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28. Juni 2013 |

Warum ist es bei uns so kalt?

Derzeit ist die Großwetterlage in Europa durch einen mächtigen, sog.
"langwelligen" Trog gekennzeichnet. Darunter versteht man eine
äquatorwärts gerichtete, weite "Ausbeulung" der generell in
West-Ost-Richtung orientierten Höhenströmung. Auf der Nordhalbkugel
entstehen diese Tröge immer dann, wenn Polarluftmassen südwärts
vorankommen. Tröge zeichnen sich im Sommer durch unbeständiges und
kühles, bisweilen windiges Wetter aus.

Da der Luftdruck mit der Höhe in kalter Luft rascher als in warmer
Luft abnimmt, herrscht in derselben geometrischen Höhe in einer
Polarluftmasse ein tieferer Druck als etwa im Falle subtropischer
Luft. Tröge mit hoch reichender Kaltluft, im Meteorologenjargon auch
gern als "höhenkalte" Luft bezeichnet, fungieren folglich als
Tiefdruckgebiete in der mittleren und höheren Troposphäre.

Ihr Verhalten steuert die Bildung und Verlagerung der uns von der
Fernsehwetterkarte bekannten Tiefdruckgebiete am Boden. Vereinfacht
gesagt wird dort, wo der Luftdruck in der Höhe fällt, aus
Kontinuitätsgründen Luft aus bodennahen Schichten angesaugt und ein
Tiefdruckgebiet entsteht oder ein bestehendes wird forciert.
Umgekehrt bewirken polwärts gerichtete Warmluftvorstöße oder
Hochdruckkeile die Ausprägung von Hochruckgebieten im Bodenniveau.

Als Resultat dessen verharrt der Kontinent seit Tagen an der
Ostflanke des nordostwärts verlagerten Azorenhochs unter relativem
Tiefdruck im Zustrom frischer Meeresluft. In die Strömung
eingelagerte Frontensysteme sorgen für starke Bewölkung und teils
ergiebige Niederschläge. Die subpolare Herkunft der Luftmasse hält
die Temperaturen im Keller, so dass der Gedanke an
"Sommer-Sonne-Softeis" eher fernliegt.

Zum Vergrößern bitte klicken


Die vergangenen Nächte waren kalt, in den Mittelgebirgen gab es
örtlich leichten Bodenfrost. Zur bildlichen Darstellung dessen finden
Sie nebenstehend eine Karte
der Tiefstemperaturen [°C] in Erdbodennähe der vergangenen Nacht.


Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2013

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



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