28. September 2014 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Wenn die Erde brodelt und Feuer spuckt
Sie glühen, spucken und qualmen und sind ein genauso imposantes wie gefährliches Naturschauspiel: Vulkane.
Am gestrigen Samstag ist der japanische Vulkan Ontake westlich von
Tokio überraschend ausgebrochen und stieß eine riesige Aschewolke
aus. Durch die hohe Aschekonzentration in der Luft konnten zeitweise
keine Helikopter starten und Flüge wurden umgeleitet.
#Japan’s Mount #Ontake erupts, injuring at least 40 t.co/DiLKtjeVx1 pic.twitter.com/RCZsJU23ah
— Observing Space (@ObservingSpace) 27. September 2014
Auch in Island brodelt es derzeit: Vor knapp vier Wochen ist der
isländische Vulkan Bardarbunga ausgebrochen. Es handelte sich um
einen sogenannten effusiven Ausbruch ohne Auswürfe von Vulkanasche.
Dass Vulkanasche insbesondere für den Flugverkehr verheerende Folgen
hat, wird vielen spätestens seit April 2010 in Erinnerung sein, als
der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull einen Monat
lang den Flugverkehr in Europa lahmlegte.
Aber Vulkanausbrüche haben nicht nur Auswirkungen auf die Reisepläne
etlicher Passagiere, sondern auch auf unser Wetter und (je nach
Stärke des Ausbruchs) sogar auf das globale Klima.
Bleibt die Vulkanasche nach einem Auswurf innerhalb der Troposphäre
(ca. 10 km), sinkt sie recht schnell wieder ab oder wird mit dem
nächsten Regen aus der Atmosphäre ausgewaschen. Apropos Regen: Die
kleinen Ascheteilchen können auch als Kondensationskerne dienen und
somit die Wolkenbildung begünstigen.
Reicht die Vulkanaschewolke bis in die Stratosphäre (ca. 10-40 km)
hinein, verweilt sie dort für eine lange Zeit. Denn innerhalb der
Stratosphäre gibt es nur geringen vertikalen Austausch und Luftmassen
sind dort oft jahrelang nachweisbar. Durch chemische Reaktionen
entsteht aus der schwefelhaltigen Vulkanasche sogenanntes
Sulfataerosol, das das einstrahlende Sonnenlicht zurück in den
Weltraum reflektiert und so zu einer Abkühlung auf der Erde führt.
Der größte Ausbruch, der jemals von Menschen dokumentiert wurde,
ereignete sich 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa. Der Vulkan
Tambura schleuderte 150 km³ Gesteinsmasse in die Atmosphäre und der
Staubschleier verursachte durch die Rückstreuung des Sonnenlichts
einen globalen Temperatursturz um 3 Grad im Folgejahr. Das Jahr 1816
verlief dadurch insbesondere in weiten Teilen Nordamerikas und
Europas außergewöhnlich kühl und ist als "Jahr ohne Sommer" in die
Geschichtsbücher eingegangen.
Full frame view of current Holuhraun Volcanic eruption in North-East of Iceland #Bardarbunga. pic.twitter.com/UHixZAx6ms
— Planesonearth (@Planesonearth) 22. September 2014
Derartig heftige Auswirkungen sind durch den Bardarbunga-Ausbruch
bisher nicht zu befürchten. Allerdings werden vielerorts erhöhte
Schwefeldioxid-Werte gemessen, für die Isländer besteht dadurch sogar
Gesundheitsgefahr. Erstmals seit Eruptionsbeginn wurde letzte Woche
auch in Mitteleuropa Schwefeldioxid des Vulkans gemessen, das durch
kräftigen Nordwestwind zu uns transportiert wurde. In Österreich
wurden zum Teil sogar die höchsten Werte seit Beginn der
Luftgütemessungen registriert. Dennoch stellen die Mengen bei uns
keine Gefährdung für die Gesundheit dar.
Ob in den nächsten Tagen eine größere, explosive Eruption des
isländischen Vulkans droht, ist nach wie vor noch unsicher. Die
Höhenströmung stellt sich bei uns jedenfalls auf West um, sodass
unser Wetter weniger vom Vulkan, sondern vielmehr von atlantischen
Tiefausläufern beeinflusst ist.
© Deutscher Wetterdienst
Themenarchiv:
07.08. - Starke Bodentrockenheit
06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS
05.08. - Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel
04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst
03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage
02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026
01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts
31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026
30.07. - Was ist eine Fallböe?
29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?
28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung
27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800
26.07. - Tag der Seenotrettung
25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze
24.07. - Von Hunden und Erfrischungen
23.07. - Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“
22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand
21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert
20.07. - Spanien - Olé
19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur
18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen
17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?
16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese
15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern
14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern
13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?
12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)
11.07. - Supertaifun BAVI



