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20. August 2011 |

Abendrot - gut Wetterbot

Konnten Sie sich am Freitagabend auch über einen schönen
Sonnenuntergang freuen?
Nur lockere Bewölkung, dazu ein leuchtendes Orange-Rot - Romantik
pur!

Wie kommt die Färbung eigentlich zustande?

Zwei Meteorologie- Studentinnen, die im DWD ein Praktikum absolviert
haben, haben dazu folgende Erläuterungen zusammen getragen:

Die Sonne liefert uns Strahlung in unterschiedlichen Wellenlängen.
Das für uns sichtbare Licht umfasst den Wellenlängenbereich zwischen
350 nm (violett) und 750 nm (rot). Dieses Licht wird auf dem Weg
durch die Atmosphäre zu uns gebrochen - kurze Wellenlängen stärker
als lange ("chromatische Aberration"). Auf diese Art wird es in seine
Spektralfarben zerlegt, die von violett über blau, grün, gelb, orange
bis hin zu rot reichen.
Diese sogenannte optische Dispersion erfolgt in der Atmosphäre, indem
das von der Sonne ausgehende "weiße" Licht an Luftpartikeln gestreut,
d.h. teils reflektiert und teils gebrochen wird.
Bei längerem Weg durch die Atmosphäre, also bei tief stehender Sonne
(morgens und abends) wird das blaue Licht durch die Stärke der
Streuung weitgehend eliminiert, rote und gelbe Lichtanteile
dominieren. So entsteht das Morgen- bzw. Abendrot.

Doch Morgenrot ist nicht gleich Abendrot und "rot ist nicht gleich
rot":
Da das Wetter, bedingt durch unsere Lage in den gemäßigten Breiten,
meist aus dem Westen kommt, kann die Farbe des westlichen Himmels am
Abend ein Vorbote für unser Wetter am nächsten Tag sein.
Aufgrund dieser Beobachtung entstand die Bauernregel "Abendrot, gut
Wetterbot", die der Seemannsregel "Abendrot macht Seemann tot"
eigentlich widerspricht. Doch wie kommt es zu solch unterschiedlichen
Aussagen über die Abendröte?
Wenn der Himmel nur leicht rötlich gefärbt ist, deutet es auf
trockene Luft hin und somit ist die Wahrscheinlichkeit für
Niederschlag am nächsten Tag gering. Dagegen bedeutet ein dunkles Rot
hohe Luftfeuchtigkeit, welche Wolkenbildung und Annäherung eines
Niederschlaggebietes anzeigt. Somit treffen beide Aussagen, je nach
Nuance der Himmelsröte, zu.

Nun kann man sich auch denken, was es mit folgender Bauernregel auf
sich hat: "Morgenrot, schlecht Wetter droht". Die morgendliche
Rotfärbung weist auf hohe Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre hin und
damit auf eine erhöhte Niederschlagswahrscheinlichkeit. Der Rot-Ton
entsteht, weil der blaue Anteil der Sonnenstrahlen durch den langen
Lichtweg herausgefiltert und der verbleibende rote von den Wolken
reflektiert wird.

Für das Farbenspiel des Himmels ist also die Tatsache verantwortlich,
dass der blaue Anteil des Sonnenlichts weitaus stärker als der rote
gestreut wird. Dies wird in der sogenannten Rayleigh-Theorie
beschrieben, die davon ausgeht, dass die Wellenlänge der Strahlung im
Vergleich zum Durchmesser des streuenden Teilchens groß ist. Sie gilt
also für Luftmoleküle (Stickstoff, Sauerstoff, ...)

Am heutigen Samstag und auch noch am Sonntag früh werden Sie wieder
ein Farbenspiel am Himmel beobachten können. Wie lautet dann wohl
Ihre Prognose?


Vanessa Wehner, Katja Werle und Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.08.2011

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



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