Facebook Twitter
Drucken
06. November 2019 | Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Ganz schön windig auf dem Indik!

Ganz schön windig auf dem Indik!

Datum 06.11.2019

In den vergangenen Tagen trieben gleich zwei Zyklone über dem Indischen Ozean ihr Unwesen. Zyklon? Hurrikan? Taifun? Was war da nochmal der Unterschied?

Herbstzeit ist Wirbelsturmzeit! Doch während es über dem Atlantik momentan ziemlich ruhig ist, steppt über dem Indischen Ozean, genauer gesagt über dem Arabischen Meer, der Bär. Nachdem dort letzte Woche Super Zyklon KYARR wirbelte, entwickelte sich mit MAHA bereits der nächste Zyklon.


Zum Vergrößern bitte klicken
Zum Vergrößern bitte klicken


Ein Zyklon ist aus meteorologischer Sicht dasselbe Phänomen wie ein Hurrikan oder ein Taifun, nämlich ein tropischer Wirbelsturm. Die Bezeichnung ergibt sich grob gesagt aus der Region, in der er auftritt. Denn während ein tropischer Wirbelsturm über dem Atlantik und dem Nordostpazifik Hurrikan genannt wird, heißt er über dem Nordwestpazifik Taifun und über dem Indischen Ozean und dem Südwestpazifik Zyklon. Geht man etwas ins Detail, wird ein tropischer Wirbelsturm über dem Atlantik und Ostpazifik erst dann Hurrikan genannt, wenn er Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 km/h vorweisen kann und zwar nicht als Böe, sondern als 1-minütiges Geschwindigkeitsmittel. Die weitere Kategorisierung erfolgt dann über die fünfstufige Saffir-Simpson-Skala. Bringt es ein Hurrikan der Kategorie 1 "nur" auf 119 bis 153 km/h, schafft es ein Kategorie-5-Hurrikan auf über 251 km/h - wohlgemerkt im 1-Minuten-Mittel.

Über dem Indischen Ozean wird die Einteilung der Zyklone dagegen etwas anders gehandhabt, auch wenn dabei ebenfalls die mit ihnen verbundenen Windgeschwindigkeiten entscheidend sind. Während im Allgemeinen unter einem Zyklon ein tropischer Wirbelsturm verstanden wird, der wie ein Hurrikan oder Taifun mindestens Orkanstärke erreicht hat, verwendet das RSMC Neu-Delhi (Meteorologisches Zentrum für tropische Zyklone über dem Nordindik) diesen Begriff nicht. Es spricht dagegen bereits ab 62 km/h von einem zyklonischen Sturm, ab 89 km/h von einem schweren zyklonischen Sturm und ab 118 km/h von einem sehr schweren zyklonischen Sturm. Letzterer würde also Kategorie 1 der Saffir-Simspon-Skala entsprechen, allerdings handelt es sich bei diesen Geschwindigkeiten nun nicht um 1-, sondern um 3-Minuten-Mittel. Das kann schon ein ganz schöner Unterschied sein. Die höchste Bezeichnung, die das RSMC Neu-Delhi vergibt, ist die des Super zyklonischen Sturms, wofür so ein Sturm stolze 222 km/h oder mehr vorweisen muss.

222 km/h? Kein Problem für KYARR! Unglaubliche 240 km/h hatte der Zyklon letzte Woche im Gepäck, wohlgemerkt als Mittelwind über drei Minuten (Böen bis 265 km/h). Daher wurde er vom RSMC folgerichtig als Super Zyklon eingestuft. Diese "Ernennung" blieb MAHA dagegen verwehrt, am vergangenen Montag schaffte es der Sturm aber zumindest kurzzeitig in den Bereich eines extrem schweren Zyklons (rund 170 km/h). Für mehr reichte es aber nicht, ganz im Gegenteil. MAHA geht nämlich nun mehr und mehr die Luft aus - zum Glück! Denn der Sturm, der zunächst in nordwestlicher Richtung unterwegs war, hat seinen Kurs geändert und zieht nun ostwärts Richtung Nordwestindien. Auch wenn ihm bis dahin aller Voraussicht nach der Titel "Zyklon" entzogen sein dürfte und der Wind kein großes Thema mehr ist, muss in den betroffenen Regionen dennoch mit zum Teil heftigen Regenfällen gerechnet werden.

Nach MAHA ist dann aber aktuell kein weiterer Zyklon über dem Arabischen Meer unterwegs. Anders sieht es über dem Golf von Bengalen aus: Dort hat sich ein Tief entwickelt, das nordwärts Richtung Nordostindien und Bangladesch zieht und sich dabei nach aktuellen Prognosen zu einem sehr schweren zyklonischen Sturm mit Windgeschwindigkeiten von etwa 120 km/h mausern soll.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

13.12. - Stürmische Zeiten im Mittelmeerraum

12.12. - Schwerewellen in der Atmosphäre und ihre Auswirkungen

11.12. - Kommt jetzt Winterfeeling auf?

10.12. - Das Gesamtbild der Luftmassenzirkulation und die Bedeutung für das Wetter!

09.12. - Physik zum Anfassen: Der Flaschennebel

08.12. - NOVEMBERgrau - oder doch besser DEZEMBERgrau?

07.12. - Weihnachten im Schnee wieder ade?

06.12. - UN-Klimakonferenz in Madrid: Zeit zu handeln

05.12. - Quentin, Rudi und Siro - ein windiges Tiefdruck-Triumvirat

04.12. - Wenn es funkt...

03.12. - Deutschlandwetter im Herbst 2019

02.12. - Praktische Anwendungen für Radiosondenaufstiege

30.11. - Horrorwinter! Horrorwinter?

29.11. - Raureif, Raueis, Raufrost - Was denn nun?!

28.11. - Kräftige Regenfälle im Norden Portugals

27.11. - Kommt der Winter zum 1. Advent?

26.11. - Mysteriöse Ringe auf dem Radarbild

25.11. - Rollende Haufenwolken surfen

24.11. - Jetzt wird alles anders?

23.11. - Die hydraulische Föhntheorie: Ein moderner(er) Ansatz

22.11. - Wann ist wieder "Schicht" mit der Grenzschichtproblematik?

21.11. - (Un)Wetterwarnungen des DWD - Teil 2: Gibt es die "perfekte Warnung"?

20.11. - Die klassische Föhntheorie: Lehrbuchstoff mit Schönheitsfehlern

19.11. - (Un)Wetterwarnungen des DWD - Teil 1: Weshalb sind sie notwendig?

18.11. - Festgefahrene Lage

17.11. - Die Nacht der 1000 Sternschnuppen?

16.11. - Schneechaos in den Alpen

15.11. - Tiefdruckkarussell

14.11. - Im Süden und Südosten Deutschlands fiel der erste nennenswerte Schnee der demnächst beginnenden Wintersaison. Und das Thema des Tages beschäftigt sich heute mit dem ersten Schneefotografen Johann Heinrich Ludwig Flögel.

13.11. - Schirokkosturm