Facebook Twitter
Drucken
12. Oktober 2022 | Dipl.-Met. Marcel Schmid zusammen mit Praktikant Malte Eggers

Die Calima – Wüstenbesuch auf den Kanarischen Inseln

Die Calima – Wüstenbesuch auf den Kanarischen Inseln

Datum 12.10.2022

Die Calima, ein heißer Wüstenwind, tritt auf den Kanarischen Inseln auf. Doch was passiert eigentlich, wenn sich die Calima einstellt und wie verhalten sich die Temperaturen? Im heutigen Thema des Tages werden diese und noch mehr Punkte beleuchtet.

Die Kanarischen Inseln sind als „Inseln des ewigen Frühlings“ bekannt. Der stetig wehende Nordostpassat sorgt normalerweise für ganzjährig gemäßigte Temperaturen, was die Region zum beliebten Reiseziel macht. Doch hin und wieder macht sich die Nähe zur nur 300 km entfernten afrikanischen Küste bemerkbar. Dann tragen heiße Wüstenwinde riesige Staubwolken aufs Meer hinaus und treiben die angenehm warmen und frühlingshaften Temperaturen teils deutlich in die Höhe – die Einheimischen sprechen von einer „Calima“.


Auf dem Satellitenbild zu erkennen: Eine ausgedehnte Sandwolke zieht über die Kanarischen Inseln hinweg. (Quelle https://worldview.earthdata.nasa.gov/)
Auf dem Satellitenbild zu erkennen: Eine ausgedehnte Sandwolke zieht über die Kanarischen Inseln hinweg. (Quelle https://worldview.earthdata.nasa.gov/)


Verkehrte Welt bei den Temperaturen

Normalerweise kann man sich recht zuverlässig darauf verlassen: Wer eine Abkühlung von hohen Temperaturen sucht, kann sich ins Bergland flüchten. Als grobe Faustregel gilt, dass pro 100 Meter zusätzlicher Höhe die Temperatur um 1°C zurückgeht. Nicht so bei einer Calima auf den Kanaren. Während es auf Meeresniveau bei Seewind oft vergleichsweise angenehm bleibt (der kühle Kanarenstrom sorgt dafür, dass die Wassertemperaturen selbst im Sommer meist unter 25 Grad bleiben), sind die mittleren Höhenlagen von der „Hitzeglocke“, die sich von der Sahara auf den Weg über den Atlantik macht, am stärksten betroffen.

Beispielhaft soll dies an der Temperaturverteilung auf der Insel Teneriffa während einer Calima am 15.08.2021 deutlich gemacht werden: Im beliebten Urlaubsort Puerto de la Cruz blieb es küstennah ganztägig angenehm mit einer Höchsttemperatur von 26,7°C. In der Inselhauptstadt Santa Cruz war es mit einer Maximaltemperatur von 31,0°C zwar heißer, doch konnte sich auch hier die Meeresnähe noch kühlend auswirken. Anders in der Universitätsstadt La Laguna in knapp 600 Metern Höhe. Abseits der Küste konnte die Calima hier voll durchbrechen und die Temperaturen deutlich in die Höhe treiben: Hier wurde an diesem Tag sogar die 40°C-Marke erreicht. Bei dem üblicherweise vorherrschenden Nordostpassat ist die Stadt sonst oft in Wolken gehüllt und auch im Sommer bleiben die Temperaturen dabei meist unter 25 Grad. Wer sich noch weiter in die Höhe wagt, wird übrigens wieder mit etwas kühleren Temperaturen „belohnt“. An meteorologischen Observatorium in Izana auf etwa 2300 Metern Höhe lag die Temperatur dann wieder bei 27 Grad – wie im Küstenort Puerto de la Cruz.


Karte von Teneriffa mit Temperaturen an ausgewählten Orten
Karte von Teneriffa mit Temperaturen an ausgewählten Orten


Saharastaub als Gesundheitsrisiko

Bei länger andauerndem Calima nimmt die Staubbelastung immer weiter zu. Die überall präsenten feinen Sandkörner können dabei zu Reizungen der Atemwege führen – ein besonderes Risiko stellt die Wetterlage für Asthmatiker und Allergiker dar. Deshalb gilt für die Risikogruppen die Empfehlung, sich bei einer starken Calima in Innenräumen aufzuhalten und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Auf Sport im Außenbereich sollte generell verzichtet werden.


Steht eine Calima bevor?

In den kommenden Tagen herrscht auf den Kanarischen Inseln "business as usual": Zwischen einem Hochdruckgebiet über den Azoren und einem Hitzetief über dem nordafrikanischen Festland weht der Nordostpassat und sorgt vor allem auf den Nord- und Ostseiten der Inseln für dichtere Bewölkung und insbesondere im Bergland für leichte Regenfälle. Die sonnenhungrigen Urlauber kommen hingegen klassisch auf den Süd- und Westseiten der Inseln auf ihre Kosten und die Temperaturen erreichen durchschnittliche 23 bis 26 Grad.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

01.12. - Wetterquiz - Teil 3

30.11. - Winter zum zweiten Advent

29.11. - Unwetterserie im Mittelmeer

28.11. - Die Hurrikansaison 2022 im Nordatlantik

27.11. - Was, wo und wie misst eine Wetterstation? (Teil 2)

26.11. - Humor in Krisenzeiten

25.11. - Wetter für das Wochenende

24.11. - DENISE macht Rabatz am Mittelmeer

23.11. - Geburtstag europäischer Wettersatelliten

22.11. - Außen gut, innen schlecht: Kondenswasser an den Fensterscheiben

21.11. - Was, wo und wie misst eine Wetterstation? (Teil 1)

20.11. - Wenn der "Snow Bowl" abgesagt ist – Historische Schneemengen im Bundesstaat New York

20.11. - Buffalo (USA) versinkt gerade im Schnee...

18.11. - Warmluft kontra Kaltluft - Luftmassengrenze bringt ersten Schnee mit Glätte. Höchste Zeit für Winterreifen!

17.11. - Winter light

16.11. - Wasser - wichtig und spannend zugleich - Teil 5

15.11. - Duell der Druckgebilde - Winter ante portas?

14.11. - Ein Nachmittag im November

13.11. - Das Ostseesturmhochwasser 1872 (Teil 2/2)

12.11. - Das Ostseesturmhochwasser 1872 (Teil 1/2)

11.11. - Das Wetter am 11. November 1952

10.11. - Wenn ein Kaltlufttropfen in die Suppe spuckt…

09.11. - Später Hurrikan "Nicole" bedroht die Ostküste der USA

08.11. - Leoniden - schwacher Sternschnuppenstrom

07.11. - Die Wetterlage stellt sich um

06.11. - Der Aeolus-Satellit und sein Nutzen

05.11. - Düseneffekt vom Feinsten: Mistral und Cers

04.11. - Wasser - wichtig und spannend zugleich - Teil 4

03.11. - Ein Schneebringer

02.11. - Deutschlandwetter im Oktober 2022: