18:04 MESZ | 10.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
21. Februar 2021 |

Durch Vorfrühlingswetter geht es der Schneedecke an den Kragen

Durch Vorfrühlingswetter geht es der Schneedecke an den Kragen

Datum 21.02.2021

Vom Hochwinter in den Vorfrühling innerhalb kurzer Zeit - dieser Vorgang vollzog sich in den vergangenen Tagen. Die gebietsweise üppige Schneedecke schmolz rasch dahin. Ein Vergleich der aktuellen Situation mit dem vergangenen Sonntag wird im heutigen Thema des Tages behandelt.

Am vergangenen Sonntag (14.02.2021) war in Deutschland noch Hochwinterwetter angesagt. Die Höchstwerte bewegten sich in vielen Landesteilen noch unter dem Gefrierpunkt. Nur im Norden und Westen wurden bereits zarte Plusgrade erreicht. Außerdem lag verbreitet Schnee und die Schneedecke erreichte, besonders in einem Streifen vom Münsterland bis zum westlichen Erzgebirge sowie an der Ostseeküste, mit verbreitet 20 bis 50 cm im Flachland durchaus stattliche Höhen. Beispielsweise wurden am Sonntagmorgen in Donndorf nordöstlich von Erfurt 49 cm und in Salzgitter 43 cm gemessen. Auch in Ribnitz-Damgarten östlich von Rostock wurden 34 cm gemessen (siehe Grafik unter: bit.ly/3k5qUFq, linke Seite). Verantwortlich für die deutschlandweite Schneedecke war im Binnenland vor allem eine Luftmassengrenze, die mehrere Tage lang gebietsweise heftige Schneefälle auslöste. Nachfolgend konnte der Schnee durch einfließende Polarluft arktischen Ursprungs konserviert werden (siehe auch: www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/2/8.html und www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/2/7.html). An der Ostsee sorgte der sogenannte "Lake-Effekt" regional für eine üppige Schneedecke.


Zum Vergrößern bitte klicken


Auch wenn diesen Sonntag ganz andere Wetterbedingungen vorherrschen, so gibt es doch eine Verbindung zum letzten Sonntag. Dies ist der nahezu landesweite Sonnenschein. Brauchte man allerdings letzte Woche noch Schal, Mütze und eine dicke Jacke um sich im Freien zu bewegen, so kann man sich heute tagsüber in manchen Landesteilen sogar im T-Shirt in der Natur bewegen und die durchaus schon kräftige Sonne genießen. Der Unterschied der Höchstwerte zwischen dem letzten und diesem Sonntag beträgt beachtliche 15 bis 20 Grad. Verursacher des Wetterumschwungs von recht kalt zu sehr mild war die Änderung der Großwetterlage und der Anströmung. Während am letzten Wochenende noch eine nördliche bis östliche Strömung vorherrschte, befinden wir uns nun an der Nordwestflanke eines Hochdruckgebietes über Südosteuropa und somit im Zustrom ungewöhnlich milder Luftmassen aus Süden.

Verbunden mit der sehr deutlichen Milderung ist auch ein recht rasches Abtauen der Schneedecke. Obwohl es kein größeres Niederschlagsereignis in den vergangenen Tagen gab, schmolz die Schneedecke im Flachland mehrheitlich ab. Heute Morgen fanden sich daher lediglich über der Mitte des Landes noch Schneereste (in der Grafik mit FL markiert) oder eine wenige Zentimeter dicke Altschneedecke. Nur in den zentralen und östlichen Mittelgebirgen sowie in den höheren Lagen der Alpen liegt noch deutlich mehr Schnee (siehe Grafik unter: bit.ly/3k5qUFq, rechte Seite). Doch auch dort geht es der Schneedecke zunehmend an den Kragen, denn es bleibt in den Folgetagen ungewöhnlich mild und selbst im Bergland steigen die Temperaturen auf 10 bis 14 Grad an. Da Niederschläge nicht in Sicht sind und auch der Wind nicht allzu stark weht, geht das Abtauen nicht sonderlich schnell vonstatten. Die Flüsse sollten das abfließende Tauwasser also meist problemlos aufnehmen können und es droht kein größeres Hochwasser.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 21.02.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen