22. Mai 2015 |
Trog Mitteleuropa
Der Jahresverlauf der Witterung in Mitteleuropa besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich aus weiträumigen Luftdruckverteilungen und den daraus resultierenden Strömungsmustern, in Bodennähe sowie auch in den darüber liegenden Luftschichten.
Das Wetter selbst wird außerdem durch die Eigenschaften der in die
Zirkulation einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der
Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des
betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine
Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten.
Zu Wochenbeginn kam über dem Nordostatlantik eine Kaltluftmasse vom
Europäischen Nordmeer südwärts voran und formte einen sog. Höhentrog,
der rasch über Westeuropa hinweg schwenkte und nun über Mitteleuropa
legt. Unter einem Höhentrog versteht man eine zum Äquator gerichtete,
im Fachjargon als "zyklonal" bezeichnete Ausformung der
Höhenströmung, die in den mittleren Breiten generell am Verlauf der
Frontalzone orientiert ist.
In der dort vorhandenen, hoch reichenden Kaltluft nimmt der Luftdruck
in der Vertikalen schneller ab als in warmer Luft, so dass ein
Höhentrog immer mit tiefem Luftdruck bzw. niedrigem Geopotential in
der mittleren und höheren Atmosphäre verbunden ist. Die
Wechselwirkung mit den tieferen Atmosphärenschichten besteht nun
darin, dass bei Wanderung des Troges Luft nach oben angesaugt bzw.
von unten "gehoben" wird. Folglich fällt aus Kontinuitätsgründen der
Luftdruck am Boden und es bildet sich auch dort ein Tiefdruckgebiet.
Die atmosphärische Höhenströmung "steuert" also die Bildung und
Verlagerung der Hoch- und Tiefdruckgebiete im Bodenniveau. In unserem
Falle lag ein "Bodentief" in der ersten Wochenhälfte bei den
Britischen Inseln, hat sich aber inzwischen aufgelöst. Sein
Frontensystem überquerte Deutschland von Nordwest nach Südost und
nachfolgend floss polare Meeresluft nach Mitteleuropa, die allmählich
wieder unter Zwischenhocheinfluss geriet.
Bis über die Pfingstfeiertage hinaus überqueren uns nach sonnigen
Abschnitten aber auch immer wieder schwache Tiefausläufer, so dass
der Wettercharakter als eher "wechselhaft und kühl", also typisch für
einen Trog über Mitteleuropa (wiss. Abkürzung TrM), angesehen werden
muss.
Zur visuellen Unterstützung des eben Erläuterten sei auf die im
Internetangebot des Deutschen Wetterdienstes unter der Rubrik
"Spezielle Nutzer/Hobbymeteorologen" angebotenen Boden- und
Höhenwetterkarten verwiesen.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.05.2015
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
© Deutscher Wetterdienst
Themenarchiv:
22.05. - Hoch "Zeno" sorgt für niedrigen Meeresspiegel?!
21.05. - Weichenstellung auf Sommerwetter!
20.05. - Bisher abwechslungsreicher Mai
19.05. - Tag der Diversität
18.05. - Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität
17.05. - Blick nach vorne - Sommerwetter?
15.05. - König Fußball und das Wetter
14.05. - Kühles "Aprilwetter" an den Eisheiligen
13.05. - Wo ist der Polarjet hin?
12.05. - Der Geruch von Regen
11.05. - Turbulente und kühle Maitage
10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht
09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?
08.05. - Warmes Wochenende, kühler Wochenstart
07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?
06.05. - Endlich (zu viel) Regen
05.05. - Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter
04.05. - Ausblick in die Wetterwoche
02.05. - Deutschlandwetter im April 2026
01.05. - Facettenreicher Schönwetterhimmel
30.04. - Geschichte der Meteorologie – Teil 4: Meteorologie im Früh- und Hochmittelalter
29.04. - Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter – Umstellung zum Wochenende
28.04. - Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag
27.04. - Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet
26.04. - Hagelereignisse in Deutschland
25.04. - Hochdruck ohne Ende
24.04. - Wie Wetter Geschichte schrieb



