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22. Juni 2020 |

Sieben Wochen Hitze?

Sieben Wochen Hitze?

Datum 22.06.2020

Am kommenden Samstag, dem 27.06.2020, ist es so weit. Am Siebenschläfertag entscheidet sich wieder einmal das Wetter der folgenden sieben Wochen. Oder etwa nicht?

Bauernregeln zum Siebenschläfertag gibt es viele: "Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag", "Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne" oder mein persönlicher Favorit: "Werden die sieben Schläfer nass, regnet's noch lange Fass um Fass".


Nicht der Namensgeber des Siebenschläfertags


Entgegen der weitverbreiteten Vermutung hat das gleichnamige Nagetier nichts mit der Bauernregel zu tun. Seinen Namen verdankt der Siebenschläfertag vielmehr einer alten Legende. Dieser nach sollen sieben junge Christen in der Zeit der Christenverfolgung in einer Höhle lebendig eingemauert worden und in einen tiefen Schlaf gefallen sein. Nach etwa 200 Jahren wurden sie dann zufällig entdeckt, wachten auf und bezeugten den Glauben an die Auferstehung der Toten, starben jedoch wenig später. Den sieben Schläfern wurde daraufhin im der 27. Juni als Gedenktag im katholischen Heiligenkalender gewidmet.

Und was hat das nun mit dem Wetter zu tun? Der Siebenschläfertag gilt als meteorologische Singularität, also als Witterungsregelfall. Etabliert sich dabei hoher Luftdruck über Skandinavien oder entsteht eine Hochdruckbrücke über die Britischen Inseln hinweg bis zum Azorenhoch, führt das in Mitteleuropa oft zu trockenem und sehr warmem Badewetter. Werden hingegen bei einer sogenannten "zyklonalen Westlage" feuchte, atlantische Luftmassen nach Mitteleuropa geführt, wird der Regenschirm durchaus auch mal ein sinnvoller Begleiter. Dann stellt sich eine wechselhafte und eher kühle Witterung ein.

Die Siebenschläfer-Bauernregel hat eine im Vergleich zu anderen meteorologischen Singularitäten vergleichsweise hohe Trefferquote. Statistische Auswertungen ergaben, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit der Siebenschläferregel bei der erstgenannten "Schönwetter-Variante" zwischen 55 und 60 % liegt, bei unbeständigen Westwetterlagen trifft die Bauernregel sogar mit 62 bis 70 % zu. Dabei ist die Trefferquote im Alpenvorland höher als in Norddeutschland.

Ganz so einfach ist es leider nicht: Offiziell gilt zwar der 27. Juni als Siebenschläfertag, berücksichtigt man die gregorianische Kalenderreform, fällt er aber auf den 7. Juli (1582 gab es eine etwa zehntägige Verschiebung). Außerdem sollte man es mit dem Siebenschläfertag nicht ganz so genau nehmen und sich dabei nicht auf einen bestimmten Tag festlegen, sondern vielmehr den gesamten Zeitraum Ende Juni/Anfang Juli berücksichtigen.

Was heißt das jetzt für unser Wetter? Immerhin wurde in den vergangenen Tagen bereits mehrfach über die aufkommende Hitze im Laufe dieser Woche mit Temperaturen von teils über 30 Grad berichtet. Bleibt uns das heiße, sonnige Wetter nun womöglich länger erhalten?

Bis zum kommenden Wochenende mag das zutreffen. Bis dahin verlagert Hoch "Utz" seinen Schwerpunkt von Frankreich über Deutschland und die Ostsee hinweg ins Baltikum. Damit gelangt Deutschland mehr und mehr auf die Vorderseite atlantischer Tiefdrucksysteme, die kräftig Warmluft aus subtropischen Breiten zu uns "schaufeln". Entsprechend können die Tageshöchstwerte tatsächlich auf Werte um 30 Grad steigen. Dazu gibt es mit Ausnahme des äußersten Ostens und Südostens meist viel Sonne.

Allerdings soll sich der Hochdruckeinfluss fast pünktlich zum offiziellen Siebenschläfertag am kommenden Samstag abschwächen. Tiefer Luftdruck sorgt dann von Südwesten her in Kombination mit einem zunehmenden Feuchtegehalt der Luft für teils kräftige Gewitter. Auch darüber hinaus sieht es bei überwiegend warmen - aber nicht unbedingt heißen (!) - Bedingungen erst einmal leicht wechselhaft aus. Bleibt nur noch abzuwarten, ob uns diese Witterung dann auch wirklich sieben Wochen begleiten wird.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.06.2020

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