03. Februar 2011 |
Die Landkarte der Meteorologen
Wie sieht die aktuelle Großwetterlage aus? Diese Frage stellt
sich uns Meteorologen natürlich dauernd. Und wenn man mal ein
paar Tage frei hatte, dann will man möglichst schnell und
umfassend über die aktuelle Situation informiert werden. Daher
gilt häufig der erste Blick der Bodenwetterkarte.
Die Bodenwetterkarte ist ganz allgemein gesagt eine Landkarte
für den Meteorologen. In dieser Landkarte sind aber weder
Städte, noch Gebirge eingezeichnet und erst recht keine
Straßen. Einzig die Landesgrenzen sind sichtbar. Für den
Meteorologen ist ja das Wetter wichtiger, als der Verlauf der
A9 und von daher werden in die Landkarte Wettermeldungen
eingetragen. Die Meldungen einer jeden Station werden in einem
so genannten Synopschlüssel zusammen gefasst (dazu morgen
mehr). Dieser wird dann in einer platzsparenden Form in die
Karte gedruckt.
Die Rohversion einer Bodenwetterkarte beinhaltet also nichts,
außer Zahlen und Symbolen, die das aktuelle Wettergeschehen
wiedergeben. Blickt man auf so eine Karte, ist es ziemlich
mühsam das aktuelle Wetter daraus abzuleiten. Daher wird die
Landkarte mit Leben in Form von Linien gefüllt. So zeichnet der
Meteorologe zunächst Isobaren ein. Bei Isobaren handelt es
sich um Linien gleichen Luftdruckes. Der Zeichner vom Dienst
schaut sich also bei jeder Station den gemeldeten Druckwert an
und ist damit in der Lage Linien gleich Druckes zu zeichnen.
Etwas flunkernd könnte man vom "Malen nach Zahlen" mit erhöhtem
Schwierigkeitsgrad sprechen.
Sind die Isobaren gezeichnet werden noch T's und H's in die
Zentren von tiefem und hohem Druck geschrieben. Nun fehlen noch
die Fronten, an denen sich in der Regel das Wetter abspielt.
Das ist die Königsdisziplin bei der Analyse der
Bodenwetterkarte. Es ist nämlich nicht so einfach heraus zu
finden, wo die Front nun genau liegt. Für die genaue Lage
müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden, von denen
die wichtigsten nur kurz aufgezählt werden: Änderung der
Windrichtung, Änderung von Feuchte und Temperatur, sowie die
Drucktendenz. Unter letzterem versteht man die Änderung des
Luftdruckes an einer Station, innerhalb der letzten 3 Stunden.
Es braucht viele Jahre und mehrere hundert Karten Erfahrung um
eine Bodenwetterkarte unter Berücksichtigung aller
Gesichtspunkte gut analysieren zu können.
Nun da die meteorologische Landkarte mit Leben gefüllt ist,
kann man auch rasch den aktuellen Wetterzustand erfassen. Was
sagen uns nun die vielen Linien? Die Isobaren sind wie
beschrieben Linien gleichen Luftdruckes. Liegen diese Linien
eng beieinander herrschen große Luftdruckgegensätze. Diese
Gegensätze müssen - wie es in der Natur üblich ist -
ausgeglichen werden. Deshalb wird der Überschuss an
Luftmolekülen im Hoch, zum Luftmangel im Tief transportiert.
Einfacher gesagt: Es weht Wind. Dieser ist umso kräftiger, je
stärker die Luftdruckgegensätze sind.
Es gibt allerdings noch ein paar Dinge zu beachten: Erstens
weht der Wind nicht direkt von Hoch zu Tief, sondern aufgrund
der Rotation der Erde in einem bestimmten Winkel zu den
Isobaren. Dieser Winkel ist abhängig von der Bodenreibung und
daher über See kleiner als über Land. Die Windgeschwindigkeit
ändert sich mit der geographischen Breite. Bei gleichem
Isobarenabstand ist der Wind in Richtung Äquator deutlich
stärker als in Richtung Arktis. Und zu guter Letzt hat noch die
Krümmung der Isobaren einen Einfluss. Wenn man mit einem Auto
um die Kurve fährt, wird man durch die Fliehkräfte heraus
gezogen. Genauso ergeht es den Luftpaketen. Der Einfluss dieser
Kräfte auf den Wind ist abhängig von der Art der Krümmung. Bei
gleich Isobarenabstand weht um ein Hoch ein kräftigerer Wind
als um ein Tief.
Neben dem Wind kann man mit Hilfe der Fronten natürlich auch
das Wettergeschehen ablesen. Anhand der Lage der Druckzentren
und der Daten der Wetterstationen ist der versierte Meteorologe
auch in der Lage zum Teil auf die kommende Entwicklung zu
schließen.
Das ist als Einstieg doch schon so einiges und alles anhand nur
einer einzigen Karte. Genau das ist der Grund, weshalb diese so
beliebt ist. Blickt man in diesen Tagen auf die Wetterkarte, so
werden die Isobarenabstände über Mitteleuropa wieder deutlich
geringer. Es wird also windiger, insbesondere über
Norddeutschland sogar stürmisch.
Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
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