Wenn die AtmosphĂ€re wieder kĂ€lter wird und die Sonne tiefer steht, dann ist es Zeit fĂŒr vermehrt auftretende bunt schimmernde Wolken - die sogenannten irisierenden Wolken. Man kann sie tagsĂŒber bei ausreichend Sonnenlicht an hoher oder mittelhoher Bewölkung beobachten.
Irisation wurde lange Zeit einzig der Beugung des Sonnenlichts an sehr kleinen Wassertröpfchen oder Eiskristallen zugeschrieben. Inzwischen geht man davon aus, dass sowohl Beugung als auch Reflexion und Interferenz fĂŒr die FĂ€rbung verantwortlich sind. Die GröĂe der Tropfen und Kristalle in den irisierenden Wolken betrĂ€gt meist nur 0,1 bis 0,2 ”m (Mikrometer). In AlpennĂ€he tritt Irisation hĂ€ufig im Zusammenhang mit Föhn auf. Im Lee der Gebirge bilden sich dabei dĂŒnne Altocumulus- oder Cirrocumulus-Wolken, die aus vielen kleinen Wassertropfen oder Eiskristallen bestehen. Die HĂ€ufung der Beobachtung der irisierenden Wolken im Winter lĂ€sst sich mit der tiefer stehenden Sonne und dem daher gĂŒnstigeren Winkel zur Wolke erklĂ€ren.
Wie kommt die Farbe zustande? Unser Sonnenlicht besteht aus allen WellenlĂ€ngen, im fĂŒr uns Menschen sichtbaren Bereich enthĂ€lt es quasi alle Farben. Dabei hat Rot eine WellenlĂ€nge von etwa 700 nm (Nanometer), Violett eine WellenlĂ€nge von etwa 420 nm. Alle ĂŒbrigen Farben liegen dazwischen.
In der Wolke gibt es nun viele kleine Wassertropfen oder Eiskristalle, die alle unterschiedlich geformt sind und in ihrer GröĂe geringfĂŒgig voneinander abweichen. Beim Durchdringen des Sonnenlichts einer dĂŒnnen Wolke wird das Licht an jedem einzelnen Tropfen oder Kristall gebeugt, gebrochen oder reflektiert. Dabei wird das weiĂe Sonnenlicht in sein Spektrum mit unterschiedlichen WellenlĂ€ngen aufgebrochen und wir sehen diskrete Farben. Dies geschieht viele Hunderte Male in kurzer Zeit.
Es gibt nun also in der Wolke sehr viele umgelenkte und reflektierte Lichtwellen mit fĂŒr ihre WellenlĂ€nge charakteristischen Wellenbergen und WellentĂ€lern, die sich nun aufeinander zu bewegen. Sie können sich dabei ĂŒberlagern und verstĂ€rken, man spricht dann von konstruktiver Interferenz, oder sich gegenseitig auslöschen, dies nennt man destruktive Interferenz. Je nachdem, wo nun Wellenberge und -tĂ€ler aufeinandertreffen, ist die FĂ€rbung intensiver oder schwĂ€cher. Je nach Standort eines Beobachters zur irisierenden Wolke, nimmt er die FĂ€rbung also unterschiedlich wahr.
Wenn Sie nun in den nĂ€chsten Monaten drauĂen sind, die Sonne scheint und ab und zu dĂŒnne Wolkenfelder vorbeiziehen, dann richten Sie doch den Blick in den Himmel, vielleicht sehen Sie dann auch farbenprĂ€chtige irisierende Wolken.
Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.11.2021
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst




