29. Januar 2014 |
Sibirische Kälte
In der vergangenen Nacht war die Zugspitze (2964 m Höhe) innerhalb des synoptischen Messnetzes des Deutschen Wetterdienstes mit -17.6 °C der kälteste Ort Deutschlands, auf dem zweiten Platz lag Oberstdorf (806 m Höhe) mit -16.3 °C.
Im Nordosten Deutschlands wurden keine strengen Fröste (d.h. Tiefsttemperaturen <= -10 °C) mehr registriert, die nächtlichen Minima bis heute früh 06:00 Uhr UTC lagen dort nur noch zwischen -5 und -8 °C.
Die amerikanische "Kältewelle" dieser Tage, mit Schneefällen zwischen
Texas und Florida ist sicherlich für die Südstaatler ungewohnt und
sorgt für einiges Chaos, jedoch liegen die Tiefsttemperaturen oftmals
nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Wirklich kalt ist es dagegen in den
Nordstaaten sowie in Kanada mit Tiefstwerten zwischen -20 °C und -30
°C, z.T. auch darunter.
Die derzeit kälteste Region ist allerdings das Mittelsibirische
Bergland, dort werden seit Tagen verbreitet Tiefsttemperaturen unter
-50 °C gemessen. Spitzenreiter in der Froststatistik der vergangen
Nacht, jeweils gemessen um 00:00 Uhr UTC, ist die Station Habardino
(64°38'N, 112°35'E, 244 m Höhe) mit -57.1 °C, dicht gefolgt von
Tugonchany (64°19'N, 93°56'E, 105 m Höhe) mit -56.5 °C und Selagoncy
(66°17'N, 114°31'E, 233 m Höhe) mit -56.4 °C.
Neben ihren geografischen Positionen - hoch im Norden sowie im
Inneren Asiens - liegen alle diese Stationen in Tälern, so dass die
Möglichkeit zur Bildung von Kaltluftseen besteht. Meteorologische
Hauptursache für derartige Extremwerte sind sog. Kältehochs, welche
aus arktischer Polarluft bestehen, geringe vertikale Mächtigkeit
besitzen und in der höheren Atmosphäre von tiefem Luftdruck
überlagert sind.
Die am Boden unter relativem Hochdruck stehende Luftmasse wird durch
strahlungsbedingte Auskühlung der bodennahen Luftschichten,
insbesondere bei klarem Nachthimmel über Schneeflächen, immer kälter
und wirkt schließlich Klima bildend. Dauerhafte winterliche
Kältehochs trifft man daher auch in der Arktis und Antarktis.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.01.2014
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