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02. November 2012 |

Böhmischer Wind

Durch den Böhmwind gebeugte Bäume


Wer am gestrigen Donnerstagvormittag im Elbsandsteingebirge entlang
der Elbe in Richtung Tschechien trotz wechselhaften Wetters geradelt
ist, dürfte ganz schön geflucht haben. Grund für diesen
Gemütsausbruch war neben dem Nass von oben wahrscheinlich der
sogenannte Böhmische Wind.

Beim Böhmischen Wind, der in Bayern auch Böhmwind genannt wird,
handelt es sich um ein regionales Windsystem. Er entsteht bevorzugt
im Winterhalbjahr, wenn sich im Böhmischen Becken über längere Zeit
kalte Luft ansammeln kann. Weil kalte Luft schwerer ist als warme,
steigt dort der Luftdruck und es bildet sich ein Kältehoch. Zudem
bildet sich in diesem Hoch oft eine über mehrere Tage anhaltende
Inversion (Schichtung der Atmosphäre, bei der die Temperatur mit der
Höhe zunimmt), sodass sich das Böhmische Becken mit einer bis zu 1000
Meter mächtigen Kaltluftschicht füllen kann. Ins angrenzende Sachsen
und Bayern kann sich die Kaltluft aufgrund der Orografie nicht
ausbreiten, sodass dort geringer Luftdruck herrscht. Die Natur ist
nun bestrebt, diese Luftdruckunterschiede auszugleichen, was durch
Wind geschieht. Jedoch behindern die Randgebirge, durch die Böhmen
von drei Seiten umgeben ist, diesen Ausgleich. Nur dort, wo die
Randgebirge Passlagen oder Durchbruchstäler haben, ist dieser
möglich. Dort bricht die Kaltluft als Fallwind durch. Der Wind wird
in den Durchbruchstälern durch Kanalisationseffekte noch verstärkt.
Gleichzeitig wirkt noch eine weitere intensivierende Komponente: Die
schwere Kaltluft fließt entsprechend des Gefälles im Tal ab. Dabei
können Sturmböen auftreten, teilweise sogar Orkanböen. Außerdem
können sich im Winter bei vorhandener Schneedecke innerhalb kurzer
Zeit hohe Schneeverwehungen bilden.
Besonders betroffen vom Böhmischen Wind sind in Ostbayern die Täler
mit einer Ost-West-Ausrichtung, in Sachsen die mit einer
Südost-Nordwest-Ausrichtung. Im sächsischen Lichtenhain-Mittelndorf
konnte gestern Vormittag eine Sturmböe von 83 km/h registriert werden
- da hat man schon ordentlich zu strampeln, wenn man auf dem Fahrrad
unterwegs ist...

Mit dem Böhmischen Wind ist es nun erst einmal vorbei, aber windig
bleibt es trotzdem in den nächsten Tagen und das deutschlandweit. So
muss man gebietsweise immer mal wieder mit Windböen rechnen, teils
auch mit Sturmböen. In exponierten Gipfellagen sind heute Abend und
in der Nacht zum Samstag sogar orkanartige Böen möglich.


M.Sc. Met. Stefan Bach
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 02.11.2012

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



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