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25. Januar 2016 |

Eine einfach komplexe Schneesturmvorhersage

Eine einfach komplexe Schneesturmvorhersage

Datum 25.01.2016

Wie in den Medien bereits gemeldet, tobte ein heftiger Schneesturm entlang der Ostküste der USA, wobei sehr hohe Neuschneemengen verzeichnet wurden. Der genaue Werdegang von Tief JONAS wird nun in der Folge beschrieben.

Das Wetter in Nordamerika ist ja bekannt für seine teils außergewöhnlich heftigen Wettererscheinungen, was die Bewohner der USA während der vergangenen Tage wieder einmal erfahren durften. Ein sehr starker Wintersturm sorgte besonders in den Millionenmetropolen wie Washington, D.C. oder New York für heftige Schneefälle und Sturm. Die Bedingungen für einen "Blizzard" wurden ohne Weiteres erfüllt. Diese sehen vor, dass über 3 Stunden oder mehr folgende meteorologische Erscheinungen vorherrschen: Ein anhaltender Wind oder zahlreiche Böen von mehr als 56 km/h (Bft 7) und Sichtweiten von weniger als 400 m, die durch heftiges Schneetreiben oder Schneefegen hervorgerufen werden.


Zum Vergrößern bitte klicken


Doch bevor wir auf die Auswirkungen kommen, schauen wir einmal auf die Entstehung dieses Blizzards. Hierfür können Sie mit einem "Linksklick" auf das Bild dieses entsprechend vergrößern. Links oben ist eine Übersicht der Wetterzutaten aufgemalt mit Blick auf große Bereiche der USA. Die Bezeichnungen a) bis c) und entsprechende Daten stehen für die nachfolgenden 3 Bilder, um deren Positionen nochmals hervorzuheben.

Man erkennt in gelb eingezeichnet einen markanten und ungewöhnlich weit nach Süden ausgreifenden Höhenjet, also einen Bereich mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten in rund 9 km Höhe. Dieser Jet lenkt die Tiefdruckgebiete und sorgte in diesem Fall dafür, dass das Tief innerhalb von 3 Tagen von a) nach c) zog. Aus der Karibik strömte warme und sehr feuchte Luft vorderseitig nach Norden (siehe "roter Pfeil"), während rückseitig kalte Luft südwärts geführt wurde. Neben diesen Temperaturgegensätzen bildete auch die günstige Lage zweier "jet streaks" einen Nährboden für kräftige Tiefdruckgebiete. Ein "jet streak" beherbergt die stärksten Winde in solch einem Höhenjet und bei der hier gezeigten Konstellation wird die Luft zwischen beiden jet streaks zum raschen Aufsteigen gezwungen. Beide Bedingungen sind förderlich für eine beträchtliche Intensivierung des Tiefdruckgebietes.

Bei a) wird die Entstehungsphase des Wintersturms gezeigt, wobei sich das Tief im Grenzbereich von Texas und Oklahoma entwickelte. Milde Luft von Mexiko wurde nordwärts geführt, wobei diese Luftmasse in b) mit zunehmendem Einfluss des Golfs von Mexiko sogar noch wärmer und feuchter wurde. Ein klassisches Szenario für die Bildung heftiger Gewitter entlang der Golfküste, da nun sehr energiegeladene Luftmassen auf die Dynamik eines sich entwickelnden Tiefdruckgebietes treffen, wo auch Winde mit der Höhe zunehmen und ihre Richtung ändern. Diese Gewitter traten dort auch auf. Letztendlich erkennt man in c), wie sich das Tiefdruckgebiet rasch nach Nordosten verlagert hat und sich dabei deutlich intensivierte. Auch die Temperaturgegensätze auf der Vorder- und Rückseite haben sich nochmals verschärft. Schauen Sie nur mal, welche Dimensionen dieses Tiefdruckgebiet hatte!

Diese Entwicklung erfolgte auf einer recht klassischen Zugbahn eines sogenannten "Nor'easter", also einem Sturm entlang der Ostküste der USA. Die globalen Wettermodelle hatten diese Entwicklung sehr gut im Griff, sodass es eine recht "einfache" Schneesturmvorhersage war und entsprechend rechtzeitig und gut gewarnt wurde.

"Komplex" wurde die Vorhersage jedoch im gelb hervorgehobenen Bereich im Nordquadranten des Tiefdruckgebietes ( c) ). Hier fiel, wie allgemein bei solchen Tiefdruckgebieten üblich, der meiste Schnee. Auf engstem Raum können dabei die Gradienten der gemessenen Neuschneehöhen sehr groß sein, da die Niederschläge nicht selten konvektiv (also schauerartig) verstärkt sind. Bei diesem Sturm betrug der Neuschneehöhenunterschied teils 75 cm auf 75 km Distanz. Zudem sorgte der heftige Nordostwind für erhebliche Schneeverwehungen und auch die Vorhersage der Stärke und Position dieses Starkwindfeldes kann als sehr komplex angesehen werden, da dieses stark von der Intensität und Lage des Tiefdruckgebietes abhängt.

Zuletzt noch einige, meist noch nicht verifizierte und durch den Wind stark schwankende Neuschneemengen des gesamten Sturmereignisses. Es ist allerdings absehbar, dass es zahlreiche Neuschneerekorde gegeben hat: Washington knapp 75 cm, Philadelphia 50 bis 60 cm und New York (Kennedy) 60 bis 70 cm Neuschnee. Auf jeden Fall ein wahrlich beeindruckender Sturm, oder wie er in den USA unter anderem getauft wurde: Ein wahrer "Snowzilla".

Dipl.-Met. Helge Tuschy

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 25.01.2016

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