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28. Oktober 2020 |

EPSILON: Vom Hurrikan zur Schallplatte

EPSILON: Vom Hurrikan zur Schallplatte

Datum 28.10.2020

Beim momentanen Blick auf die Bodenwetterkarte sticht einem förmlich ein massiv ausgeprägtes Tief über dem Nordatlantik ins Auge. Die Vielzahl an Isobaren um den Tiefkern herum erinnert dabei ein wenig an die Rillen einer Schallplatte. Vor wenigen Tagen war diese "Schallplatte" noch ein ausgewachsener Hurrikan.

Nun sind großräumige Tiefs im Winterhalbjahr keine Seltenheit, da dann der Temperaturunterschied zwischen Arktis und (Sub-)Tropen größer ist als im Sommer und damit auch die Bemühungen der Atmosphäre, diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken. Etwas Besonderes hat es aber schon, denn bei seiner Entwicklung hatte ein ehemaliger Hurrikan gehörig seine Finger im Spiel.


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Die Rede ist von EPSILON bzw. ex-EPSILON. EPSILON wurde am 15. Oktober als noch namenloses Tief weit südöstlich der Bermudas geboren. Vier Tage später machte das Tief einen regelrechten Entwicklungssprung und wurde vom Nationalen Hurrikan Zentrum (kurz: NHC) bei rund 25 Grad Nord und 55 Grad West zunächst als Tropisches Tief Twenty-Seven und nur wenige Stunden später als Tropischer Sturm EPSILON geführt. Damit war EPSILON der 26. benannte Sturm der diesjährigen Saison über dem Nordatlantik.

EPSILON zog anschließend unter Verstärkung nordwestwärts Richtung Bermudas und mauserte sich in den Frühstunden des 21. Oktobers (mitteleuropäischer Zeit) zum Hurrikan der Kategorie 1. Doch damit gab sich EPSILON nicht zufrieden, ganz im Gegenteil. Denn am selben Tag noch entwickelte sich EPSILON zu einem Hurrikan der Kategorie 3 weiter mit einem Kerndruck von 951 hPa. Glücklicherweise lenkte der Sturm dann in eine nördliche Zugbahn ein und ließ damit die Bermudas "links liegen". EPSILON kam somit zunehmend in kältere Gewässer und schwächte sich langsam aber sicher ab.

Am 24. Oktober drehte EPSILON - mittlerweile nur noch Kategorie 1 und bei rund 62 Grad West und 36,5 Grad Nord angelangt - nach Nordosten ab, wo er zunehmend in den Einflussbereich der Westwindzone und damit unter die Fittiche des Jetstreams (Starkwindband in etwa 9 km Höhe) kam. Nach und nach verlor EPSILON nun seine tropischen Eigenschaften und so wurde er am 26. Oktober vom NHC zu einem außertropischen Tief heruntergestuft und seither mit dem Präfix "ex" geführt.

Bis dahin war der Kerndruck von EPSILON bereits wieder auf 968 hPa angestiegen, doch im Zusammenspiel mit dem Jetstream und der von ex-EPSILON mitgeführten sehr feuchten und warmen Luft, konnte sich das außertropische Tief nochmals vertiefen. Am 27. Oktober erreichte ex-EPSILON somit einen Kerndruck von etwa 945 hPa, also einen niedrigeren Kerndruck als zu seinen besten Hurrikanzeiten. Allerdings waren der Druckgradient in Kernnähe und damit auch die dortigen Windgeschwindigkeiten bei weitem nicht mehr so hoch wie "damals". In der Folge verliefen die Isobaren (also die Linien gleichen Luftdrucks) nun nicht mehr ganz so eng gepresst um das Zentrum des Tiefs, sondern etwas weitläufiger, was letztlich zu der schallplattenähnlichen Struktur auf der Bodenwetterkarte führt.

Bis heute (Mittwoch) hat sich ex-EPSILON dann aber doch wieder ordentlich abgeschwächt (wenngleich es sich bei ihm weiterhin um einen Orkan handelt). Heute Vormittag liegt das Tief mit einem Kerndruck von etwa 960 hPa südlich von Island. Dazu hat sich das Tief einen Kollegen über der nördlichen Nordsee "gegönnt". Damit wurde aus ex-EPSILON mittlerweile ein Tiefdruckkomplex mit zwei Kernen, die als ex-EPSILON I und ex-EPSILON II geführt werden.

Ein Ausläufer davon überquert heute Deutschland von West nach Ost. Das damit verbundene Wettergeschehen? Windiges Herbstwetter, dazu vor allem im Süden viele Wolken und etwas Regen. Alles in allem also ziemlich unspektakulär - zumindest hier in Deutschland.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.10.2020

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