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20. April 2018 |

"Planetenwetter" - Die AtmosphÀre der Venus

"Planetenwetter" - Die AtmosphÀre der Venus

Datum 20.04.2018

Unser Nachbarplanet Venus erscheint derzeit als strahlender "Abendstern" am Himmel im Westen. Heute sollen an dieser Stelle kurz die himmelsmechanischen Eigenschaften des Planeten sowie die Beschaffenheit der VenusatmosphÀre skizziert werden.

Sternfreunde wissen es: die Venus ist mit einer scheinbaren Helligkeit von -3,9 mag (Magnitude - Maßeinheit fĂŒr die Helligkeit von Himmelskörpern) so hell, dass sie derzeit in der frĂŒhen AbenddĂ€mmerung bereits lange vor allen anderen Sternen und Planeten sichtbar wird. Sie hĂ€lt sich allerdings recht flach in westlicher Richtung am frĂŒhen Nachthimmel.



Venus wurde im Römischen Reich als Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit verehrt. Vielleicht ein Grund mehr, sich an dieser Stelle kurz mit den himmelsmechanischen Eigenschaften sowie der GashĂŒlle unseres Abendsterns zu beschĂ€ftigen.

Nach Merkur ist Venus der innerste Planet (mittlerer Abstand von der Sonne etwa 108 Mio. km, vgl. Erde etwa 149 Mio. km) sowie der sechstgrĂ¶ĂŸte unseres Planetensystems. Ihre Masse betrĂ€gt etwa 5 Quadrillionen kg (24 Nullen vor dem Komma!), das sind ungefĂ€hr 80 % der Masse der Erde. Sie hat also die gleiche GrĂ¶ĂŸenordnung wie die Erde (Durchmesser ca. 12104 km, vgl. Erde ungefĂ€hr 12742 km) und kommt auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne der Erdbahn am nĂ€chsten (minimal 38,3 Mio. km).

Neben Merkur ist Venus von der Erde aus gesehen einer der beiden unteren Planeten, sie revolutioniert innerhalb der Erdbahn in knapp 225 Erdentagen um die Sonne. Die Rotation um ihre eigene Achse dauert dagegen 243 Erdentage, so dass ein Venus-Tag lĂ€nger ist als das Venus-Jahr. Da Venus als unterer Planet ggf. nur morgens und abends, niemals aber gegen Mitternacht sichtbar ist, nennt man sie auch Morgen- bzw. Abendstern. Venus ist nach dem Mond der zweithellste natĂŒrliche Körper am Nachthimmel.

Die AtmosphĂ€re der Venus besteht hauptsĂ€chlich aus Kohlendioxid sowie 3,5 % Stickstoff. Weitere Bestandteile sind Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Wasserdampf. Die Edelgase Argon, Helium und Neon sind in Spuren enthalten. Die Masse der Venus-AtmosphĂ€re entspricht etwa dem 90-fachen der Masse der ErdatmosphĂ€re. Daher betrĂ€gt bei einer Ă€hnlichen Schwerebeschleunigung wie auf der Erde der Gasdruck im Bodenniveau mehr als 90 000 hPa. Dieser Druck herrscht auf der Erde in etwa 900 m Meerestiefe. Die vertikale Höhe der Venus-AtmosphĂ€re betrĂ€gt ca. 250 km, 90 % ihrer Masse konzentrieren sich auf die rund 28 km mĂ€chtige, stark dunstige Schicht unmittelbar ĂŒber der Venus-OberflĂ€che ("TroposphĂ€re").

In einer Höhe von etwa 50 km befindet sich eine ca. 20 km dicke, stets geschlossene Wolkendecke. Sie besteht zu 75 % aus SchwefelsĂ€uretröpfchen, außerdem aus chlor- und phosphorhaltigen Aerosolen sowie möglicherweise auch aus Schwefelbeimengungen. Die undurchsichtige Venus-AtmosphĂ€re reflektiert ca. 76 % der einfallenden Sonnenstrahlung, nur 2 % erreichen die OberflĂ€che, der Rest wird absorbiert. Die NĂ€he zur Sonne und der starke Treibhauseffekt bewirken Temperaturen um 465 °C.

Im Aufriss betrachtet bildet die AtmosphĂ€re der Venus eine einzige Konvektionszelle (die Erde hat drei), d.h. in der am stĂ€rksten bestrahlten Äquatorzone steigen erhitzte Gasmassen auf, fließen in höheren Schichten unter AbkĂŒhlung polwĂ€rts, sinken zu Boden und strömen Ă€quatorwĂ€rts zurĂŒck. Die höchsten Wolkenschichten in der Äquatorregion bewegen sich mit Geschwindigkeiten von ca. 360 km/h in Rotationsrichtung und umrunden die Venus in ca. vier Erdentagen. Die Ursache dieses "Superrotation" genannten Effekts ist bisher noch unbekannt.

Die Abbildung unten zeigt die Raumsonde "Venus Express" der EuropÀischen Weltraumorganisation (ESA) beim Flug durch die Venus-AtmosphÀre sowie ein vertikales Temperaturprofil mit den Schichten der Venus-AtmosphÀre. WÀhrend unsere Erde als "blauer Planet" bekannt ist, erschein die Venus braun-orange. Der vertikale Temperaturverlauf in der AtmosphÀre der Venus zeichnet sich durch eine markante Temperaturinversion bei etwa 90 km Höhe aus.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 20.04.2018

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