In einer Folge der beliebten Quizshow "Wer weiĂ denn sowas?" wurde in der Kategorie 'Sonne, Mond und Sterne' den Kandidaten folgende Frage gestellt: "Was können Astronauten auf der ISS (International Space Station) nicht sehen?" Die drei Antwortmöglichkeiten waren: A) das Funkeln der Stern, B) das Aufleuchten der Sternschnuppen oder C) die Farben der Polarlichter. FĂŒr welche Antwort hĂ€tten Sie sich entschieden?
TatsĂ€chlich ist Antwort A) richtig und die Astronauten auf der internationalen Weltraumstation ISS mĂŒssen auf den romantischen Glitzereffekt beim Blick in den Sternenhimmel verzichten. Es ist allgemein bekannt, dass Sterne, so wie unsere Sonne, nicht blinken. Warum also nehmen wir an der ErdoberflĂ€che ein Funkeln war und unsere Astronauten drauĂen im All nicht? Der Grund hierfĂŒr liegt - Sie ahnen es vielleicht schon - an unserer ErdatmosphĂ€re.
Auf dem weiten Weg von zig Billionen Kilometern durch das Weltall nimmt das Licht der Sterne zunĂ€chst praktisch einen ungehinderten und weitgehend direkten Weg durch ein gigantisches Vakuum. Erst in der AtmosphĂ€re findet eine Lichtbrechung statt, durch die der Lichtweg beeinflusst wird. Obwohl die AtmosphĂ€re durchsichtig ist, verfĂŒgt sie keinesfalls ĂŒber eine gleichmĂ€Ăige Dichte. An der OberflĂ€che ist sie dichter, als in den höheren Schichten. AuĂerdem entstehen durch unterschiedlich temperierte Luftschichten stĂ€rkere TemperaturgegensĂ€tze und somit Dichteunterschiede. So steigen etwa durch Sonneneinstrahlung erwĂ€rmte Luftschichten tagsĂŒber aufgrund von geringerer Dichte auf, kĂ€ltere hingegen sinken ab. Die untersten Kilometer der AtmosphĂ€re, auch als Grenzschicht bezeichnet, weist Turbulenzen auf.
Physikalisch ist die Luftdichte mit dem Brechungsindex verknĂŒpft. Bei unterschiedlicher Temperatur Ă€ndert sich auch der jeweilige Brechungsindex und somit direkt auch die optische Eigenschaft der AtmosphĂ€re. Jedes Mal, wenn die Lichtstrahlen unserer Sterne auf eine Luftschicht unterschiedlicher Dichte treffen, entstehen Lichtablenkungen im Bruchteil einer Sekunde. Da die Luft stĂ€ndig in Bewegung ist, entsteht bei uns als Beobachter der Eindruck, dass die Leuchtkraft schwankt - was wir als Funkeln oder Flimmern wahrnehmen. In der Astronomie wird diese scheinbare HelligkeitsĂ€nderung eines Sterns als Szintillation bezeichnet, abgeleitet vom lateinischen 'scinitillare' fĂŒr funkeln oder flackern. Einen vergleichbaren Brechungseffekt kennt man etwa, wann man schrĂ€g ĂŒber eine heiĂe AsphaltflĂ€che schaut. Auch dann erzeugt die unterschiedlich temperierte Luft einen verzerrenden Effekt und die Bildpunkte scheinen sich leicht zu bewegen.
Einige Lichtpunkte am Nachthimmel stammen jedoch nicht von Sternen, sondern von Planeten und Monden unseres Sonnensystems. Sie lassen sich mit bloĂem Auge von Sternen kaum unterscheiden, ein Funkeln oder Blinken bleibt allerdings so gut wie aus. Zwar lĂ€uft auch das Licht der Planeten durch die Dichteunterschiede in der AtmosphĂ€re, allerdings erreicht uns dann nicht nur ein Lichtstrahl sondern ein ganzes LichtbĂŒndel und bei genauer Betrachtung sind sie als winzige Scheiben zu erkennen sind. Bei einer hellen FlĂ€che sind die Helligkeitsschwankungen durch die konstanten Brechungen weniger sichtbar als bei einem winzigen Lichtpunkt, wie einem Stern.
WĂ€hrend fĂŒr die einen der Blick in den funkelnden Sternenhimmel etwas Romantisches hat, versuchen Astronomen natĂŒrlich stets einen möglichst unverzerrten, unverfĂ€lschten Blick auf die Himmelsobjekte zu ergattern. Indem man GroĂteleskope auf hohen Bergen in Regionen mit einer möglichst stabilen Wetterlage installiert, wird das Problem zumindest stark verringert. Bekannte GroĂteleskope stehen etwa auf dem hawaiianischen Vulkan Mauna Kea sowie auf den nahezu benachbarten Gipfeln des Cerro Amazones und Cerro Paranal in der chilenischen Atacama-WĂŒste.
ZusĂ€tzlich gibt es da noch die groĂen Weltraumteleskope, wie das gut bekannte Hubble-Teleskop. Allerdings ist der Gebrauch von solchen Weltraumteleskopen sehr kostspielig. Immerhin profitieren sie von dem auĂerordentlichen Vorteil, dass das Sternenlicht nicht die AtmosphĂ€re durchbrechen muss. So wie unsere Astronauten auf der ISS blicken sie also in einen ungestörten "flimmerfreien" Sternenhimmel.
M.Sc.-Met. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.05.2021
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