22:32 MESZ | 17.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
25. Mai 2022 |

Des einen Freud, des anderen Leid: Die Angst vor Wetter

Des einen Freud, des anderen Leid: Die Angst vor Wetter

Datum 25.05.2022

"Es gibt nichts, was es nicht gibt", "Kaum zu glauben, aber wahr", "Klingt komisch, is' aber so",... Viele Sprichwörter fallen einem unwillkürlich ein, wenn es um das heutige Thema geht.

Ein tosendes Gewitter, aufs Dachfenster prasselnde Regentropfen, Wolken in unterschiedlichsten Formationen, vom Himmel rieselnde Schneeflocken... - all das lässt so manch Meteorologenherz höherschlagen und sorgt vermutlich auch bei vielen anderen "Wetterfans" für Begeisterung.


Zum Vergrößern bitte klicken


Doch nicht alle Menschen teilen diese Faszination und Leidenschaft fürs Wetter, bei manchen kann es vielmehr ein negatives Gefühl auslösen: Angst. Die Angst vor Gewittern (im Fachjargon Astraphobie genannt) ist vielleicht diejenige, die man als nicht betroffene Person noch am besten nachvollziehen kann. Tatsächlich gibt es aber einige weitere Phobien, die zugegebenermaßen (vor allem für Wetterfans) ziemlich skurril klingen: Neben der Angst vor Wind (Anemophobie) gibt es die Angst vor Wolken (Nephophobie) oder Nebel (Nebulaphobie). Bei anderen bezieht sich die Angst hinegegen auf Regen (Ombrophobie) oder Schnee (Chionophobie).

All diese Phobien zählen zu den sogenannten spezifischen/isolierten Phobien, die nach der internationalen Klassifikation zur Verschlüsselung von Diagnosen ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, die Codes die meist auf einem Arztrezept stehen) folgendermaßen definiert sind:

"Phobien, die auf eng umschriebene Situationen wie Nähe von bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene Räume, (...) Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von Blut oder Verletzungen beschränkt sind. Obwohl die auslösende Situation streng begrenzt ist, kann sie Panikzustände (...) hervorrufen." (F40.2)

Es handelt sich also um objekt- oder situationsbezogene Ängste, von denen es unzählige gibt. Allgemein geläufig sind zum Beispiel die Angst vor Spinnen, mit dem Flugzeug zu fliegen, oder auch Höhenangst. Und während die einen schwitzige Hände, Herzrasen oder Panickattacken beim Anblick einer Spinne bekommen, haben andere diese Symptome beim Erblicken von Wolken ("Nephophobie" kommt übrigens aus dem griechischen: nepho = Wolke, wolkig und phobia = Furcht).

Die Ursache von spezifischen Phobien liegt der Chefärztin Dr. Peggy Guler-Stützer zufolge vielfach in der Kindheit, sie könnten sich aber auch im Erwachsenenalter bilden. Sehr häufig seien frühere Erfahrungen und Erlebnisse Auslöser. Wenn zum Beispiel das Lieblingsspielzeug eines Kleinkinds in den Schnee fällt und nicht mehr zu sehen ist oder zufällig das Zahnen zeitgleich mit Schneefall einhergeht, kann sich daraus eine Angst vor Schnee entwickeln. Aber auch wenn jemand ein Lawinenunglück überlebt hat, ist eine nachfolgende Angstreaktion auf Schnee, eine Chionophobie, möglich.

Während all das für die meisten vermutlich ziemlich seltsam klingt und "Nephophobie" gedanklich höchstens in der Schublade "unnützes Wissen" landet, sind die Betroffenen - vor allem in unseren wettertechnisch abwechslungsreichen Breitengraden - alles andere als zu beneiden. (Findet zumindest die Autorin, die sich beim Schreiben des Textes an rasch quellenden Cumuluswölkchen erfreute...)

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 25.05.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

17.08. - Erwartet uns nun der langersehnte Landregen?

16.08. - Sind Sie auf dem aktuellen Stand?

15.08. - Waldbrandwetter

14.08. - Hitze ade?

13.08. - Von Labilität und Feuchte

12.08. - Höhepunkt der Perseiden

11.08. - Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

10.08. - Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? Atmosphärische Instabilitäten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung

25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

24.07. - Von Hunden und Erfrischungen

23.07. - Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur