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06. März 2015 | Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Im Mittelmeerraum "ist der Teufel los"!

Turbulente Tage liegen in Deutschland hinter uns: örtlich schwere Gewitter mit Sturm- oder sogar Orkanböen, Graupel, Schneefall und mitunter spiegelglatte Straßen.

Die Atmosphäre konnte in der vergangenen Woche ausgiebig zeigen, was in ihr steckt. Doch dass das eigentlich noch recht "harmlos" war, stellt man dann fest, wenn man einen Blick über den Tellerrand bzw. vielmehr über die Alpen nach Süden wirft.


Dort ist nämlich seit Mittwoch, wie die Überschrift schon verrät,
"der Teufel los". In diesem Zusammenhang schuldig gesprochen werden,
müsste allerdings nicht der Teufel, sondern ANTON. So heißt nämlich
das Orkantief, das an diesem Tag südlich der Alpen im Golf von Genua
und seitdem sein Unwesen im westlichen und zentralen Mittelmeerraum
treibt.

Im Zusammenspiel mit Hoch KARIN über der Biskaya entstand zunächst
der Mistral, ein stark böiger Nordwind im Süden Frankreichs. Zwischen
ANTON und KARIN stellte sich demnach ein starker Druckgradient, also
ein großer Luftdruckunterschied auf relativ kurzer horizontaler
Distanz ein. Die sich damit über Südfrankreich ergebende kräftige
nördliche Strömung wurde dann typischerweise noch durch die dortige
Orographie zusätzlich verstärkt. Zwischen Zentralmassiv und Westalpen
sowie Pyrenäen stellte sich ein sogenannter "Düseneffekt" ein, sodass
in dieser Region am vergangenen Mittwoch und Donnerstag vielerorts
orkanartige Böen um 110 km/h gemessen wurden, in Cap Bear am
östlichen Pyrenäenrand sogar Orkanböen bis 139 km/h (Stationshöhe 82
m ü. NN).

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Im Laufe der Nacht zum Donnerstag verlagerte sich ANTON weiter
Richtung Mittelitalien, wodurch auch in Korsika einige Stationen
Orkanböen über 120 km/h meldeten. Spitzenreiter diesbezüglich war die
Station La Chiappa im Süden der Insel mit 165 km/h. Zudem aktivierte
ANTON neben dem Mistral ein weiteres regionales Windsystem: die Bora.
Dabei handelt es sich um einen kalten und stark böigen Fallwind an
der kroatischen Adriaküste, genauer gesagt an der istrischen und
dalmatinischen Küste. "Fallwind" deshalb, da der Wind infolge der
sich dort am Mittwochabend eingestellten östlichen bis nordöstlichen
Strömung von den Hochlagen des Dinarischen Gebirges zur Adria
herabweht/fällt und dadurch zusätzlich stark beschleunigt wird. An
der Station Makarska - auf 49 m ü. NN gelegen - wurden beispielsweise
am Donnerstagvormittag extreme Orkanböen bis 155 km/h registriert.
Die benachbarte Station Split (Marjan) meldete am Donnerstagabend
sogar 166 km/h. Medienberichten zufolge sollen örtlich aber auch noch
deutlich höhere Böen (über 200 km/h) aufgetreten sein.

Neben dem Wind schlugen in den Küstenregionen der Adria, im
angrenzenden Bergland sowie auf Korsika allerdings auch heftige
Niederschläge zu Buche, die dort vielerorts zu Überschwemmungen und
Erdrutschen führten. Beispielsweise wurde die Region um Dubrovnik im
Süden Kroatiens mit 159 l/qm in 24 Stunden regelrecht überflutet. 119
l/qm davon fielen sogar innerhalb von sechs Stunden! Im höheren
Bergland ging der Niederschlag durchweg als Schnee nieder. In dem bis
Donnerstagfrüh schneefreien Ort Campobasso in der italienischen
Region Molise (793 m ü. NN) fielen bis heute Früh 40 cm Neuschnee
innerhalb von 24 Stunden. Die montenegrinische Station Pljevlja (784
m ü. NN) meldete 42 cm Neuschnee im selben Zeitraum. Im bosnischen
Bjelasnica (2067 m ü. NN) kamen zu den bisher vorhandenen 258 cm
stolze 62 cm Neuschnee in 24 Stunden dazu. Bei den oben erwähnten
Sturm- und Orkanböen ist dann noch mit meterhohen Schneeverwehungen
zu rechnen.
Im Laufe des Wochenendes verlagert sich ANTON unter Abschwächung
weiter südostwärts, sodass sowohl die Niederschläge als auch der Wind
allmählich wieder nachlassen und die Bewohner der betroffenen
Regionen endlich wieder durchatmen können.

Abschließend sei noch erwähnt, dass ANTON neben Mistral und Bora
sogar noch ein drittes Windsystem im "Gepäck" hat. Kräftiger Föhn
sorgte am gestrigen Donnerstag auch auf den Gipfeln der Südalpen für
Orkanböen bis 143 km/h. Im Laufe des heutigen Freitags lässt dieser
aber allmählich wieder nach.




© Deutscher Wetterdienst

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