10. Januar 2014 |
Der Dezember 2013 im globalen Überblick
Das Wetter im Dezember 2013 kann, was Deutschland angeht, durchaus als "ungewöhnlich" bezeichnet werden. Mit durchschnittlich nur 42 l/m² fiel er deutlich zu trocken aus (im vieljährigen Klimamittel sind es 70 l/m²).
Zudem leistete die Sonne ganze Arbeit und bescherte uns - gemittelt über alle Stationen - 52 Stunden (Klimamittel 38 Stunden). Dabei war es im Alpenvorland mit bis zu 140 Stunden am sonnigsten, das Nachsehen hatte man im hohen Norden. So konnten Teile Schleswig-Holsteins nicht einmal 10 Stunden auf dem "Sonnenscheinkonto" verbuchen.
Dass wir in Deutschland im Schnitt einen zu warmen (+2,7 K) Dezember
hatten, hing damit zusammen, dass im Verlauf des Monats von Kanada
her immer wieder sehr kalte Luft auf den Nordatlantik strömte.
Dadurch konnten sich über dem relativ "warmen" Meerwasser kräftige
und teils umfangreiche Tiefdruckgebiete entwickeln. Sie sorgten in
Teilen Europas nicht nur für ordentlich Wind - an dieser Stelle seien
beispielsweise die Orkantiefs DIRK und XAVER genannt - sondern
führten auf ihrer Vorderseite auch milde Luft aus südlicheren
Gefilden heran.
Doch nicht nur hierzulande gestaltete sich der vergangene Monat zu
warm: Auf der Nordhemisphäre war es von Alaska westwärts über
Russland und Mitteleuropa hinweg bis zu den Britischen Inseln wärmer
als im vieljährigen Mittel. Hingegen wiesen große Teile Nordamerikas
eine negative Anomalie auf. Die Kollegen des schwedischen
Wetterdienstes (Svenska meteorologiska och hydrologiska institut,
SMHI) haben auf ihrer Webpräsenz http://www.smhi.se eine übersichtliche
Zusammenfassung des Weltwetters im Dezember veröffentlicht, die hier
in Auszügen verwendet wird.
Nicht nur mildes und (vor allem im Norden) windiges Wetter war in
Europa eine Folge der Großwetterlage. In Norwegen gestaltete sich das
Wetter zudem sehr unbeständig. So war der vergangene Monat der
zweitnasseste seit 1975, teilweise fiel das Drei- bis Vierfache der
im Klimamittel 1961-1990 üblichen Menge. Die größte Monatssumme
meldete das westnorwegische Haukeland-Storevatn mit 778,1 mm. In
Norwegen wurden gar an 68 Stationen neue Monats-Niederschlagsrekorde
aufgestellt.
Im Zusammenhang mit dem Orkantief DIRK wurde am Heiligen Abend in
Stornoway auf den Äußeren Hebriden ein Luftdruck von 936,8 hPa
gemessen. Das ist der niedrigste Luftdruck, der seit 1886 auf den
Britischen Inseln gemessen wurde. Noch niedriger war der beobachtete
Luftdruck mit 932,2 hPa am Leuchtturm Akraberg auf den Färöern. Zum
Vergleich: Der tiefste jemals in Deutschland gemessene Luftdruck
beträgt 954,4 hPa (gemessen am 27.11.1983 in Emden).
Auf der Ostflanke von Tief DIRK kam mit einer südlichen Strömung an
der Alpennordseite noch dazu Föhn auf. So wurden in Salzburg an
Heiligabend 19,1 °C registriert. Auf der Westflanke hingegen folgte
kalte Meeresluft und bescherte den Südalpen bis zu 1,2 Meter Schnee
an Weihnachten. Das sind selbst für dortige Verhältnisse
bemerkenswerte Neuschneemengen. In Spanien fielen hingegen örtlich
knapp 200 l/m² an Regen innerhalb von nur 24 Stunden.
Bereits zu Beginn des vergangenen Monats kam es zu einem für die
Jahreszeit kräftigen Kaltlufteinbruch in großen Teilen der USA. In
der Folge zogen mehrere winterliche Unwetter durch. So lag die
Monatsmitteltemperatur vielerorts deutlich unter dem Mittel der
Referenzperiode 1961 bis 1990. Bemerkenswert ist auch, dass am
21./22. Dezember in Toronto 25 l/m² an unterkühltem Regen gefallen
sind. Die Folge waren durch extreme Vereisung heruntergerissene
Stromleitungen, wodurch hunderttausende Haushalte ohne Strom waren.
An der Ostküste der USA war es jedoch sogar etwas wärmer als normal.
In Südamerika war es hingegen in einigen Bereichen zu warm, vor allem
in Mittel- und Nordargentinien sowie im südlichen Brasilien. Zwischen
dem 22. und dem 30. Dezember sanken die nächtlichen Minima in Buenos
Aires nicht unter 24 °C, in der Heiligen Nacht noch nicht einmal
unter 27 °C.
Nahezu die kompletten nördlichen Teile Asiens konnten eine positive
Temperaturabweichung verbuchen. In manchen Gegenden Sibiriens war es
sogar 11 bis 12 K (1 Kelvin entspricht einer Temperaturdifferenz von
1 °C) wärmer als normal. Im Süden lag das Monatsmittel um das Soll
herum. In der Türkei und im westlichen Kaukasus war es hingegen zu
kalt. Mitte Dezember hatte man im Nahen Osten mit Überschwemmungen in
tieferen Lagen bzw. großen Schneemengen im Bergland zu kämpfen.
In Australien konnte man den 17. Monat in Folge mit einer positiven
Temperaturabweichung verzeichnen. Die höchste Temperatur wurde mit
47,4 °C am 27. Dezember in Eucla (Westaustralien) gemessen.
M.Sc. Met. Stefan Bach
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.01.2014
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