07. Juli 2014 |
Irrtümer bei Gewittern
Kräftige Gewitter haben am gestrigen Sonntagabend vor allem den Westen und Südwestens Deutschlands heimgesucht und dabei einige Schäden verursacht.
Auch in den nächsten Tagen ist weiterhin mit Gewittern zu rechnen, insbesondere im Norden und Osten Deutschlands. Weisheiten über Gewitter gibt es viele. Einige davon sollen im Folgenden beleuchtet werden.
Weisheit 1: Bei Gewittern sollte man sich flach auf den Boden legen!
Das tut man besser nicht! Wenn man keine Möglichkeit hat, in einem
Gebäude oder in einem Auto Schutz zu finden, sucht man sich am besten
eine Senke, hockt sich mit den Armen um die Beine geschlungen hin und
stellt die Füße eng beieinander. Damit verringert man die
Schrittweite, womit bei einem möglichen Blitzschlag weniger Strom
durch den Körper fließt. Legt man sich dagegen flach hin, kann der
Strom in voller Länge durch den Körper fließen und so mehr Schaden
anrichten.
Weisheit 2: Im Auto ist man sicher!
Das stimmt weitestgehend! Ein Auto wirkt als sogenannter Faradayscher
Käfig, der einen Blitz an seiner Karosserie und den Reifen in den
Boden ableitet. Autos aus Metall sind dabei besser als solche aus
Kunststoff, trotzdem ist man in beiden weitestgehend sicher. Auf
jeden Fall sollten aber Fenster und Türen geschlossen werden.
Weisheit 3: "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen!"
Bloß nicht! Bäume an sich sind meistens höher als ihre Umgebung,
womit sie für einen Blitz ein gutes "Ziel" darstellen. Dabei ist es
relativ egal, ob es sich um eine Eiche oder eine Buche handelt. Der
Glaube, dass Buchen nicht so häufig vom Blitz getroffen werden wie
Eichen, rührt möglicherweise aus der Tatsache, dass Blitzschäden an
Buchen nicht so gut zu sehen sind wie an Eichen. Buchen führen den
Blitz direkt in den Boden ab, während bei Eichen der Blitz auch an
einer anderen Stelle der Rinde wieder austreten kann und es so zu
sichtbaren Schäden kommt. Im Wald ist es die beste Wahl, sich an eine
Stelle mit jungen Bäumen zu begeben, die etwas entfernt (3 bis 5 m)
von den größeren Bäumen stehen. Dann gilt wieder die Regel mit dem
Hinhocken (siehe oben). Hat man nur die Wahl zwischen einem freien
Gelände und einem Wald, ist der Wald die bessere Wahl.
Weisheit 4: Im Gebäude ist man sicher! Telefonieren und Duschen
sollte man aber nicht.
Ja und Nein! Im Gebäude ist man weitgehend sicher, es sollte aber
über einen Blitzschutz verfügen, was in Deutschland meistens der Fall
ist. Telefonieren und Duschen sind möglich, wenn Telefon- und
Wasserleitungen unterirdisch verlaufen, was auch in vielen Teilen
Deutschlands der Fall ist. Ist man sich diesbezüglich jedoch nicht
sicher, verzichtet man besser darauf. Fernseher und elektrische
Geräte trennt man besser ganz vom Strom, da es durch Blitzeinschläge
in der nahen Umgebung zu Überspannungsschäden an den Geräten kommen
kann.
Weisheit 5: Bei Gewittern kann man weiter Fußball oder Golf spielen.
Irrtum! Es ist sogar höchst fahrlässig, sich bei einem Gewitter noch
auf dem Spielfeld aufzuhalten. Immer wieder hört man in den Medien
Berichte über vom Blitz getroffene Golf- oder Fußballspieler. Sogar
ganze Mannschaften wurden schon "erwischt". Es liegt in der
Verantwortung der Schiedsrichter und Spieler, das Spiel für die Zeit
des Gewitters zu unterbrechen.
Weisheit 6: Im Flugzeug kann nichts passieren!
Stimmt! Ein Flugzeug ist ebenfalls ein Faradayscher Käfig. Bei einem
Blitzeinschlag fließt der Strom über die Außenhülle ab. Nur in
extremen Ausnahmefällen ist denkbar, dass die Elektronik einen
Schaden erleidet und selbst dann gibt es meist Ersatzsysteme. Um die
Gefahren aber zu minimieren (auch durch den turbulenten Wind),
umfliegen die Piloten ein Gewitter nach Möglichkeit.
Weisheit 7: Ein Blitz schlägt niemals zweimal an derselben Stelle
ein.
Falsch! Es gibt sogar Ziele für den Blitz, die besonders attraktiv
sind. So wird das Empire State Building in New York durchschnittlich
25 Mal im Jahr getroffen.
Weisheit 8: Ein Blitz verläuft von oben nach unten.
Nein! Der nicht sichtbare Vorblitz sucht sich über Verästelungen zwar
von der Wolke zum Erdboden seinen Weg. In der Nähe des Bodens kommt
ihm dann von einer hohen Stelle der Fangblitz entgegen. Treffen sich
beide, kommt es zum Hauptblitz. Dabei wandert die Entladung von unten
nach oben. Eine Richtung beim Blitz ist nun aber nicht zu erkennen,
da diese Entladung sehr schnell geht. Der Blitz erscheint mehr als
ein Aufflackern, als dass er eine Richtung hat.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2014
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