15:39 MESZ | 24.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
23. August 2018 |

LANE bedroht Hawaii

LANE bedroht Hawaii

Datum 23.08.2018

Aktuell warnt die nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA) auf Hawaii aktiv vor Hurrikan LANE. Dieser wird zwar aktuellen Vorhersagen nach wohl nicht direkt auf eine der Inseln treffen, allerdings zieht er zumindest sehr dicht vorbei, sodass die Auswirkungen des Hurrikans trotzdem lebensbedrohlich sein können.

Grundsätzlich entstehen tropische Wirbelstürme nur in Regionen der Erde, wo hohe Wassertemperaturen und feucht-warme Luftmassen vorherrschen. Dies sind ideale Ausgangsbedingungen für die Entstehung von Gewitterclustern. Ist die ablenkende Kraft der Erdrotation (Corioliskraft, siehe www.dwd.de/lexikon) ausreichend groß und die Scherung des Windes in verschiedenen Höhen genügend klein, so kann aus diesen Gewitterclustern ein riesiger Wirbel entstehen und sich verstärken. Entsprechend bilden sich tropische Wirbelstürme meist nur in den Tropen oder Subtropen, aber nicht direkt am Äquator aus.


Zum Vergrößern bitte klicken


Um tropische Wirbelstürme besser beschreiben zu können, werden diese anhand der über 10 Minuten gemittelten Windgeschwindigkeiten in verschiedene Intensitätsstufen eingeteilt: Bei der "tropischen Depression" oder einem "tropischen Tief" handelt es sich um die schwächste Stufe mit Windgeschwindigkeiten bis 63 km/h. Der "tropische Sturm" bezeichnet die mittlere Stufe mit Windgeschwindigkeiten bis 118 km/h und ab 119 km/h spricht man von einem "tropischen Wirbelsturm mit Orkanstärke". Anhand der Saffir-Simpson-Skala lassen sich diese tropischen Wirbelstürme dann nochmals in Stärkekategorien 1 (schwacher Wirbelsturm, Windgeschwindigkeiten bis 153 km/h) bis zur Kategorie 5 (verwüstend, Windgeschwindigkeiten über 251 km/h) unterteilen. Die auftretenden Spitzenböen können dabei jedoch weitaus höher ausfallen. Die Saffir-Simpson-Skala für Hurrikane im Atlantik sollte jedoch nicht mit anderen Skalen zur Charakterisierung tropischer Wirbelstürme verwechselt werden, da diese sich in der Einteilung der Intensität etwas unterscheiden können. Aber nicht nur durch die hohen Windgeschwindigkeiten besteht bei einem Wirbelsturm große Gefahr für die betroffenen Gebiete. Häufig kommt es auch zu sehr hohen Niederschlägen, die Überschwemmungen und Erdrutsche zur Folge haben und immense Schäden verursachen können.

Bereits am 15. August wurde LANE im nordöstlichen Pazifik als tropische Depression geboren und erreichte am 17. August Hurrikanstärke. Auf seinem Weg in nordwestlicher Richtung in den Zentralpazifik intensivierte sich LANE weiter und wurde am gestrigen Mittwoch unserer Zeit südöstlich von Hawaii sogar als Hurrikan der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 257 km/h eingestuft. Die Spitzenböen können dabei noch deutlich höher liegen.

Am heutigen Donnerstag hat sich LANE wieder leicht abgeschwächt und wird "nur noch" als Kategorie 4 Hurrikan eingestuft. Außerdem wird LANE neusten Vorhersagen zu Folge wohl nicht direkt auf Hawaii treffen, wobei noch Unsicherheiten bestehen. In der von der NOAA veröffentlichten Grafik kann man an der weiß eingefärbten Fläche die Unsicherheit der Zugbahn sehen (siehe linke Grafik zum Thema des Tages). Allerdings dreht LANE sehr knapp westlich von Hawaii unter weiterer Abschwächung eine Schleife und kommt den Inseln somit gefährlich nah. Dort muss man sich wohl in den kommenden Tagen auf seine enormen Auswirkungen einstellen. Denn die weiterhin sehr hohen Windgeschwindigkeiten sind sehr schadensträchtig und sintflutartige Regenfälle (lokal im Stau auch über 500 Liter pro Quadratmeter) können Überschwemmungen und Erdrutsche verursachen (siehe dazu die akkumulierten Niederschläge in der rechten Grafik zum Thema des Tages). Außerdem muss unmittelbar an den Küsten auch mit Sturmfluten gerechnet werden.

Dass ein Wirbelsturm direkt auf Hawaii trifft, ist übrigens sehr selten. Lediglich zwei Wirbelstürme haben die Insel Kaua'i im Jahr 1959 (Dot) und 1992 (Iniki) direkt getroffen. Außerdem hat sich in der Geschichte der Aufzeichnungen noch nie ein Wirbelsturm der Kategorie 5 so nah einer hawaiianischen Insel genähert.

Aber nicht nur auf Hawaii geht es wirbelsturmtechnisch zurzeit die Post ab. Auch im Nordwestpazifik herrscht aktuell rege Aktivität. Allerdings kennt man den Wirbelsturm dort nicht als Hurrikan. Denn die faszinierenden Stürme besitzen verschiedene Bezeichnungen, je nachdem in welcher Region der Erde sie auftreten. Als Taifun bezeichnet man Wirbelstürme, die über dem Nordwestpazifik und den angrenzenden Randmeeren und Anrainerstaaten auftreten. Östlich der Datumsgrenze sowie über dem Nordatlantik spricht man dagegen von Hurrikans, also auch in Hawaii. Über dem Südwestpazifik und dem Indischen Ozean nennt man sie dagegen Zyklonen.

Taifun SOULIK zog gestern bereits knapp südlich der japanischen Hauptinsel Kyushu vorbei und schlägt heute eine nordöstliche Zugbahn ein. Somit nimmt SOULIK Kurs auf Südkorea, wo zum Abend auf Land treffen soll. Aber auch Japan wird nicht verschont bleiben. Denn es macht sich bereits der nächste Taifun in diese Richtung auf. Taifun CIMARON wird bereits im heutigen Tagesverlauf mit Hurrikanstärke auf die Hauptinseln Honshu sowie Shikoku treffen (weitere Infos in Links zum Thema des Tages).

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.08.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst

21.09. - Ruhiger Start in den Herbst

20.09. - Europawetter

19.09. - Westeuropa blockiert erneut

18.09. - Zwischen Spätsommer und Frühherbst

17.09. - Weltwetterorganisation: Der globale Wasserkreislauf gerät aus den Fugen

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen