Der Mai 2016 hĂ€lt fĂŒr alle Sternfreunde und Astronomen einen besonderen himmlischen Höhepunkt parat. Im Mittelpunkt steht ein Himmelskörper, der ansonsten meist unauffĂ€llig seine Bahn am irdischen Himmel zieht und den viele Menschen in Mitteleuropa vielleicht noch nie bewusst mit eigenen Augen gesehen haben: der Planet Merkur.
Das Highlight der ersten MaihÀlfte: der Merkurtransit t.co/RJDT3C5rX3 pic.twitter.com/mvz4X91KZJ
— Sterne und Weltraum (@Sterne_Weltraum) 28. April 2016
Merkur ist der sonnennĂ€chste Planet unseres Sonnensystems. Dies bedeutet, dass er wie auch der Planet Venus die Sonne innerhalb der Erdbahn umkreist. Von der Erde aus betrachtet steht Merkur deshalb auch immer in unmittelbarer NĂ€he zur Sonne, deren helles Licht ihn am Himmel meist ĂŒberstrahlt. Nur im FrĂŒhjahr abends (wie jetzt zuletzt im April 2016) und im Herbst morgens bieten sich in Deutschland zuweilen gĂŒnstige Chancen, den Planeten einiger MaĂen leicht in der DĂ€mmerung knapp ĂŒber dem Horizont zu beobachten.
Da Merkur sich also wie beschrieben innerhalb der Erdbahn bewegt, kommt es alle 116 Tage zu der Situation, das sich der Planet zwischen Erde und Sonne hindurch bewegt. Wenn Sonne, Merkur und Erde dann in dieser Reihung auf einer Linie stehen, spricht man von einer sogenannten "unteren Konjunktion" des Merkur. Und Ă€hnlich wie beim Mond, der - wenn er sich zwischen Sonne und Erde schiebt - manchmal die Sonne von der Erde aus betrachtet ganz oder teilweise verdeckt (Sonnenfinsternis), kann auch der Merkur dann von der Erde aus betrachtet einen Teil der Sonne "verfinstern". Freilich ist der Merkur viel weiter von der Erde entfernt als der Mond, so dass er nur einen winzigen Bruchteil der Sonnenscheibe bedecken kann, nĂ€mlich nur ganze 0,004 Prozent. Deswegen spricht man in diesem Fall auch nicht von einer Sonnenfinsternis, sondern von einem "Merkurdurchgang vor der Sonnenscheibe" oder kĂŒrzer von einem "Merkurtransit".
Wegen der Ekliptik kommt es nicht alle 116 Tage, sondern in 100 Jahren nur zu 13 oder 14 Merkurtransits, dieses Ereignis ist also weitaus seltener als eine "normale" Sonnenfinsternis. Die beiden letzten von Deutschland aus in voller LĂ€nge sichtbaren MerkurdurchgĂ€nge vor der Sonnenscheibe gab es am 10.November 1973 und am 07.Mai 2003 (also fast auf den Tag genau vor 13 Jahren) zu sehen. Jetzt am 09.Mai 2016 kann man also wieder von Mitteleuropa und von (fast ganz) Deutschland aus dieses Ereignis in voller LĂ€nge beobachten. Los geht es am kommenden Montag um 13:12 Uhr MESZ (die genauen Zeiten variieren in Deutschland um ein paar Sekunden, je nach Beobachtungsort), wenn der Rand des sichtbaren Merkurscheibchens erstmals die Sonnenscheibe an ihrem östlichen Rand berĂŒhrt.
Von #Aachen bis #Zwickau: Am 9. Mai den #Merkurtransit sicher & unter Anleitung beobachten: t.co/jwBWqum04W pic.twitter.com/syU88QRUnN
— Jan Hattenbach (@JanHattenbach) 23. April 2016
Gut drei Minuten spĂ€ter ist Merkur komplett vor die Sonne getreten, man nennt dies auch den "2.Kontakt". Ab jetzt braucht Merkur mehr als 7 Stunden Zeit, um bis zum westlichen Rand der Sonnenscheibe zu laufen. Den geringsten Abstand zur Mitte der Sonnenscheibe erreicht gegen 16:56 Uhr MESZ ("3.Kontakt"). Zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne etwa in der Mitte Deutschlands noch rund 35 Grad hoch ĂŒber dem sĂŒdwestlichen Horizont. Dann wird es etwas "eng": Merkur berĂŒhrt erstmal wieder den Rand der Sonne ("4.Kontakt") gegen 20:37 Uhr MESZ. Im SĂŒdosten Bayerns, Sachsens und Brandenburgs ist dies gegen oder kurz nach Sonnenuntergang der Fall. Wieder rund 3 Minuten spĂ€ter gegen 20 Uhr 40 und 30 Sekunden hat Merkur dann die Sonnenscheibe endgĂŒltig wieder verlassen ("5.Kontakt"). Um dies zu beobachten braucht man dann auch in allen anderen Regionen Deutschlands einen flachen und von Sichthindernissen freien Westhorizont zu Sonnenuntergang.
Achtung: Die Beobachtung dieses Ereignisses gestaltet sich durchaus nicht ganz einfach. Nicht nur, dass man natĂŒrlich erst einmal gutes Wetter mit einem möglichst wolkenfreien Himmel braucht, (das ist nordöstlich einer Linie Emsland - Harz fĂŒr den gesamten Zeitraum sehr wahrscheinlich), man benötigt nĂ€mlich auch noch ein optisches Hilfsmittel hierzu. Denn Merkur ist schlicht - wie erwĂ€hnt - zu klein, um mit bloĂem Auge vor der Sonnenscheibe zum Beispiel mit Hilfe einer Sonnenfinsternisbrille gesehen werden zu können. Man braucht also ein Fernglas oder ein Teleskop mit speziellen Schutzfiltern bzw. mit der Möglichkeit durch diese hindurch ein Abbild der Sonne auf einen weiĂen Karton zu projizieren. Unser Rat: Experimentieren Sie auf keinen Fall herum mit irgendwelchen "Hausmitteln" zur DĂ€mpfung des grellen Sonnenlichtes wie CD's, ruĂgeschwĂ€rzten Scheiben oder Ă€hnlichem. Sie riskieren schwere AugenschĂ€den bis hin zur dauerhaften Erblindung! Am besten und sichersten beobachtet man dieses Ereignis in einer der zahlreichen öffentlichen Sternwarten unseres Landes, die an diesem Tag und fĂŒr dieses Schauspiel ihre TĂŒren öffnen und zur sicheren, gemeinsamen Beobachtung einladen.
Der nÀchste Merkurtransit findet bereits am 10.November 2019 statt, er wird zumindest teilweise von Deutschland aus sichtbar sein. Danach muss man sich bis zum 13.November 2032 bis zum nÀchsten Merkurtransit gedulden.
Meteorologe Uwe Bachmann
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.05.2016
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