02:33 MESZ | 31.08.2025 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Facebook Twitter
Drucken
12. September 2024 | M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Hurrikan-Saison am Höhepunkt?

Hurrikan-Saison am Höhepunkt?

Datum 12.09.2024

Die Hurrikan-Saison 2024 verlief nach einem fulminanten Start im weiteren Verlauf erstaunlicherweise bisher sehr ruhig. Nun hat sich allerdings der erste Hurrikan über dem Golf von Mexiko im September entwickelt und auch über dem östlichen Atlantik tut sich was. Ist das der Wendepunkt?

Hurrikan FRANCINE hat die Küste von Louisiana erreicht. Dabei ging der Sturm als Hurrikan der Kategorie 2 an Land. FRANCINE erreicht an den Küsten Spitzenböen von 150 Kilometern pro Stunde, schwächt sich auf seinem Weg ins Landesinnere aber schnell ab. Die Hauptgefahr des Sturms geht von intensiven Regenfällen aus, die auch weit landeinwärts für Überschwemmungen sorgen können. Innerhalb von 24 Stunden sind in Louisiana stellenweise 150 bis 300 Liter pro Quadratmeter zu erwarten.
FRANCINE ist der sechste benannte Sturm im Atlantik in der Saison 2024 bisher. Damit liegt die Wirbelsturmaktivität dort bis zum jetzigem Zeitpunkt entgegen den Prognosen zu Beginn der Saison, sogar auf leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Doch was sind die Ursachen hierfür?

Die atlantische Hurrikan-Saison startete in diesem Jahr vielversprechend. Hurrikan BEYRL war der frühste beobachtete Kategorie 5 Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen. Dieser Sturm entwickelte sich bereits am 2. Juli über dem karibischen Meer zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie. Grund dafür waren überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen, sowie günstige atmosphärische Bedingungen, welche die rasche Entwicklung des Sturms förderten.

Diese Grafik zeigt den Hurrikan Beyrl als Kategorie 5 Hurrikan über dem karibischen Meer. (Quelle NASA)
Diese Grafik zeigt den Hurrikan Beyrl als Kategorie 5 Hurrikan über dem karibischen Meer. (Quelle NASA)


Im weiteren Verlauf entwickelten sich lediglich die Stürme Debby (Kategorie 1) und Ernesto (Kategorie 2) zu signifikanten Wirbelstürmen auf dem Atlantik. Vom 20. August bis zum 10. September wurde kein einziger Sturm im gesamten Nordatlantik gesichtet und das obwohl zu diesem Zeitpunkt im klimatologischen Mittel der Höhepunkt der Wirbelsturmaktivität beginnt.

Die Ursache dafür lag vermutlich im Ostatlantik in der Nähe von Westafrika. Dieses Gebiet ist besonders interessant für die Entwicklung von starken Hurrikans, da dort die Grundlage in Form von konvektiven Gewittersystemen geschaffen werden. Über Westafrika und dem angrenzenden Ostatlantik wurden in diesem Zeitraum weit nach Norden ausgedehnte African Easterly Waves beobachtet. Dadurch verlagerten sich die konvektiven Gewittersysteme von Westafrika ausgehend über die Sahara in den Ostatlantik. Dies unterdrückte die weitere Intensivierung und teilweise auch schon die Auslösung der konvektiven Systeme sehr stark, sodass der Atlantik in diesem Zeitraum keinen einzigen ausgewachsenen Sturm hervorbrachte.

In den letzten Tagen haben sich die Bedingungen für die Entwicklung von starken Wirbelstürmen zumindest etwas gebessert. Die African Easterly Waves haben ihre Position verändert, sodass in den nächsten Wochen mit einem leichten Aufleben der Aktivität zu rechnen ist. Allerdings befindet sich in der Region, auch aufgrund einer erhöhten Saharastaubkonzentration eine immer noch recht stabile Schicht in der mittleren Atmosphäre, welche die weitere Entwicklung hemmen wird. Durch den Eintrag von Saharastaub wird die einfallende Solarstrahlung an den Staubpartikeln absorbiert, wodurch sich diese Schicht relativ zur unteren troposphärischen Schicht erwärmt. Zusätzlich unterdrückt der geringe Feuchtegehalt dieser Schicht weitere Konvektion.

Diese Grafik zeigt die aktuelle Entwicklung im Atlantik mit einem Gebiet erhöhter Saharastaubkonzentration über dem östlichen und mittleren Teil des Ozeans. (Quelle CIMMS)
Diese Grafik zeigt die aktuelle Entwicklung im Atlantik mit einem Gebiet erhöhter Saharastaubkonzentration über dem östlichen und mittleren Teil des Ozeans. (Quelle CIMMS)



Derzeit befindet sich eine tropische Depression westlich der Kapverden im östlichen Atlantik. Diese wird sich vorerst nicht weiter verstärken können. Erst im weiteren Verlauf deuten einige Berechnungen der Modelle eine Intensivierung zum tropischen Wirbelsturm oder auch zum Hurrikan an. Westlich der tropischen Depression befinden sich zwei weitere Störungen. Diese bestehen aktuell aus unorganisierten Bändern von Schauern und Gewitter und werden im weiteren Verlauf voraussichtlich ebenfalls keine klare Struktur ausbilden können. Damit bleibt die Sturmaktivität trotz zaghaft angedeuteten Entwicklungen auch im weiteren Verlauf des Septembers voraussichtlich gedämpft.


Diese Grafik zeigt eine Ensemblevorhersage der Zugbahn sowie Intensität der aktuellen tropischen Depression über dem östlichen Atlantik. (Quelle ECMWF)
Diese Grafik zeigt eine Ensemblevorhersage der Zugbahn sowie Intensität der aktuellen tropischen Depression über dem östlichen Atlantik. (Quelle ECMWF)





© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

30.08. - Fliegende Instrumente

29.08. - Eine Reise in die Great Plains

28.08. - Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! - Teil 2

27.08. - Erst sommerlich, dann regnerisch

26.08. - Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! - Teil 1

25.08. - Der Landgang eines Tropensturms

24.08. - Ein letztes Aufbäumen des Hochsommers

23.08. - Hoch "Mareike" sorgt für ruhiges Wetter

22.08. - Die Gänseblümchenwelt - Teil 2

21.08. - Der Gänseblümchenplanet - Teil 1

20.08. - Akklimatisierung - der Schlüssel beim Höhenbergsteigen

19.08. - Das Ende der Hundstage

18.08. - Hurrikan ERIN und dessen Einfluss auf das Wettergeschehen in Europa

17.08. - Hurrikan ERIN wirbelt über dem Atlantik

16.08. - Auswirkungen eines Blitzeinschlags in ein Fahrzeug

15.08. - Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle

14.08. - Von Schwämmen und Städten

13.08. - Sommerlich, heiß, sehr heiß? - "Kenntage" des Sommers 2025

12.08. - Perseiden 2025 – Sternschnuppen am Firmament

11.08. - Wolkenimpfung zur Hagelabwehr - Methode und Nutzen

10.08. - TEAMx: Groß angelegtes Forschungsprojekt in den Alpen

09.08. - Der Sommer mit Hindernissen nimmt zur neuen Woche richtig Fahrt auf!

08.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2025: Prognosen und Ist-Zustand

07.08. - Von Blitzen und Megablitzen

06.08. - Tornados - Faszinierende Naturgewalt mit zerstörerischer Kraft

05.08. - Nach NING kommt INES und bringt den Sommer zurück

04.08. - Das Jahr ohne Sommer

03.08. - Extremes Wetter in Teilen Europas

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2025

01.08. - Regen ohne Ende? – FLORIS bringt die Wende