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27. MĂ€rz 2014 |

Der Erdrutsch von Oso

Die Bilder gingen um die Welt: Die kleine Gemeinde Oso im US-Bundesstaat Washington wurde am vergangenen Wochenende unter gewaltigen Erdmassen eines abrutschenden Berghangs begraben. Mindestens 14 Tote hat das verschĂŒttete Örtchen nördlich von Seattle nach letzten ĂŒbereinstimmenden Pressemeldungen zu beklagen. Auch fĂŒr die mehr als 100 Vermissten besteht kaum noch Hoffnung.

Blick auf den abgerutschten Hangbereich (Aufnahme vom 23. MĂ€rz 2014)


Wie kommt es eigentlich zu solch einem PhÀnomen? Einem Erdrutsch
gehen in der Regel lÀnger anhaltende und wiederholt auftretende
StarkregenfÀlle voraus, wobei eine Schneeschmelze einen zusÀtzlichen
Wassereintrag darstellen wĂŒrde. Das einsickernde Wasser sorgt fĂŒr ein
Auflockern und eine Gewichtszunahme der Erdmassen. Dabei wird die
sogenannte Scherfestigkeit des Erdkörpers herabgesetzt. Unter
Scherfestigkeit versteht man die WiderstandskrÀfte, die die Erdmassen
vor einem Abrutschen (Abscheren) bewahren. Verringert sich die
Scherfestigkeit unter einen kritischen Wert, bildet sich eine
Gleitebene aus, die anschaulich wie eine stabile Rutschbahn zu
verstehen ist. Die Schwerkraft, um genau zu sein nur der zu der
Rutschbahn parallele Anteil, wirkt als treibende Kraft. Sie ĂŒberwiegt
nun die haltenden KrĂ€fte und bringt das ĂŒber der Gleitebene
befindliche Erdreich schließlich in Bewegung (siehe dazu die Skizze
einer schiefen Ebene).


Dabei gilt, je höher der Wassereintrag, je steiler das
GelÀnde und je dichter und "lehmiger" der Boden, desto
wahrscheinlicher ist ein Erdrutsch. Menschliche Eingriffe (wie z. B.
Rodungen, Bebauungen) können das Gefahrenpotenzial erheblich erhöhen,
indem sie das Gleichgewicht zwischen haltenden und treibenden KrÀften
nachhaltig stören.

In den Tagen vor dem UnglĂŒck herrschte in der Region eine Ă€ußerst
feuchte Witterung vor. So regnete es in diesem MĂ€rz nach
verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig trockenem Winterverlauf dort immer wieder stark. Am
nahe gelegenen Flughafen in Seattle fielen zwischen dem 1. und 22.
MĂ€rz, dem Tag des UnglĂŒcks, insgesamt rund 195 Liter Regen auf den
Quadratmeter. Auf Grundlage des langjÀhrigen Mittels sind im MÀrz
ĂŒblicherweise nur 95 Liter zu erwarten. In kurzer Zeit ging knapp ein
FĂŒnftel der durchschnittlichen Niederschlagsmenge eines gesamten
Jahres nieder.

Somit gab es aus meteorologischer Sicht im Vorfeld einige Hinweise
auf mögliche Erdrutsche. Bleibt zu hoffen, dass sich solche Tragödien
in Zukunft nicht wiederholen. PrĂ€ventive Maßnahmen wie das Pflanzen
weiterer tief wurzelnder BÀume, das Sichern des Hangs mit ErdnÀgeln
oder das Installieren einer Hangdrainage könnten das Risiko
vermindern.


Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.03.2014

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