23:45 MESZ | 07.06.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
04. August 2014 |

Der absolute "Warnsinn"!

In den vergangenen Tagen und Wochen sah unsere Warnkarte, die Sie oben rechts auf unserer Startseite www.dwd.de finden, immer recht farbenfroh aus. Zumeist zeigten sich dort gelb, ocker, rot und zum Teil auch dunkelrot eingefärbte Gebiete und manch einer wird sich wohl gefragt haben, welcher Farbkasten denn da ausgelaufen ist.

Im "ruhigsten" Fall, d.h. wenn keine Warnungen nötig sind, wird die Warnkarte blau angezeigt. Das war in letzter Zeit allerdings die Ausnahme. Welche Warnschwellen (zumindest im Sommer) genau hinter den verschiedenen Farben stecken, soll im Folgenden kurz aufgeführt werden.

Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes


Warnstufe "gelb" bedeutet "Wetterwarnung". Damit diese Kategorie
erreicht wird, muss sich zum Beispiel ein Gewitter entwickeln, bei
dem Windböen von höchstens 64 km/h, weniger als 15 l/qm Niederschlag
in einer Stunde und kein Hagel erwartet werden. Wird in dieser
Warnstufe vor Windböen gewarnt, so liegen diese zwischen 51 und 64
km/h (7 Bft). Des Weiteren wird "gelb" gewarnt, wenn Nebel mit einer
Sichtweite unter 150 m auftritt.

Sehen Sie auf der Warnkarte ockerfarbene Landkreise, bedeutet dies,
dass dort vor "markantem Wetter" gewarnt wird. Dazu zählen
beispielsweise Gewitter, bei denen mit Sturmböen (62-88 km/h, 8-9
Bft) oder sogar schweren Sturmböen (88-102 km/h, 10 Bft) und/oder
Starkregen (15-25 l/qm in 1 h bzw. 20-35 l/qm in 6 h) und/oder
kleinkörnigem Hagel gerechnet werden muss. Die verwendeten "und/oder"
deuten bereits darauf hin, dass nicht alle drei Kriterien für eine
"Ocker"-Warnung erfüllt sein müssen, sondern eine Überschreitung
bereits dafür ausreicht.
Starkregen und (schwere) Sturmböen können natürlich auch ohne Blitz
und Donner auftreten, wobei dann ebenfalls die eben beschriebenen
markanten Warnschwellen gelten.
Zudem gibt es den Dauerregen, der je nach Dauer eines der folgenden
Kriterien erfüllen muss: 25-40 l/qm in 12 h, 30-50 l/qm in 24 h,
40-60 l/qm in 48 h oder 60-90 l/qm in 72 h.

Wenn die obere Warnschwelle für markantes Wetter nicht mehr
ausreicht, müssen wir uns, wie so oft in den vergangenen Tagen, mit
dem Thema "Unwetter" beschäftigen und die Farbe Rot findet ihren
Einsatz in der Warnkarte. Gewitter gehen dann mit orkanartigen oder
Orkanböen (103-140 km/h, 11-12 Bft) und/oder heftigem Starkregen
(25-40 l/qm in 1 h bzw. 35-60 l/qm in 6 h) und/oder Hagel mit einem
Durchmesser von mehr als 1,5 cm einher.
Bei Dauerregen sehen die Warnmeteorologen des DWD "rot", wenn
entweder 40-70 l/qm in 12 h, 50-80 l/qm in 24 h, 60-90 l/qm in 48 h
oder 90-120 l/qm in 72 h erwartet werden.

Die höchste Warnstufe besitzt die Farbe Dunkelrot und bedeutet
"extremes Unwetter". Bei Gewittern muss dann mit extremen Orkanböen
von über 140 km/h und/oder extrem heftigen Starkregen mit mehr als 40
l/qm in 1 h bzw. mehr als 60 l/qm in 6 h gerechnet werden. Hagel hat
auf die Überschreitung der "normalen" Unwetterwarnung keinen
Einfluss, auch wenn natürlich auch große Hagelkörner bei solchen
Gewittern dabei sein können.
Damit beim Dauerregen die höchste Warnschwelle erreicht wird, muss
davon ausgegangen werden, dass verbreitet über 70 l/qm in 12 h, 80
l/qm in 24 h, 90 l/qm in 48 h oder 120 l/qm in 72 h Niederschlag
fallen.

Um ein Beispiel für eine dunkelrote Warnung bzw. ein extremes
Unwetter zu finden, muss man nicht weit zurückblicken. Am gestrigen
Sonntag wurden beispielsweise an der Station Lieberose, nördlich von
Cottbus, 62 l/qm innerhalb einer Stunde gemessen.

Was jetzt noch fehlt sind die "violetten" Warnungen. Nein, dabei
handelt es sich nicht, wie man vermuten könnte, um ein noch
extremeres Unwetter, sondern um eine starke Hitze- und/oder
UV-Belastung. Wird an zwei Tagen in Folge eine gefühlte Temperatur
von über 32 Grad und zusätzlich eine nur geringe nächtliche Abkühlung
erwartet, wird eine Hitzewarnung ausgegeben. Für eine erhöhte
UV-Intensität hängt die Warnschwelle zum einen von der Region und zum
anderen vom Zeitraum ab.
Die genauen Kriterien dazu, aber auch zu den bereits genannten
Wetter- und Unwetterwarnungen finden Sie auf unserer Startseite
www.dwd.de bei Klick auf [mehr] oben rechts neben der Warnkarte und
dann in der Leiste links unter "Erläuterungen und Kriterien".

Auch das Wettergeschehen heute und in den Folgetagen wird nicht ohne
Warnung an uns vorübergehen, wenngleich die Farbe Rot wohl zumindest
bis Mittwoch immer seltener zu sehen sein wird.


Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.08.2014

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

07.06. - Die Wettervorhersage für den D-Day

06.06. - Eine Nebelnacht im Juni

05.06. - Aprilwetter im Juni

04.06. - Abwechslungsreiches Wetter für einen bunten CSD am Samstag in Dresden

03.06. - Deutschlandwetter im Frühjahr 2026

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2026

01.06. - Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

29.05. - Trockene und feuchte Luftmassen

28.05. - Erste große Gewitterlage 2026?

27.05. - In 16000 m Höhe

26.05. - Was ist eine „Heat Dome“?

25.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

24.05. - Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

23.05. - Des einen Freud…

22.05. - Hoch "Zeno" sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!

21.05. - Weichenstellung auf Sommerwetter!

20.05. - Bisher abwechslungsreicher Mai

19.05. - Tag der Diversität

18.05. - Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

17.05. - Blick nach vorne - Sommerwetter?

16.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

15.05. - König Fußball und das Wetter

14.05. - Kühles "Aprilwetter" an den Eisheiligen

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kühle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kühler Wochenstart

07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?