16:41 MESZ | 21.10.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
15. Dezember 2017 |

Erhebliche Lawinengefahr in den Alpen

Erhebliche Lawinengefahr in den Alpen

Datum 15.12.2017

Angesichts der veritablen gefallenen Schneemengen in den Mittelegebirgen und den Alpen könnte der Beginn der diesjährigen Skisaison für Wintersportler kaum besser verlaufen. Doch bei aller Freude sollte man die "weiße Gefahr" nicht unterschätzen, die besonders abseits der Pisten lauert: Lawinen.

Schneebrett-, Lockerschnee- und Gleitschneelawinen: Viele haben davon schon einmal gehört, alle sind gefährlich - nur was sind die Unterschiede? Um die Entstehung von Lawinen zu verstehen, muss man zunächst einmal wissen, dass sich eine Schneedecke aus den verschiedenen Schneeschichten der einzelnen Niederschlagsereignissen zusammensetzt.


Zum Vergrößern bitte klicken


Sind diese einzelnen Schneeschichten fest miteinander verbunden, ist die Lawinengefahr gering. Hat sich die Schneeoberfläche jedoch ungünstig umgewandelt (z.B. durch Oberflächenreif oder Graupelschichten) oder konnte sich während eines starken Schneefalls der Schnee nicht genügend verfestigen und sich mit der darunter liegenden Schneeschicht verbinden, so kann es zu einem Bruch innerhalb der Schneedecke kommen. Dadurch steigt die Lawinengefahr.

Für Wintersportler besonders gefährlich sind Schneebrettlawinen, sie fordern über 90% der Lawinenopfer. Sie entstehen, wenn eine gebundene Schneeschicht (das "Schneebrett") auf einer schwachen Schneeschicht (zwischen den Eiskristallen bestehen nur wenige und schwache Verbindungen) liegt. Gibt es nun eine Überbelastung der Schwachschicht (z.B. durch Schneefall oder auch durch einen Wintersportler), brechen zunächst nur einzelne Verbindungen zwischen den Eiskristallen, dann immer mehr. Der Bruch breitet sich rasant innerhalb der Schwachschicht aus, parallel zum Hang - ähnlich einem Kartenhaus, das von einer Stelle beginnend in sich zusammenstürzt. Ist der Hang steiler als ca. 30°, so rutscht das Schneebrett immer schneller auf der gebrochenen Schwachschicht hangabwärts. Die typische durch Wintersportler ausgelöste Schneebrettlawine ist 50 Meter breit und 150-200 Meter lang. Wer ein Schneebrett auslöst, wird von der Lawine häufig erfasst.

Schneebrettlawinen können im trockenen oder nassen Schnee abgehen, auch lange nach einem Schneefall. Typisch für die Bildung einer Schneebrettlawine ist Triebschnee (vom Wind verlagerter Schnee), sodass der altbekannte Spruch "Der Wind ist der Baumeister der Lawinen" nach wie vor als bare Münze genommen werden kann.

Lockerschneelawinen sind oft harmloser. Sie breiten sich von einem Punkt kegelförmig nach unten aus. Lockerschneelawinen gehen oft während oder kurz nach einem Schneefall oder bei starker Erwärmung ab. Bei trockenem (Pulver)Schnee ist im Auslösepunkt etwa eine Neigung von 40° erforderlich. Meist lösen sich Lockerschneelawinen spontan. Ist jedoch ein Schneesportler der Auslöser, so wird er normalerweise nicht verschüttet, weil die Lawine unter ihm abgeht und weil die Schneemassen überwiegend gering sind. Insgesamt fordert diese Lawinenart weniger als 10% der Lawinenopfer.

Gleitschneelawinen haben ähnlich wie Schneebrettlawinen einen breiten, linienförmigen Anriss. Allerdings rutscht bei ihnen die gesamte Schneedecke ab, was nur auf glattem Untergrund (z.B. Gras- oder Felshang) möglich ist. Sie entstehen meist spontan, wenn der warme Boden die unterste Schneeschicht anfeuchtet und damit die Reibung abnimmt.

Derzeit besteht in weiten Teilen der Alpen eine erhebliche bis große Lawinengefahr (Stufe 3, in den Schweizer Alpen teils sogar Stufe 4 von 5). In höheren Lagen (über ca. 1600 m) geht diese vor allem durch Triebschnee aus, in tiefen und mittleren Lagen durch Gleitschnee. Erst vor 2 Tagen ging im österreichischen Skigebiet Serfaus-Fiss-Ladis eine Lawine ab, die ein Todesopfer forderte. Insbesondere bei Skitouren oder anderen Aktivitäten abseits der Piste sei deshalb noch einmal auf die Wichtigkeit hingewiesen, sich auf den entsprechenden Internetseiten im Vorfeld über die aktuelle Lawinensituation zu informieren:

www.lawinenwarndienst-bayern.de/ (Bayerische Alpen) www.lawinen.at/ (Österreichische Alpen) www.slf.ch/ (Schweizer Alpen)

Über eine weitere gefährliche Lawinenart - die Staublawine - und die wichtigsten Präventionsmaßnahmen um sich vor einer Lawine zu schützen, können Sie am kommenden Montag an dieser Stelle lesen.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 15.12.2017

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

21.10. - Wer hatte Recht?

20.10. - Kulinarisches im Herbst

19.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 20: Meteorologie im 19. Jahrhundert (a)

18.10. - Mission impossible

17.10. - Bunte Satellitenbilder zur Unterscheidung von Wolkentypen

16.10. - Es grünt so grün

15.10. - Kaltfront in Lauerstellung

14.10. - Verifikation von Wettermodellen - Teil 2

13.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2

12.10. - Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1

11.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 19: Übertragung meteorologischer Daten mit Telegraphie im 19. Jahrhundert

10.10. - Geschichte der Meteorologie − Teil 18: Aerologie im 18. und 19. Jahrhundert

09.10. - Herbstgewitter über der Nordsee – Das Meer als Gewittermotor

08.10. - Endlich Regen!

07.10. - Ist der Himmel wirklich blau?

06.10. - Niederschlagsdefizit - Was bringt der Wetterwechsel

05.10. - Wetterentwicklung

04.10. - Der dritte im Bunde - MTG-I2

03.10. - Navier-Stokes - ein (un)lösbares Problem?

02.10. - Deutschlandwetter im September 2026

01.10. - Regen nach Trockenheit - warum Böden das Wasser nur schlecht aufnehmen

30.09. - Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!

29.09. - Kunterbuntes zum Monatswechsel

28.09. - Halos - optische Erscheinungen am Himmel

27.09. - Tag der Flüsse

26.09. - Ungewöhnlicher warmer Altweibersommer

25.09. - Warum Tallagen besonders frostgefährdet sind

24.09. - Flugwettervorhersagen: Der GAFOR

23.09. - Die dritte Jahreszeit

22.09. - In den Nächten zeigt sich der Herbst