14:10 MESZ | 26.05.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
28. August 2019 |

Wenn sich der Himmel Purpur färbt - die Purpurlichter

Wenn sich der Himmel Purpur färbt - die Purpurlichter

Datum 28.08.2019

In den vergangenen Tagen konnte man purpurfarbenes Himmelslicht beobachten. Das Thema des Tages erklärt, worum es sich dabei handelt und warum es gerade jetzt auftritt.

Haben Sie es auch gesehen? Diese wundervollen, farbenfrohen Sonnenauf- und -untergänge der vergangenen Tage? Trotz teilweise wolkenloser Verhältnisse wurde der Himmel lange vor Sonnenauf- bzw. nach Sonnenuntergang in ein purpurfarbenes Licht getaucht. Was optisch so reizvoll und ästhetisch ist, hat leider einen traurigen Hintergrund.


Zum Vergrößern bitte klicken


Zunächst einmal ein bisschen Theorie zum Verständnis: Das Purpurlicht ist eine unregelmäßig auftretende Dämmerungserscheinung. Sie tritt in der zweiten Hälfte der sog. Bürgerlichen Dämmerung auf, also dann, wenn die Sonne etwa 3 bis 6 Grad unter dem Horizont steht. Sie ist dann nicht nur für Beobachter am Erdboden, sondern auch aus Sicht der gesamten Troposphäre (bis ca. 10 km Höhe) untergangen bzw. noch nicht aufgegangen. In der darüber liegenden Stratosphäre werden kleinste Luftpartikel, die Aerosole, aber von dem rötlichen Licht der tiefstehenden Sonne beschienen. Die Aerosole streuen das rötliche Licht in alle Richtungen - auch zum Erdboden. Da die Konzentration der Aerosole verhältnismäßig gering ist, schimmert der bläuliche Himmelshintergrund (verursacht durch Lichtstreuung an der Ozonschicht) hindurch. Die roten und blauen Anteile mischen sich schließlich zu einem purpurnen Farbton.

In einigen Fällen wird das Purpurlicht am Himmel von einem oder mehreren Dämmerungsstrahlen in Segmente geteilt. Ursache dafür sind vom Beobachter weit entfernte und oft auch nicht sichtbare Wolken, die von der Sonne von unten beschienen werden und einen langgezogenen Schatten auf das stratosphärische Aerosol werfen. Die Dämmerungsstrahlen sind ein häufig auftretendes Phänomen, die sich aber bei Dämmerung ohne Purpurlicht kaum vom dunkelblauen Himmelshintergrund abheben und so kaum auffallen. Ein eindrückliches Beispiel für ein Purpurlicht mit Dämmerungsstrahlen aus Schwarzenberg (Erzgebirge) finden Sie unter diesem Artikel auf www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2019/8/28.html.

Normalerweise ist die Aerosolkonzentration so gering, dass das Purpurlicht selbst bei wolkenlosen Verhältnissen für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar ist. Es gibt aber mehrere Möglichkeiten, die zu einer deutlich erhöhten Aerosolkonzentration in der Stratosphäre führen können. Dazu zählen z. B. großflächige Buschbrände, Brandrodungen oder auch Vulkanausbrüche. Zahlreiche, gewaltige Brände, die in diesem Sommer vor allem in Kanada und Sibirien loderten, setzten gewaltige Mengen an Aerosol frei, die sich nun über der gesamten Nordhemisphäre verteilen. Gerade in den vergangenen Tagen konnte von CAMS (Copernicus Atmosphere Monitoring Service) auf Satellitenbasis eine ungewöhnlich hohe Aerosolkonzentration über Mitteleuropa analysiert werden, die vornehmlich auf diese Brände zurückzuführen waren. Da zudem häufig wolkenarme Verhältnisse vorherrschten, konnte vielerorts das Purpurlicht bestaunt werden.

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.08.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

25.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

24.05. - Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!

23.05. - Des einen Freud…

22.05. - Hoch "Zeno" sorgt fĂĽr niedrigen Meeresspiegel?!

21.05. - Weichenstellung auf Sommerwetter!

20.05. - Bisher abwechslungsreicher Mai

19.05. - Tag der Diversität

18.05. - Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

17.05. - Blick nach vorne - Sommerwetter?

16.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

15.05. - König Fußball und das Wetter

14.05. - KĂĽhles "Aprilwetter" an den Eisheiligen

13.05. - Wo ist der Polarjet hin?

12.05. - Der Geruch von Regen

11.05. - Turbulente und kĂĽhle Maitage

10.05. - Pannekoek in der Kalahari – wenn die Savanne wieder zum Leben erwacht

09.05. - Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

08.05. - Warmes Wochenende, kĂĽhler Wochenstart

07.05. - Wie funktioniert eine Gewittervorhersage?

06.05. - Endlich (zu viel) Regen

05.05. - Unwetterpotenzial in der Mitte: Starkregen und Gewitter

04.05. - Ausblick in die Wetterwoche

03.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 5: Meteorologie im Spätmittelalter an der Schwelle zur Renaissance

02.05. - Deutschlandwetter im April 2026

01.05. - Facettenreicher Schönwetterhimmel

30.04. - Geschichte der Meteorologie – Teil 4: Meteorologie im Früh- und Hochmittelalter

29.04. - Hoch WINFRIED bestimmt das Wetter – Umstellung zum Wochenende

28.04. - Einheitenchaos - Teil 3: Niederschlag

27.04. - Wettergötter und -propheten Teil 1: Wenn Petrus die Himmelspforte öffnet

26.04. - Hagelereignisse in Deutschland