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17. MĂ€rz 2025 | M.Sc. Tanja Egerer

Hey JUDE!

Hey JUDE!

Datum 17.03.2025

"Hey Jude" ist ein bekanntes Lied der Beatles. Doch JUDE ist auch der Name eines Zyklons, der Madagaskar, Mosambik und dem SĂŒden Malawis zu schaffen machte. Darum soll das heutige Thema des Tages diesem tropischen Tief gewidmet sein.

Das Lied "Hey Jude" aus dem Jahr 1968 ist mit rund acht Millionen verkauften Exemplaren die erfolgreichste Single der Beatles. Paul McCartney schrieb es fĂŒr John Lennons Sohn Julian. Dessen Spitzname war/ist Jules, weswegen der Titel auch zunĂ€chst "Hey Jules" lautete. Paul McCartney komponierte das Lied, wĂ€hrend er auf dem Weg zu Julian und dessen Mutter Cynthia war. Kurz zuvor hatte sich John Lennon von ihr getrennt und Julian sah seinen Vater fortan nur noch selten. Paul McCartney war fĂŒr Julian eine Art vĂ€terlicher Freund oder Onkel. Er wollte ihm mit diesem Lied Mut zusprechen. Da Paul McCartney der Bezug zu Julian zu offensichtlich erschien, Ă€nderte er den Titel des Lieds letztendlich zu "Hey Jude" ab.

JUDE ist auch der Name eines Zyklons, der bis vor ein paar Tagen mit wechselnden IntensitĂ€tsstufen Madagaskar, Mosambik und den SĂŒden Malawis beschĂ€ftigte. JUDE erreichte zwar nur fĂŒr kurze Zeit den Status eines Zyklons, dennoch sorgten Sturm- und Orkanböen sowie krĂ€ftige RegenfĂ€lle fĂŒr Zerstörungen und Überschwemmungen. Auch Todesopfer, Vermisste und Verletzte sind zu beklagen. Die Zugbahn von JUDE war hierbei sehr interessant.

An dieser Stelle folgt zunĂ€chst noch ein kleiner Exkurs ĂŒber tropische Tiefdruckgebiete, bevor genauer auf JUDE eingegangen wird.

Tropische Tiefdruckgebiete entstehen meist ĂŒber den warmen (sub)tropischen Ozeanen. Sie weisen einen warmen Kern sowie eine axial-symmetrische und barotrope Struktur auf (barotrop = FlĂ€chen gleicher Temperatur verlaufen parallel zu FlĂ€chen gleichen Drucks). Die barotrope Struktur erkennt man beispielsweise daran, dass sie keine Fronten besitzen, da keine oder nur geringe Temperaturunterschiede am Boden vorliegen. Charakteristisch ist das kreisförmige, nahezu wolkenlose "Auge" im Zentrum. Um das Auge herum befindet sich eine Wolkenwand aus hochreichender Konvektion, die sogenannte "eyewall".

Bedingungen fĂŒr das Auftreten von tropischen Tiefdruckgebieten sind:

1) Gewisse Entfernung zum Äquator (geografische Breite > 5 Grad), da ein signifikanter Coriolisparameter fĂŒr die Rotation nötig ist

2) MeeresoberflĂ€chentemperaturen von ĂŒber 26,5 Grad bis in eine Tiefe von 50 bis 150 m

3) Geringe vertikale Windscherung

4) Hochreichend labil geschichtete AtmosphÀre

5) Feuchte mittlere TroposphÀre

6) Anfangsstörung

Sobald eine solche Anfangsstörung eine geschlossene Zirkulation mit Windgeschwindigkeiten (ĂŒber 10 min gemittelt) von bis zu 61 Kilometern pro Stunde aufweist, wird von einem tropischen Tiefdruckgebiet bzw. einer tropischen Depression gesprochen. Das nĂ€chste Entwicklungsstadium ist ein tropischer Sturm mit im Zentrum konzentrierter Konvektion und den spiralförmig angeordneten RegenbĂ€ndern. Ab Windgeschwindigkeiten von 119 Kilometern pro Stunde spricht man dann je nach Ort ihres Auftretens von Hurrikans, Taifunen oder Zyklonen. Im sĂŒdindischen Ozean und damit auch im Gebiet rund um Madagaskar wird der Begriff "Zyklon" verwendet.

Zyklon JUDE entwickelte sich im sĂŒdindischen Ozean nordöstlich von Madagaskar. Die Anfangsstörung verlagerte sich unter VerstĂ€rkung allmĂ€hlich west-/sĂŒdwestwĂ€rts und erreichte am Freitag, 07. MĂ€rz als tropischer Sturm den Norden Madagaskars. Dieser zog bei weiterhin west-/sĂŒdwestlicher Verlagerung ĂŒber die Straße von Mosambik hinweg, verstĂ€rkte sich dabei zu einem Zyklon und erreichte in der Nacht zum Montag, 10. MĂ€rz die KĂŒste Mosambiks. Die Folge waren vor allem krĂ€ftige RegenfĂ€lle, bei denen Niederschlagsmengen innerhalb von wenigen Tagen zusammenkamen, die das fĂŒr MĂ€rz ĂŒbliche Mittel teils weit ĂŒbertrafen.

Nachfolgend schwĂ€chte sich JUDE zĂŒgig zu einer tropischen Depression ab und verlagerte sich mit langsamer Zuggeschwindigkeit sĂŒdwestwĂ€rts bis in die Grenzregion von Mosambik und dem SĂŒden Malawis. Als JUDE erneut sĂŒdostwĂ€rts in die Straße von Mosambik zog, erfolgte abermals eine VerstĂ€rkung zu einem tropischen Sturm und kurz vor der SĂŒdwestkĂŒste Madagaskars zu einem Zyklon. Die darauffolgende Zugbahn wurde von den Modellen zeitweise unterschiedlich gesehen. Dabei gab es zwei Varianten: JUDE könnte von dort entweder weiter sĂŒdostwĂ€rts auf den Indischen Ozean ziehen oder einen Kurs erneut zurĂŒck in die Straße von Mosambik einschlagen. Letztendlich "entschied" sich JUDE fĂŒr die erste Variante und zog unter AbschwĂ€chung weiter auf das offene Meer hinaus.

Grafik vom 14. MÀrz 2025 des europÀischen Emergency Response Coordination Centre mit den von JUDE betroffenen Regionen (Quelle https://erccportal.jrc.ec.europa.eu/ECHO-Products/Maps#/maps/latest)
Grafik vom 14. MÀrz 2025 des europÀischen Emergency Response Coordination Centre mit den von JUDE betroffenen Regionen (Quelle https://erccportal.jrc.ec.europa.eu/ECHO-Products/Maps#/maps/latest)





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