Facebook Twitter
Drucken
21. Juni 2024 | MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert

Gewittertief "Xandria" im Fokus

Gewittertief "Xandria" im Fokus

Datum 21.06.2024

Am heutigen Freitag treten vielerorts Schauer und Gewitter auf. Insbesondere im Osten Deutschlands muss dabei mit einzelnen schweren Gewittern gerechnet werden, die mit großem Hagel, Böen bis Orkanstärke und heftigem Starkregen begleitet werden können.

Wir schreiben den 21. Juni 2024 und es ist Sommer in Deutschland. Der gestrige Donnerstag notierte dabei als der längste Tag des Jahres, wie interessierte Leser der Rubrik "Thema des Tages" bereits lesen konnten (Thema des Tages vom 20.06.2024). Allerdings muss man an dieser Stelle durchaus hervorheben, dass wir bisher einen wechselhaften und recht nassen Frühsommer 2024 erleben. Und auch die hierzulande stattfindende Fußball-Europameisterschaft konnte sich bisher nicht zu einem "Sommermärchen 2.0" entwickeln. Im Gegenteil: Vor der Partie Türkei gegen Georgien kam es in Dortmund beispielsweise zu heftigen Regenfällen. Und auch einige Fan-Zonen mussten bereits wegen erhöhter Unwettergefahr geschlossen bleiben.

Auch am heutigen Freitag wird sich an der regenreichen Witterung nichts ändern. Tief "Xandria" zieht heute über den Norden Deutschlands hinweg und erreicht in der kommenden Nacht die Ostsee. Dabei schwenkt das zugehörige Frontensystem über uns hinweg und sorgt für viel Regen und nach Osten zu auch teils für schwere Gewitter.


Abb 1: Kartenausschnitt zeigt den Nordatlantik und Europa. Dargestellt sind die Linien gleichen Luftdrucks, Hoch- und Tiefzentren sowie deren Namen und die Luftmassengrenzen. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)
Abb 1: Kartenausschnitt zeigt den Nordatlantik und Europa. Dargestellt sind die Linien gleichen Luftdrucks, Hoch- und Tiefzentren sowie deren Namen und die Luftmassengrenzen. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)



Bereits am Freitagvormittag verlagerte sich im Bereich einer sogenannten Tiefdruckrinne, die von Tief "Xandria" ausgeht, ein Regenband mit eingelagerten Gewittern von Südwesten bis zur Mitte. Aber auch abseits kam es bereits zu kräftigeren Entwicklungen. Im Norden Nordrhein-Westfalens traten kleinräumig Gewitter auf, die sogar direkt über einen Niederschlagsmesser zogen. In Rheinberg am Niederrhein wurden so um 08 Uhr MESZ 40 Liter pro Quadratmeter (kurz: l/m²) innerhalb einer Stunde registriert, in Lienen-Kattenvenne eine Stunde später 29 l/m². Diese Messwerte verdeutlichen bereits den Feuchtegehalt der Luftmasse, die heute über Deutschland hinwegzieht.

Im weiteren Tagesverlauf bilden sich dann vielerorts im Bereich der Tiefdruckrinne, die weiter in die Osthälfte vorankommt, aber auch an der von Westen herannahenden Kaltfront weitere Schauer und Gewitter aus. Lokal eng begrenzt kann dabei durchaus auch der Unwetterbereich bezüglich Starkregen mit mehr als 25 l/m² in kurzer Zeit erreicht werden.

Das Hauptaugenmerk liegt allerdings im Osten Deutschlands. Insbesondere vom Oberpfälzer Wald bis in die Lausitz, wo die energiereichste Luft zu finden ist, treten ab den Mittagsstunden einzelne schwere Gewitter mit Hagel mit Korngrößen zwischen 3 und 5 cm, schweren Sturm- bis Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten zwischen 90 und 130 km/h (Bft 10 bis 12) und heftigem Starkregen mit Mengen bis 40 l/qm in kurzer Zeit auf. Zudem kann im Osten ein vereinzelter Tornado nicht ganz ausgeschlossen werden. Zwar sollten sich nur einzelne Gewitter mit dieser Intensität entwickeln, dort, wo diese jedoch auftreten, bietet sich dann jedoch ein hohes Unwetter- und Schadenspotenzial.


Abb 2: Deutschlandkarte zeigt den von erhöhtem Unwetterpotenzial betroffenen, schraffierten Bereich im Osten Deutschlands sowie die möglichen Begleiterscheinungen der schweren Gewitter. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)
Abb 2: Deutschlandkarte zeigt den von erhöhtem Unwetterpotenzial betroffenen, schraffierten Bereich im Osten Deutschlands sowie die möglichen Begleiterscheinungen der schweren Gewitter. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)



Auch bei den heute anstehenden Partien der Euro 2024 muss wieder mit Regen gerechnet werden. Beim Nachmittagsspiel um 15 Uhr in Düsseldorf (Slowakei gegen Ukraine) besteht durchaus ein hohes Schauerrisiko. Einzelne Gewitter können dabei ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Auch bei der Abendpartie um 18 Uhr in Berlin (Polen gegen Österreich) müssen durchaus kräftigere Regengüsse eingeplant werden. Dort kann bei kräftigeren Entwicklungen sogar vorübergehend unwetterartiger Starkregen nicht ganz ausgeschlossen werden. Besonders ins Auge fällt allerdings das Spiel Niederlande gegen Frankreich in Leipzig. Dieses befindet sich inmitten der bereits ausgegebenen Vorabinformation vor schweren Gewittern. Da der Anpfiff dort allerdings für 21 Uhr geplant ist, sollten die Unwetter bereits durch- bzw. vorbeigezogen sein, sodass die Schauer- und Gewitterneigung nur sehr gering ist.


Abb 3: Deutschlandkarte mit der Wettervorhersage für die drei Fußball-EM-Partien am Freitag, den 21. Juni 2024. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)
Abb 3: Deutschlandkarte mit der Wettervorhersage für die drei Fußball-EM-Partien am Freitag, den 21. Juni 2024. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)



In der kommenden Nacht zum Samstag räumt die Kaltfront von "Xandria" die warme und feuchte Luft dann ostwärts aus Deutschland aus. Das Wetter kann sich zum Samstag hin somit beruhigen. Bei wolkigen Verhältnissen sind am Samstag dann lediglich im Nordosten und Osten noch einzelne Schauer möglich. Im Süden sorgen Hebungsantriebe aus höheren Atmosphärenschichten hingegen nochmals für einige Schauer und einzelne Gewitter. Über wenige Stunden kann dort Starkregen auftreten, örtlich auch bis in den Unwetterbereich. Der in München am Samstag stattfindende Christopher Street Day sollte aber weitgehend trocken verlaufen.

Tief "Xandria" zieht in der Folge weiter in Richtung Baltikum und verliert rasch an Einfluss auf Deutschland. Vom Atlantik streckt dagegen Hoch "Bie" seine Fühler nach Mitteleuropa aus und sorgt voraussichtlich bis Mitte nächster Woche für ruhiges Hochdruckwetter. Dabei kann sich die Luft bei meist nur wenigen Wolken und vielerorts sonnigen Verhältnissen hierzulande allmählich auf sommerliche Werte mit 25 bis 30 Grad erwärmen. Ab der Wochenmitte gestaltet sich das Wetter dann voraussichtlich in einer von Südwesten einfließenden feuchteren Luft wieder wechselhafter. Bis dahin können wir jedoch zumindest vorübergehend ein Hauch von "Sommermärchen 2.0" genießen.


Abb 4: Kartenausschnitt zeigt den Nordatlantik und Europa. Dargestellt sind die Linien gleichen Luftdrucks, Hoch- und Tiefzentren sowie deren Namen und die Luftmassengrenzen. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)
Abb 4: Kartenausschnitt zeigt den Nordatlantik und Europa. Dargestellt sind die Linien gleichen Luftdrucks, Hoch- und Tiefzentren sowie deren Namen und die Luftmassengrenzen. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)




© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

23.07. - Taifun „GAEMI“

22.07. - Südeuropa ächzt unter anhaltender Hitze

21.07. - Rekordregenreiche Zwölf-Monats-Periode

20.07. - Staub aus der Aralkum-Wüste beeinflusst zunehmend Prozesse in der Atmosphäre

19.07. - Der Mond - eine einzigartige "Atmosphäre"

18.07. - Tornados in Deutschland 2024 – eine Zwischenbilanz

17.07. - Hoch FREDERIK - der Sommer dreht auf

16.07. - Hitzetage – Eine Zwischenbilanz 2024

15.07. - Zwischenbilanz beim Niederschlag im Juli

14.07. - Hochsommerwetter mit Abstrichen

12.07. - Satellitenmeteorologie (Teil 3) - Von kreisenden Adleraugen und unermüdlichen Ruhepolen

11.07. - Superzellen – was ist das eigentlich?

10.07. - Weiterhin wechselhaftes Sommerwetter

09.07. - Kurze Hitze hier, extreme Hitzewelle dort

08.07. - Leuchtende Nachtwolken, die kältesten Wolken auf der Erde.

07.07. - 30 Grad in Sicht – aber nur vorübergehend

06.07. - Verschiedene Einheiten für denselben Parameter: Die Temperatur

05.07. - Tag des Bikinis

04.07. - Wahlwetter in Großbritannien

03.07. - Wenn Druckgradienten die arktische Meereisbedeckung beeinflussen

02.07. - Deutschlandwetter im Juni 2024

01.07. - Hurrikan BERYL

30.06. - Die Bilanz von Unwettertief ANNELIE

29.06. - Mit Pauken und Trompeten in den Herbst?

28.06. - Annelie die Schreckliche

27.06. - Schwere Gewitter samt Überflutungen

26.06. - Kennen wir bereits das Wetter der nächsten sieben Wochen?

25.06. - Die Hurrikansaison 2024: Prognosen und Ist-Zustand

24.06. - Es grüßen die Seefahrer

23.06. - Nächtlicher Low-Level-Jet