07:25 MESZ | 23.07.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
08. Juli 2013 |

Winde zwischen Berg und Tal

Im gestrigen Thema des Tages war von der Strahlung die Rede und auch heute ist sie der Protagonist, denn das heutige Thema beschäftigt sich mit einem lokalen Windsystem, dessen Entstehung nur mit Hilfe der Einstrahlung zu erklären ist...

... und zwar die Berg-Talwind-Zirkulation (eine schematische
Darstellung finden Sie nebenstehend.


Voraussetzung ist eine ruhige Hochdruckwetterlage - wie wir sie im
Moment Hoch Xena verdanken - mit starker Sonneneinstrahlung, die die
Berghänge aufgrund ihrer Neigung im Vergleich zum Tal stärker erwärmt
und damit das Windsystem antreibt:
Die Sonne bestrahlt die Hänge früher und je nach Ausrichtung zur
Sonne, der Oberflächenform der Hänge und des Bewuchses werden diese
unterschiedlich erwärmt. Diese Erwärmung fällt stärker aus, als die
Erwärmung der Luft über dem Tal und am Talausgang.
Am Vormittag setzt also zunächst der Hangaufwind über den erwärmten
Hängen ein. Die aufsteigenden Luftmassen kühlen sich über dem
Gebirgskamm ab und sinken ĂĽber dem Ursprungstal, einem Nachbartal
sowie im Vorland wieder ab. Die aufsteigende Luft muss ersetzt
werden, so dass sich eine Ausgleichströmung vom Vorland in die Täler
und die Berghänge hinauf einstellt, der Talwind.
Um die Mittagszeit bilden sich häufig die ersten Quellwolken über den
Berggipfeln und -kämmen, da die Luft aus den Tälern, die nach und
nach die Hänge erreicht, meist feucht ist. Sie wird an den Hängen
durch die Einstrahlung erwärmt und steigt ebenfalls auf. Beim
Aufsteigen entlang der Hänge kommt es zur Abkühlung, die Luft wird
relativ feuchter und erreicht dann das Kondensationsniveau - Wolken
bilden sich.
Über den Tälern sinkt die Luft ab und erwärmt sich dabei, so dass die
Luft relativ trockener wird und es dort wolkenlos bleibt.
Sobald die Sonne untergegangen ist, schlafen Hang- und Talwind ein
und das System startet in umgekehrter Richtung. Nachts kĂĽhlen sich
die Berghänge und die Luft über ihnen deutlich stärker ab als die
Luft im Tal. Die kĂĽhlere Luft ist schwerer und flieĂźt daher die
Berghänge als Bergwind hinab ins Tal.
Der nächtliche Bergwind ist meist schwächer ausgeprägt als der
Talwind am Tage.

Berg- und Talwinde findet man nicht nur in den Alpen, auch in den
Mittelgebirgen kann man sie beobachten. Meist gibt es auch lokale
Bezeichnungen, wie z.B. den Wisperwind im Taunus oder den Höllentäler
im Schwarzwald bei Freiburg.



Dipl.-Met. Sabine KrĂĽger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2013

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im SĂĽdwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im SĂĽdwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

04.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

03.07. - Endlich wieder DurchlĂĽften - aber wie lange?

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2026

01.07. - Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

30.06. - Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

29.06. - Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

28.06. - Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

27.06. - Hitze, Blitz und Donner!

26.06. - Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

25.06. - HeiĂź, heiĂźer, HARTMUT!

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - SechsunddreiĂźig Grad und es wird noch heiĂźer