Facebook Twitter
Drucken
12. Januar 2019 | Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

DONALD sorgt für Evakuierung auf Spitzbergen

DONALD sorgt für Evakuierung auf Spitzbergen

Datum 12.01.2019

Sturmtief DONALD ist am vorgestrigen Donnerstag mit hohen Windgeschwindigkeiten über Spitzbergen gezogen. Im Vorfeld wurden einige Bewohner aus Sicherheitsgründen evakuiert.

Es ist Mittwoch der 09.01.2019 am Nachmittag in Longyearbyen, Spitzbergen: Der "Sysselmann" (Gouverneur der arktischen Inselgruppe, Repräsentant der norwegischen Regierung und gleichzeitig Polizeichef) trifft die Entscheidung, einige Bereiche der Inselhauptstadt Longyearbyen (Lia und Nybyen, wo viele Studenten wohnen) mit über 100 Menschen zu evakuieren und für Fußgänger-, Auto- und Schneescooterverkehr ab Donnerstagmorgen zu sperren. Der Grund: Das Norwegische Meteorologische Institut hat eine Warnung vor starkem Sturm mit Böen bis 45 m/s (=162 km/h) für Nordenskiöldland (Halbinsel auf Spitzbergen, an dessen Nordküste die größten bewohnten Orte Spitzbergens Longyearbyen und Barentsburg liegen) herausgegeben. Zudem hat die Lawinengefahr Kategorie 4 (hoch) erreicht. Die Bewohner werden gewarnt, dass durch den starken Wind gefährliche Situationen entstehen, Gegenstände umherfliegen und Gebäude beschädigt werden könnten. Außerdem müsse mit sehr geringen Sichtweiten gerechnet werden. Deshalb empfiehlt der "Chef" der Insel den Bewohnern, sich im Innern aufzuhalten.



Dass diese Vorsichtsmaßnahmen gerechtfertigt waren, zeigt sich nun im Nachhinein. Ein schweres Sturmtief (getauft auf DONALD) zog am Donnerstag mit einem gemessenen Kerndruck von 951 hPa vom Europäischen Nordmeer zur Barentsee, Spitzbergen befand sich also auf der Nordflanke des Tiefs. Bereits am frühen Morgen wurden viele Bewohner sicherlich schon durch ein Rappeln der Fensterläden geweckt, als die ersten Sturmböen registriert wurden (um 06 Uhr bereits die erste orkanartige Böe in Hornsund, im Süden des Archipels). Pünktlich zur Mittagszeit hat auch die Messstation Isfjord Radio, am Eingang des Isfjords (an dem auch die Hauptstadt Longyearbyen liegt) eine orkanartige Böe mit 108 km/h gemessen, während im Süden der Inselgruppe der Wind schon mit voller Orkanstärke (145 km/h) blies. Dann ging es stetig aufwärts. Die maximal gemessenen Windböen: In Hornsund 168 km/h (um 23 Uhr), am Isfjord Radio 147 km/h und in Longyearbyen selbst 115 km/h.

Die Auswirkungen waren trotz der starken Böen (vielleicht auch wegen der getroffenen Vorkehrungen) überschaubar. Am gestrigen Freitag haben sich Experten der Norwegischen Direktion für Wasserressourcen und Energie vor Ort ein Bild der Lage gemacht und in Absprache mit dem nationalen Wetterdienst entschied der Sysselmann daraufhin, dass die evakuierten Menschen wieder in ihre Häuser können. Lediglich in einem kleinen Bereich bleiben Straßensperrungen wegen Lawinengefahr vorerst weiterhin bestehen.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

24.06. - Hitze und Sonne im Zusammenspiel lassen den Körper auf Hochtouren laufen

23.06. - Die Hitze kommt, der Körper leidet!

22.06. - Faustformel für Höchsttemperaturen

21.06. - Wie extrem wird die kommende Hitzewelle?

20.06. - Die Wellen aus Zentralafrika

19.06. - Sommersonnenwende - Sommeranfang und Mittsommer

18.06. - Schon wieder Gewitter? - Ein paar Verhaltensregeln

17.06. - Die Kraft der Sonne und ihre Folgen

16.06. - Gewitter-Asthma

15.06. - Wie entstehen Blitz und Donner?

14.06. - Wochenende: Unwetter oder Badewetter?

13.06. - Stationäre Verhältnisse

12.06. - Abstrakte Zahlen, konkrete Gefahren

11.06. - Hagelunwetter in München und weitere schwere Gewitter an Pfingstmontag

10.06. - Auftakt zu einer neuen, teils unwetterträchtigen Gewitterwoche

09.06. - Pfingstmontags-Unwetter am 9. Juni 2014 (Teil 2)

08.06. - Leuchtende Nachtwolken - Wolken in der kältesten Zone der Erdatmosphäre

07.06. - Pfingstmontags-Unwetter am 9. Juni 2014 (Teil 1)

06.06. - "Krasser" Start in den Juni

05.06. - Über die Herausforderungen der Greenkeeper

04.06. - Die erste Schwergewitterlage des Jahres

03.06. - Deutschlandwetter im Frühling 2019

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2019

01.06. - Viel Regen im Mai - aber nicht überall!

31.05. - Kurze-Hosen-Tage

30.05. - Erneut Dauerregen im Süden

29.05. - Mitternachtsdämmerung

28.05. - Ausflugswetter am Feiertag?

27.05. - Es ist noch nicht Sommer!

26.05. - Numerische Wettervorhersage - Ensemblevorhersagen zur Abschätzung der Vorhersageunsicherheit