07. März 2015 | Mag.rer.nat. Michael Tiefgraber
Auf der Suche nach Schnee
Hoch "Karin", das sich über Mitteleuropa breitgemacht hat, beschert uns an diesem Wochenende, vor allem am Sonntag, viel Sonne und frühlingshafte Temperaturen.
Des einen Freud, des anderen Leid, denn für alle Freunde von Schnee
zeigt der Blick aus dem Fenster ein trauriges Bild. Bei den
vorherrschenden Temperaturen ist vom Weiß im Tiefland schließlich
weit und breit nichts zu sehen.
Der viele, schöne Schnee ist weg. Das geht doch nicht 😏😜😁! pic.twitter.com/PmmAY4B6VA
— Think abouts (@think_abouts) 7. März 2015
Die aktuellen Schneehöhenmessungen vom heutigen Samstag 7.3.2015
zeigen ein sehr mageres Bild. Stationen mit einer messbaren
Schneehöhe kann man erst oberhalb von etwa 600 m entdecken. Und das
wird sich in den kommenden Tagen auch nicht verbessern. Ganz im
Gegenteil, denn sogar in Lagen um 1000 m werden am morgigen Sonntag
Tageshöchstwerte von etwa 9 Grad erwartet. Gut nur, dass es in den
Nächten teils noch frostig ist und die Wintersportgebiete gut
vorgesorgt haben. Somit kann man dort noch eine Zeit lang vom
aktuellen Schneereservoir zehren.
Doch wie sieht die Schneelage außerhalb von Deutschland aus? Heutige
Satelliten ermöglichen uns einen raschen Blick hinaus in die Welt.
Denn mittels Messung der Abstrahlung der Erdoberfläche in
verschiedenen Wellenlängenbereichen kann die Schnee- und Eisbedeckung
durch Fernerkundung von Satelliten aus bestimmt werden, ohne dass
Messgeräte oder Menschen vor Ort sein müssen. Die Verwendung mehrerer
Satelliten ermöglicht eine gute globale Abdeckung. Herangezogen
werden dabei sowohl Geostationäre als auch Polarumlaufende.
Satelliten auf einer geostationären Umlaufbahn bewegen sich dabei mit
etwa 11.000 km/h durch das Weltall. Diese befinden sich in einem
Abstand von etwa 36.000 km oberhalb eines gleichbleibenden Punktes
auf der Erdoberfläche stationär. Beispielsweise betreibt die
europäische Organisation EUMETSAT (Europäische Organisation für die
Nutzung meteorologischer Satelliten) mit Sitz in Darmstadt mehrerer
solcher Satelliten unter dem Namen "Meteosat".
Satelliten auf einer polarumlaufenden Umlaufbahn kommen der Erde
deutlich näher und können damit noch genauere Daten als ihre
geostationären Pendants liefern. Dabei bewegen sie sich relativ zur
Oberfläche und können so im Laufe eines Tages die gesamte Erde
abscannen. Beispielsweise umkreist "MetOp" (EUMETSAT) in etwa 820 km
Höhe die Erde.
Beide angesprochenen Satelliten liefern ihren Beitrag zu einem
Produkt der NOAA (National Oceanic and Atmosperic Administration -
USA), das die aktuelle Schnee- und Eisbedeckung auf der
Nordhemisphäre zeigt. (siehe Abbildung;
Bildquelle: satepsanone.nesdis.noaa.gov/northern_hemisphere_multisensor.ht
ml)
Auf einen Blick zeigt sich, dass man innerhalb von Europa schon in
die Alpen bzw. recht weit nach Norden oder Osten blicken muss, um
eine adäquate Schneebedeckung zu finden. Denn über West- und
Mitteleuropa kommt Schnee in tiefen Lagen nur etwas über den 60.
Breitenkreis nach Süden hinaus.
In Asien ist hingegen eine Schneedecke bis über den 50. Breitenkreis
relativ häufig. Über Nordamerika zeigt sich ein ähnliches Bild, auch
dort findet sich vielerorts bis in mittlere Breiten Schnee. Vor allem
in der Osthälfte ist es sogar bis weit über den 40. Breitenkreis
großräumig weiß. Das entspräche auf Europa bezogen, bei reiner
Betrachtung der geografischen Breite, Schnee in Südspanien,
Süditalien und Griechenland.
© Deutscher Wetterdienst
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