23:44 MESZ | 17.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
04. März 2019 |

Rosenmontag, mal wieder vom Winde verweht?!

Rosenmontag, mal wieder vom Winde verweht?!

Datum 04.03.2019

Am Höhepunkt der Karnevalszeit schlägt mal wieder ein Sturmtief zu! Tief "Bennet" fegt mit Sturmböen über das Land. Gewitter und Schauer bringen auch schwere Sturmböen. Die Rosenmontagszüge sind entsprechend beeinflusst.

Nachdem Napoleon das karnevalistische Treiben in seinem Reich verboten hatte, wurde der Karneval nach dem Wiener Kongress 1815 reformiert und wieder aktiviert. Bei der Namensgebung für den Rosenmontag gibt es jedoch unterschiedliche Deutungsversuche. Eine Erklärung ist dabei eng mit der Gründung des "Festordnenden Comitee" in Köln am 6. November verbunden, dessen jährliche Hauptversammlung immer am Montag nach dem vierten Fastensonntag ("Laetare" genannt, vier Wochen nach Karneval) stattfindet. Da an dem besagten Sonntag der Papst eine goldene Rose segnete und einer bekannten Persönlichkeit überreichte, wurde der Begriff "Rose" auf den Montag projiziert. Das Festkomitee nannte man nachfolgend auch Rosenmontagsgesellschaft. Einen anderen Ansatz verfolgt das Deutsche Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm, die die Bezeichnung "Rosenmontag" aus dem Mittelhochdeutschen von "Rasenmontag", also dem rasenden Montag ableiteten. In die kölsche Sprache übersetzt ist die Bezeichnung "rasen" ein anderes Wort als "rose" für "tollen". Seitdem stellt der Rosenmontag den Höhepunkt der Karnevalszeit vor allem im Rheinland und in Rheinhessen dar und wird mit den prächtigen Rosenmontagszügen gefeiert. Der erste organisierte Rosenmontagszug fand übrigens am 10. Februar 1823 in Köln statt. In Düsseldorf startete man am 14. Februar 1825 und in Mainz am 26. Februar 1838.


Zum Vergrößern bitte klicken


Da sich zwischen Altweiberfastnacht und Aschermittwoch das bunte Treiben überwiegend auf den Straßen und Wegen stattfindet, muss natürlich auch das Wetter mitspielen. Und das hat es in der Vergangenheit nicht immer gut mit den Jecken gemeint. In Erinnerung ist dabei vor allem das Jahr 2016. Damals fegte Orkan "Ruzica" über die Karnevalshochburgen hinweg. Das Orkantief "Ruzica" wartete vor 3 Jahren zwar nicht mit ähnlich hohen Spitzenwindgeschwindigkeiten wie Orkan "Vivian" an den Karnevalstagen im Jahre 1990 auf, doch dennoch wurden verbreitet stürmische Böen oder Sturmböen erreicht. Die höchsten Windgeschwindigkeiten sind dabei rückseitig einer durchschwenkenden Kaltfront aufgetreten. In Verbindung mit einer starken vertikalen Luftumwälzung in Schauer- und Gewitternähe wurden größere Windgeschwindigkeiten aus höheren Luftschichten (~1500 Meter) angezapft und zum Boden gemischt. Entsprechend sind bei den konvektiven Phänomenen der Schauer und Gewitter auch im Tiefland Windspitzen bis 100 km/h aufgetreten. So wurden beispielsweise auch in den Karnevalshochburgen Trier (100 km/h), Düsseldorf (91 km/h) und Aachen (99 km/h) Sturmböen und schwere Sturmböen registriert.

Auch in diesem Jahr weht wieder ein Sturmtief die Planungen der Karnevalisten durcheinander. Sturmtief "Bennet" sorgt für stürmische Böen oder Sturmböen. Im Bereich von Schauern und Gewittern, die sich teilweise auch linienhaft organisieren, sind durchaus auch schwere Sturmböen zu erwarten. Schon am Morgen sind im Westen entsprechende Windspitzen aufgetreten. Noch höhere Werte treten auf den Bergen auf. Auf dem Brocken sind bis 10 Uhr schon bis 137 km/h registriert worden. Aber auch in tiefen Lagen wurden häufig Böen der Stärke 10 erreicht. Die Station Tholey meldete beispielsweise um 9 Uhr 105 km/h und Bückeburg 104 km/h, in Frankenberg-Geismar sind es um 10 Uhr 101 km/h gewesen. Die Kaltfront mit den höchsten Windspitzen wird nun auch den Osten und Süden überqueren, Windstärke 9 bis 10 Bft inklusive. Gleichzeitig kommt von Westen eine zweite Schauerlinie mit kräftigen Böen ins Land gezogen, die nochmals Böen bis 90 km/h bringen kann.

Auch die nächsten Tage bleiben unbeständig und windig, wenn auch nicht so stürmisch wie am heutigen Montag. Auf Tief "Bennet" folgt zunächst Tief "Alexander". Ab Mittwoch übernimmt dann Tief "Cornelius" das Wettergeschehen. Dabei schaufelt er auf seiner Vorderseite zunächst deutlich wärmere Luft von der Iberischen Halbinsel nach Deutschland, bevor am Donnerstag mit einer Kaltfront wieder eine spürbare Abkühlung erfolgt. Ein stabiles Frühlingshoch ist derzeit nicht in Sicht.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.03.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

22.08. - Pokalwetter mit Sommer-Comeback

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen