13:27 MESZ | 24.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
07. Dezember 2020 |

Schneeflöckchen, Weißröckchen

Schneeflöckchen, Weißröckchen

Datum 07.12.2020

Schnee ist um diese Jahreszeit ein omnipräsentes Thema. Besonders auf der Alpensüdseite kann man ein Lied davon singen, denn die versinkt gerade meterhoch in der weißen Pracht.

Seit einigen Tagen schon hat sich die Großwetterlage über Europa mehr oder weniger festgefahren. Über Westeuropa hat sich ein stationärer Langwellentrog manifestiert, damit einher geht ein korrespondierendes Tiefdruckgebiet bei Großbritannien. Bei uns in Deutschland macht sich das in erster Linie in Form einer markanten Luftmassengrenze bemerkbar, die bei uns zumindest im Bergland für etwas winterliche Stimmung sorgt. Der besagte Langwellentrog hat aber auch noch andere Eigenschaften im Gepäck. Er lenkt nämlich warme Luft vom Mittelmeer, die aufgrund der noch warmen Wassertemperaturen mit reichlich Feuchtigkeit angereichert ist, genau im rechten Winkel gegen die Alpen. Dies führte an diesem Wochenende zu einer Staulage an der Alpensüdseite. Die hatte es in sich, denn sämtliche Feuchtigkeit vom Mittelmeer wurde durch das erzwungene Aufsteigen der Luftmassen an den Alpen in Form von Regen und Schnee abgeladen.


Zum Vergrößern bitte klicken


Dabei sind exorbitante Niederschlagsmengen zusammengekommen. Teilweise wurden sogar diverse Rekorde gebrochen. Wie der österreichische Wetterdienst (ZAMG) berichtet, sind stellenweise deutlich über 200 l/qm Niederschlag in 48 Stunden gefallen. Spitzenreiter war der Ort Kornat im Kärntner Lesachtal mit 285 l/qm, gefolgt von Lienz in Osttirol mit 210 l/qm, Silian (Osttirol) mit 205 l/qm, Kötschach-Mauthen (Kärnten) mit 195 l/qm, und St. Jakob/Defereggen (Osttirol) mit 190 l/qm. In Lienz und Kornat wurden die Rekordmengen für 48-stündige Niederschlagsmengen gebrochen. Die gefallenen Neuschneemengen sind ebenfalls rekordverdächtig. Da die Schneefallgrenze im Verlauf stark schwankte, korrespondieren dabei die gemessenen Niederschlagssummen nicht notwendigerweise mit den Neuschneemengen. In Umhausen (Ötztal, 1030 m ü. NN) fielen von Samstag auf Sonntag rund 80 cm Neuschnee, was den bisherigen Stationsrekord für 24-stündigen Schneefall von 45 cm fast verdoppelte. Am Brenner auf 1400 m ü. NN schneite es sogar fast 90 cm, der Rekord liegt hier allerdings bei 100 cm im März 1975. Noch mehr Neuschnee kam auf den Gipfeln oberhalb 1500 m zusammen. Von Freitag bis Sonntagfrüh fielen dort verbreitet zwischen 100 cm und 150 cm Neuschnee.

Die Niederschläge sind auch noch nicht vorüber. Zum Dienstag bildet sich ein neues Tiefdruckgebiet über der Adria und drückt erneut die feuchte Luft gegen die Berge. Dabei sollen bis in die Nacht zum Mittwoch insgesamt erneut Niederschlagsmengen von 70 bis 100 l/qm in kurzer Zeit zusammenkommen, die dann vor allem in den höheren Lagen nochmals ein massives Neuschneepaket obendrauf packen. Dementsprechend werden bereits bestehende Einschränkungen durch umgestürzte Bäume, gerissene Stromleitungen, und Lawinengefahr voraussichtlich weiter bestehen bleiben.

Die unten stehende Abbildung (https://t1p.de/yd7e) zeigt einmal das frühmorgendliche tief verschneite Heiligenblut in Kärnten ganz in der Nähe des Großglockners (Quelle: foto-webcam.eu), sowie die 48-stündige Analyse der Niederschlagssummen (Quelle: Facebook-Auftritt der ZAMG).*

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.12.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!