07. Januar 2014 |
Volle Kraft voraus- oder doch nicht?
Schon seit Heiligabend steckt das russische Forschungsschiff "Akademik Schokalski" im antarktischen Packeis fest. Wie entsteht diese Form des Meereises und was sind seine Besonderheiten? Darüber soll es im heutigen Thema des Tages gehen.
Packeis ist eine Form von Meereis, die nicht mit der Küste verbunden
ist, sondern von Wind und Wellen bewegt wird. Dabei muss eine
zusammenhängende Eisdecke von etwa 80% vorhanden sein, damit man vom
Packeis spricht.
Im September 2013 betrug die Fläche der Meereisbedeckung in der
Arktis etwa 5 Mio. qkm, in der Antarktis 20 Mio. qkm.
Wenn die Wassertemperatur unter -1,8 °C sinkt, bilden sich kleine
Eiskristalle im mm-Bereich (das Salz bewirkt eine
Gefrierpunktserniedrigung verglichen mit reinem Wasser, das bei 0°C
gefriert). Diese Eiskristalle formen sogenanntes Frazil-Eis, das
durch Turbulenz in die obersten Wasserschichten gemischt wird.
Sinkt die Temperatur weiter, wird das Oberflächenwasser zu
"Eisschlamm" (engl.: slush ice) und die turbulente Mischung wird
durch die verbundenen Eiskristalle gedämpft. Sobald der feste Anteil
des Eisschlammes etwa 30-40% beträgt, spricht man von
"Pfannkucheneis" (engl.: pancake ice), das bereits einige Meter groß
sein kann.
Wenn diese einzelnen "Pfannkuchen" schließlich zusammenfrieren,
entsteht eine geschlossene, feste Meereisdecke.
Weiteres Wachstum erfolgt hauptsächlich durch Gefrieren des Wassers
an die untere Eisdecke.
Beim Gefrieren von Salzwasser ist interessant, dass nur die
Wassermoleküle gefrieren. Die Salzkristalle hingegen sammeln sich in
flüssigen Sole-Tropfen (engl.: brine). Einige dieser Soletropfen
werden in Taschen zwischen den Eiskristallen eingeschlossen. Steigt
die Temperatur, so schmilzt das Eis um die Soletaschen, woraufhin
sich diese auflösen.
Eisbrecher sind normalerweise so gebaut, dass sie im Vergleich zu
normalen Schiffen durch ihre besondere Rumpfkonstruktion und das
Aufgleiten auf das Eis dieses brechen. Soll eine Fahrrinne gebildet
werden, stößt der Eisbrecher seitlich Pressluft ins Wasser, sodass
die Fahrrinne vom Eis für einige Zeit freigehalten wird. Wenn
allerdings durch Wind und Strömungen Eisschollen übereinander
geschoben werden, entstehen sogenannte Presseisrücken. Diese
meterhohen Eisformationen können ein großes Hindernis für die
Schifffahrt darstellen, was vermutlich auch der "Akademik Schokalski"
und dem chinesischen Eisbrecher "Snow Dragon", das bei einer
Rettungsaktion des russischen Schiffes ebenfalls stecken blieb, zum
Verhängnis wurde...
Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.01.2014
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
Bild: James Stringer
Themenarchiv:
27.04. - Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet
26.04. - Hagelereignisse in Deutschland
25.04. - Hochdruck ohne Ende
24.04. - Wie Wetter Geschichte schrieb
23.04. - Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge
22.04. - Über Erhaltungsgrößen - und eine grell-bunte Animation
21.04. - Hoch ULI und die späten Nachtfröste
20.04. - Heftige Regenfälle im Osten und Nordosten
19.04. - Petrichor – Der Duft des Regens
18.04. - Einheitenchaos - Teil 2: Wind
17.04. - Der April auf Achterbahnfahrt!
15.04. - Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland
14.04. - Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres
13.04. - Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug
12.04. - Eine Rückschau und eine Vorschau - wie bewölkt ist es über Deutschland
11.04. - Findet die Trockenheit ihr Ende?
10.04. - Von Türmchen, Fasern und Linsen
09.04. - Tiefs "Saskia" und "Tamina" leiten Wetterumschwung ein
08.04. - Hana-Matsuri
07.04. - Einheitenchaos - Teil 1: Temperatur
06.04. - Start in die neue Woche: Freundlich und im Prinzip störungsfrei
04.04. - Warum ist der Himmel blau? – Und was hat die Luftfeuchtigkeit damit zu tun?
02.04. - Deutschlandwetter im März 2026
01.04. - DWD trifft auf Filmlegende!
31.03. - Polynjen - besondere Orte in polaren Gebieten
30.03. - Das "Aprilwetter"
29.03. - Blick in die Karwoche



