19. Oktober 2013 |
Der Einfluss des Mondes auf unser Wetter
Wer am heutigen Samstagmorgen in aller FrĂĽhe unterwegs war, hatte in einigen Regionen Deutschlands die Gelegenheit, den Vollmond am Himmel zu sehen. Immer wieder werden wir Meteorologen gefragt, ob der Mond etwas mit unserem Wetter zu tun hat. Die Antwort darauf lautet: Nein - und Ja!
Dass Ebbe und Flut von unserem Erdtrabanten abhängen, ist ja
hinlänglich bekannt. So sorgt die gegenseitige Massenanziehungskraft
dafĂĽr, dass auf der mondzugewandten Seite der Erde das Wasser unserer
Meere angezogen wird und sich ein Wellenberg bilden kann. Analog dazu
gibt es aufgrund der Fliehkraft auf der mondabgewandten Seite der
Erde einen weiteren Wellenberg. Zwischen diesen beiden Bergen
befinden sich Täler, von denen das Wasser quasi "abgezogen" wird.
Wellen und Täler zeigen sich in Flut und Ebbe. Da es immer 2 Berge
und 2 Täler gleichzeitig gibt, erfolgt das Ganze im 6-stündigen
Rhythmus. Bei einer Flut erhöht sich der Wasserstand durch den
Einfluss des Mondes um etwa 1 m. Selbst die Erdkruste wird zweimal
täglich um etwa 30 bis 40 cm gehoben. Das bemerkt man aber nicht, da
es sich um einen kontinuierlichen Prozess handelt. Statistiken zeigen
jedoch, dass es dadurch in Voll- bzw. Neumondnächten vermehrt zu
Erdbeben kommt.
Wenn der Mond also Auswirkungen auf die Weltmeere und die Erdkruste
hat, dann kann er doch bestimmt auch das aktuelle Wetter
beeinflussen? So wird beispielsweise oft behauptet, dass es in
Vollmondnächten kälter ist als in anderen Nächten. Das aber ist ein
Irrtum! Aufgrund der Mondstrahlung kühlt es nämlich nicht stärker aus
als sonst. Möglicherweise kommt es zu diesem Trugschluss, weil es in
klaren Nächten, in denen es durch Ausstrahlung von der Erdoberfläche
kälter wird als in bewölkten, der Vollmond besser zu sehen ist.
Vielleicht "schafft" der Mond aber ähnlich wie bei den Weltmeeren
durch die Massenanziehung "Berge" und "Täler" in der Erdatmosphäre
bzw. der Luft? WĂĽrden dadurch nicht Tief- und Hochdruckgebiete
entstehen? Auch das ist nicht der Fall! Im Gegensatz zum Wasser ist
die Luft so leicht, dass von der Massenanziehung kaum noch etwas ĂĽber
bleibt. Im Vergleich zur Masse des Wassers ist die Masse der Luft
fast 800 Mal kleiner. Die Auswirkungen werden somit verschwindend
gering. Der Glaube, dass die Mondphase einen Einfluss auf unser
Wetter hat, ist also ein Irrglaube. Zumal sich dann ja das Wetter
weltweit gleichzeitig ändern müsste, was natürlich nie der Fall sein
wird.
Der Mond hat nach diesen Betrachtungen also keinen Einfluss auf unser
Wetter, wieso wird die eingangs gestellte Frage denn trotzdem auch
mit "Ja" beantwortet?
Zum einen verursacht der Mond Sonnenfinsternisse. Dadurch kommt es,
allerdings nur kurzzeitig und indirekt, durch die fehlende
Einstrahlung der Sonne zu einer Absenkung der Lufttemperatur (wenn
nicht eh schon Wolken dafĂĽr sorgen).
Zum anderen ist der Mond aufgrund der Massenanziehung auch dafĂĽr
verantwortlich, dass sich die Erde nicht so schnell dreht. Ohne den
Mond wäre die Erde etwa 3 bis 4 Mal schneller, der Erdentag damit nur
6 bis 8 Stunden lang. Das hätte gravierende Änderungen für unser
Klima und somit letztlich auch das Wetter zur Folge. Aufgrund der
dann schnelleren Drehung der Erde würde es beispielsweise Windböen
von 300 bis 500 km/h geben oder Temperaturen um 60 Grad im Sommer und
-50 Grad im Winter in Mitteleuropa. Seien wir also froh, dass es den
Mond gibt, auch wenn er keinen direkten Einfluss auf unser Wetter
hat.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.10.2013
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
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