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05. Oktober 2019 | MSc.-Met. Sebastian Schappert

Das Wechselspiel von Hoch- und Tiefdruckgebieten

Das Wechselspiel von Hoch- und Tiefdruckgebieten

Datum 05.10.2019

Zum Start der Herbstferien in vielen Bundesländern lösen sich Hoch- und Tiefdruckgebiete über Deutschland immer wieder ab. Somit bleibt uns das wechselhafte Wettergeschehen erst einmal erhalten.

In vielen Bundesländern war bereits gestern (04.10.) der Startschuss für die Herbstferien. Lediglich in Hessen und in Rheinland-Pfalz blieben die Schulen bereits seit dem vergangenen Montag (30.09.) geschlossen. In Sachsen und Nordrhein-Westfalen müssen sich die Schüler hingegen noch eine Woche gedulden, in Baden-Württemberg und in Bayern fallen die Herbstferien Ende des Monats mit vier schulfreien Tagen verhältnismäßig kurz aus.


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Der erste Tag der Ferien, also der gestrige Freitag, lud allerdings wettertechnisch keineswegs dazu ein, viel Zeit im Freien zu verbringen. Der mittlerweile deutlich abgeschwächte ehemalige tropische Wirbelsturm "Lorenzo" schickte eine Luftmassengrenze über Deutschland hinweg. Bereits im Vormittagsverlauf zogen verbreitet dichte Wolken auf, die in weiten Teilen Deutschlands für Regen sorgten. Wenngleich dies nicht zum Spielen an der frischen Luft einlud, so freute sich sicherlich die Pflanzenwelt über das "kühle Nass". Immerhin brachte "Ex-Lorenzo" in einem Streifen von Ostwestfalen über den Harz und die Altmark bis zur Leipziger Tieflandsbucht und zur Lausitz Regenmengen zwischen 20 und 30 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden, punktuell lagen die Summen auch noch höher.

Der Blick aus der Zentrale des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach in Richtung Frankfurt sorgte dabei fast schon für depressive Stimmung. Konnte man am frühen Morgen in der Webcam die Europäische Zentralbank (EZB) erstrahlen sehen (im Hintergrund waren sogar noch die Ausläufer des Taunus sichtbar), so verschwand das moderne Gebäude ab etwa 12 Uhr vollständig im grauen Schleier. Denn mit Aufzug der Luftmassengrenze von "Ex-Lorenzo" wurde die bodennahe Luft zum einen vom Regen angefeuchtet und abgekühlt, zum anderen aber auch turbulent durchmischt. Dies führte dazu, dass sich die Temperatur der Luft und der sogenannte Taupunkt (siehe Einträge im http://www.dwd.de/lexikon) immer weiter annäherten. Bemerkbar machte sich dies auch in der Sichtweite. Denn in der nun gesättigten Luft sankt die Sicht von über 50 Kilometer rasch auf wenige Kilometer ab, es bildete sich Dunst, lokal konnte sogar Nebel registriert werden. Der Unterschied zwischen Dunst und Nebel ist dabei recht einfach zu erklären: Beträgt die horizontale Sichtweite auf Augenhöhe zwischen einem und acht Kilometern spricht man von Dunst, liegt die Sichtweite niedriger, herrscht Nebel.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme des Webcam-Bildes im Anhang an das Thema des Tages wurde eine Sichtweite an der Wetterstation im Offenbacher Wetterpark von 3,1 Kilometern gemessen, die Entfernung der DWD-Zentrale zur EZB beträgt etwa 3,4 Kilometer. Kein Wunder also, dass diese vom Dunst "verschluckt" wurde.

Aber geht es nun so trist weiter mit dem Wetter in Deutschland?

Aktuell ziehen sich die Niederschläge zunächst in den Süden und Osten zurück, wo es bei Temperaturen von knapp unter 10 Grad weiterhin regnet. Im Norden und Nordwesten setzt sich hingegen Hoch "Jennifer" durch, die mit ihrem Schwerpunkt über Norwegen und dem Europäischen Nordmeer liegt. Dabei bleibt es trocken und die Sonne kann sich bei Höchstwerten von bis zu 15 Grad auch immer wieder sehen lassen.

In der Nacht zum Sonntag entsteht ein weiteres kleinräumiges Tief über den Britischen Inseln und zieht in der Folge mit seinem Kern über Südwestdeutschland hinweg. So regnet es am Sonntag vor allem im Westen und Südwesten unter dichten Wolken für längere Zeit. Insgesamt können dort in 24 Stunden sogar 10 bis 20 l/qm niedergehen. Im Stau des Schwarzwaldes sowie an den Alpen können sich noch höhere Mengen akkumulieren. Der Norden und Osten hingegen gehen leer aus, was die Niederschläge angeht. Dort kann sich auch häufiger mal die Sonne zeigen. Trotzdem sollte man sich bei Temperaturen von maximal 13 Grad warm anziehen, wenn man sich draußen aufhält.

In der Nacht zum Montag verlagert sich der Schwerpunkt der Niederschläge allmählich wieder in Richtung Alpen, so kann es dort wieder längere Zeit regnen. Sonst lassen die Niederschläge nach und es baut sich erneut Zwischenhocheinfluss auf.

Am Montag klingen die Niederschläge dann auch im Süden rasch ab. Nachfolgend lockern dort die Wolken nach und nach auf. Vielerorts scheint dagegen bei nur wenigen Wolken längere Zeit die Sonne. Die Luft bleibt jedoch bei einem leichten bis mäßigen Ost- bis Südostwind bei Temperaturen zwischen 9 und 14 Grad recht frisch. Lediglich am Oberrhein kann mitunter die 16-Grad-Marke erreicht werden.

Am Dienstag folgen dann die nächsten Ausläufer eines Islandtiefs namens "Peter", der weiteren Regen im Gepäck hat. Es bleibt also bei einer wechselhaften Witterung. Für Freiluftaktivitäten muss man somit entweder Regenpausen abpassen oder einfach gemäß dem Spruch "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung" mit warmer Regenkleidung vorsorgen.



© Deutscher Wetterdienst

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