08. Juli 2013 |
Winde zwischen Berg und Tal
Im gestrigen Thema des Tages war von der Strahlung die Rede und auch heute ist sie der Protagonist, denn das heutige Thema beschäftigt sich mit einem lokalen Windsystem, dessen Entstehung nur mit Hilfe der Einstrahlung zu erklären ist...
... und zwar die Berg-Talwind-Zirkulation (eine schematische
Darstellung finden Sie nebenstehend.
Voraussetzung ist eine ruhige Hochdruckwetterlage - wie wir sie im
Moment Hoch Xena verdanken - mit starker Sonneneinstrahlung, die die
Berghänge aufgrund ihrer Neigung im Vergleich zum Tal stärker erwärmt
und damit das Windsystem antreibt:
Die Sonne bestrahlt die Hänge früher und je nach Ausrichtung zur
Sonne, der Oberflächenform der Hänge und des Bewuchses werden diese
unterschiedlich erwärmt. Diese Erwärmung fällt stärker aus, als die
Erwärmung der Luft über dem Tal und am Talausgang.
Am Vormittag setzt also zunächst der Hangaufwind über den erwärmten
Hängen ein. Die aufsteigenden Luftmassen kühlen sich über dem
Gebirgskamm ab und sinken über dem Ursprungstal, einem Nachbartal
sowie im Vorland wieder ab. Die aufsteigende Luft muss ersetzt
werden, so dass sich eine Ausgleichströmung vom Vorland in die Täler
und die Berghänge hinauf einstellt, der Talwind.
Um die Mittagszeit bilden sich häufig die ersten Quellwolken über den
Berggipfeln und -kämmen, da die Luft aus den Tälern, die nach und
nach die Hänge erreicht, meist feucht ist. Sie wird an den Hängen
durch die Einstrahlung erwärmt und steigt ebenfalls auf. Beim
Aufsteigen entlang der Hänge kommt es zur Abkühlung, die Luft wird
relativ feuchter und erreicht dann das Kondensationsniveau - Wolken
bilden sich.
Über den Tälern sinkt die Luft ab und erwärmt sich dabei, so dass die
Luft relativ trockener wird und es dort wolkenlos bleibt.
Sobald die Sonne untergegangen ist, schlafen Hang- und Talwind ein
und das System startet in umgekehrter Richtung. Nachts kühlen sich
die Berghänge und die Luft über ihnen deutlich stärker ab als die
Luft im Tal. Die kühlere Luft ist schwerer und fließt daher die
Berghänge als Bergwind hinab ins Tal.
Der nächtliche Bergwind ist meist schwächer ausgeprägt als der
Talwind am Tage.
Berg- und Talwinde findet man nicht nur in den Alpen, auch in den
Mittelgebirgen kann man sie beobachten. Meist gibt es auch lokale
Bezeichnungen, wie z.B. den Wisperwind im Taunus oder den Höllentäler
im Schwarzwald bei Freiburg.
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.07.2013
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
Bild: DWD
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