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29. Dezember 2015 |

Schwere Überflutungen in Großbritannien

Schwere Überflutungen in Großbritannien

Datum 29.12.2015

Starker und anhaltender Regen hat in Großbritannien gebietsweise für schwere Überschwemmungen gesorgt. Eine deutliche Entspannung der Hochwasserlage ist nicht in Sicht, denn es drohen weitere kräftige Regenfälle.

Der Dezember zählt in Großbritannien zu den niederschlagsreichsten Monaten. Landesweit fallen im Mittel etwa 120 mm Niederschlag. In diesem Jahr war der Dezember in einigen Regionen Großbritanniens überdurchschnittlich nass. Teilweise wurde über 300 mm Regen und somit ungefähr das Dreifache der normal üblichen Menge beobachtet. Besonders regenreich war der Monat im Westen Schottlands, im Norden Englands und in Wales. Dabei fiel ein Großteil des Niederschlags über die Weihnachtstage und somit in relativ kurzer Zeit.



Hervorgerufen wird das regenreiche Wetter durch die seit Wochen dominierende Westwetterlage, bei der in rascher Folge Tiefdruckgebiete vom Atlantik kommend über West- und Nordeuropa hinwegziehen. Dadurch gab es bereits im November überdurchschnittlich viel Regen in Großbritannien.

Die in Großbritannien aufgetretenen hohen Niederschlagssummen der letzten Tage brachten die zwei Tiefdruckgebiete CHUCK und DANIEL (Namensgebung durch FU Berlin). An Heiligabend sorgten die Ausläufer von Tief CHUCK, das mit seinem Kern nördlich von Irland und Schottland vorüberzog, für den ersten kräftigen Regen. Deutlich mehr Niederschlag fiel an den Weihnachtsfeiertagen in Verbindung mit Tief DANIEL. Es zog unter Intensivierung relativ langsam über Irland und Großbritannien hinweg und erreichte erst am vergangenen Sonntag die norwegische Küste. Entsprechend kam es zu länger anhaltenden und teils ergiebigen Regenfällen. So fielen beispielsweise zwischen Newcastle und Leeds verbreitet zwischen 50 und 100 Liter pro Quadratmeter innerhalb von drei Tagen. Der meiste Niederschlag mit 106 Litern pro Quadratmeter wurde an der meteorologischen Station Shap gemessen, gefolgt von Bingley mit 99 Litern pro Quadratmeter. In Wales meldete die Station Capel Curig sogar 220 Liter pro Quadratmeter. Die ohnehin schon viel Wasser führenden Flüsse und Bäche konnten die immensen Wassermassen nicht mehr aufnehmen, was zu teils verheerenden Überschwemmungen führte.

Besonders dramatisch ist die Hochwasserlage aktuell immer noch rund um Leeds und York, aber auch in Wales und südlich von Birmingham sind einige Flüsse über die Ufer getreten. In diesen Gebieten gelten von der Regierung ausgegebene Flutwarnungen (siehe flood-warning-information.service.gov.uk ).

Aber nicht nur in Großbritannien, auch in Irland, Norwegen, Schweden und Dänemark sorgten die Tiefdruckgebiete für anhaltende und teils kräftige Niederschläge, so dass dort ebenfalls einige Straßen und Wohnungen unter Wasser standen.

Laut Meldungen der Behörden wurde in den Hochwasserregionen Großbritanniens zwar am gestrigen Montag der Scheitelpunkt an den Flüssen erreicht, dennoch bleibt die Hochwasserlage in den nächsten Tagen weiter angespannt. Neue atlantische Tiefdruckgebiete sorgen am heutigen Dienstag und auch in den kommenden Tagen wieder für regenreiches Wetter. Vor allem am morgigen Mittwoch können laut den aktuellen Wetterprognosen regional nochmals zwischen 20 und 70 mm, örtlich sogar bis 100 mm Regen fallen, wobei der Schwerpunkt erneut über Wales, Nordengland und Schottland zu erwarten ist. Während die nördlichen Teile Europas nun schon seit Wochen in der kräftigen Westströmung liegen, herrscht in Südeuropa beständig hoher Luftdruck. Das bedeutet windschwaches und trockenes Wetter. So ist beispielsweise in Oberitalien schon seit Ende Oktober so gut wie kein Regen gefallen. Ungewöhnlich tiefe Pegelstände weisen derzeit Flüsse und die großen norditalienischen Seen auf. Auch in Venedig herrscht Niedrigwasser. Hinzu kommt eine sogenannte Inversionssituation. Dabei liegt über einer kalten Luftschicht am Boden warme Luft in den höheren Schichten. Sie wirkt wie ein Deckel, der den Luftaustausch behindert und so in den Großstädten Italiens starken Smog hervorruft.

Dipl.-Met. Johanna Anger

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 29.12.2015

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