nordwestitalien
betroffen. Allerdings blieben die Intensitäten der Niederschläge und
auch die daraus resultierenden Auswirkungen recht weit hinter denen
des Großraumes Montpellier zurück.




© Deutscher Wetterdienst

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