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27. August 2023 | Dipl.-Met. Martin Jonas

Dauerregen hat den Alpenraum im Griff

Dauerregen hat den Alpenraum im Griff

Datum 27.08.2023

Das heutige Thema des Tages wirft einen Blick auf die Dauerregensituation im Alpenraum – sowohl auf die vergangenen als auch auf die kommenden Tage.

Für die Meteorologen in den Alpenländern ist Dauerregen derzeit das beherrschende Thema, müssen dort doch aktuell außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen verkraftet werden. Dabei ist es vor allem Tief ERWIN, das vom westlichen Mittelmeer in Richtung Oberitalien wandert und morgen gegen Mittag im Golf von Genua erwartet wird, welches für diese bemerkenswerten Niederschlagssummen verantwortlich ist. Denn im Einflussbereich des Tiefs kommt es einerseits zu staubedingten Hebungsprozessen an den Alpen, andererseits aber auch zu großflächigem Aufgleiten unterschiedlicher Luftmassen (feucht-warm vom Mittelmeer, vergleichsweise trocken-kalt von Westen), so dass auch allein aus der Konfiguration der Luftmassen Hebung und in der Folge Niederschläge generiert werden


Frontenvorhersage für Mo., 28.08.2023, 12 UTC


Schon in den 24 Stunden vom gestrigen Samstagmorgen bis zum heutigen Sonntagmorgen wurden im Zuge von ERWINs Aktivität Regensummen registriert, die mancherorts durchaus auch als Monatssumme durchgehen würden. Spitzenreiter war dabei die Station Biasca im schweizerischen Tessin mit 192 Liter pro Quadratmeter (weißer Kreis in Abbildung 2). Ein wenig ins Grübeln ob der Richtigkeit der Messungen kommt man bei solch extremen Werten schon. Gänzlich abwegig sind sie aber nicht. Denn einerseits haben auch die beiden (Berg-)Stationen Cimetta und San Bernadino in der näheren Umgebung mit 135 Liter pro Quadratmeter und 102 Liter pro Quadratmeter ähnlich hohe Niederschlagsmengen registriert, andererseits hat auch der deutsche Rekordhalter Zinnwald-Georgenfeld (312 Liter pro Quadratmeter am 12./13.8.2002) schon gezeigt, dass solche Mengen in solch kurzer Zeit nicht unmöglich sind.


24-stündige Niederschlagssumme bis Sonntag, 27.08.2023, 08 Uhr MESZ


In der Gesamtschau erkennt man in Abbildung 2 einen mehr oder weniger breiten Streifen von Südfrankreich bis ins Böhmische Becken, in dem häufig mehr als 50 Liter pro Quadratmeter gefallen sind. Besonders betroffen war dabei ein Gebiet zwischen den schweizer Kantonen Waadt und Wallis im Nordosten und dem französischen Languedoc im Südwesten. So registrierten die Messgeräte im kleinen Ort Saint Aupre im Departement Isère 71 Liter pro Quadratmeter. Bei den Werten über Südbayern und hinüber nach Tschechien ist allerdings Vorsicht geboten. Denn diese beiden „Streifen“ sind nicht Teil der Dauerregen-„Erzählung“. Vielmehr sind dort am gestrigen Nachmittag schwere Gewitter durchgezogen, die für die entsprechend hohen Niederschlagssummen gesorgt haben.

Die Frage für die niederschlagsgeplagten Alpenraumbewohner ist jetzt natürlich, wie es mit dem Regen weitergeht. Und da kann leider noch nicht von Entwarnung gesprochen werden. Zwar sind die Ostalpen vergleichsweise weniger stark betroffen als der restliche Alpenraum, und in den französischen Alpen scheint der überwiegende Teil des Regens schon gefallen zu sein, aber ansonsten hat man beim Blick auf die Vorhersagemodelle den Eindruck, es geht erst richtig los.


60-stündig akkumulierter Niederschlag nach ICON-EU


ICON-EU (Abbildung 3) legt den Niederschlagsschwerpunkt bis zum Dienstagabend ins Tessin (voraussichtlich schon wieder stark betroffen!) und in die südwestlich anschließende Lombardei bzw. ins Piemont. Bis zu 250 Liter pro Quadratmeter sagt das Modell für die genannten Regionen voraus. Weitere Brennpunkte bilden das Hinterland Genuas sowie Venetien und Südtirol, wo 100 Liter pro Quadratmeter, lokal auch über 150 Liter pro Quadratmeter fallen sollen.
Erst im Laufe des Dienstags schwächen sich die Regenfälle in den genannten Gebieten ab. Denn allmählich verlagern sich die Niederschläge, ebenso wie Tief ERWIN, nach Osten. Entsprechend regnet es in den Ostalpen auch noch bis zum Mittwoch, Mengen, die auch nur annähernd an die Im Tessin herankommen, muss allerdings niemand befürchten.



© Deutscher Wetterdienst

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