11:31 MESZ | 17.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
21. Dezember 2024 | Dipl.-Met. Adrian Leyser

Stürmischer Dionisio

Stürmischer Dionisio

Datum 21.12.2024

Tief "Dionisio" sorgte in den vergangenen Tagen in Südfrankreich, auf Korsika, Sardinien sowie in Teilen Italiens für turbulentes Wetter mit teils schwerem Sturm und Seegang.

Tief "Dionisio" ist aus einer sogenannten "Genua-Zyklogenese" hervorgegangen. Zwischen den beiden Tiefs ANKA und BIANCA über Nordeuropa und einem kräftigen Hoch mit Schwerpunkt über dem nahen Ostatlantik stellte sich ab Donnerstag (19.12.) über West- und Mitteleuropa eine kräftige Nordwestströmung ein. Damit konnte Kaltluft auf breiter Front südostwärts gesteuert werden. Die Westalpen stellten dabei ein natürliches Hindernis dar. Die Luft musste entweder über die Bergrücken gehoben oder um sie herumgeführt werden. Beide Prozesse sorgten in Zusammenspiel mit einer Beschleunigung der Kaltluft durch das südfranzösische Rhonetal (dieser kalte "Fallwind" wird auch Mistral genannt) für eine Tiefdruckentwicklung im Lee der Seealpen und über dem Golf von Genua. Der Jet-Stream, das Starkwindband in der mittleren und oberen Troposphäre, diente als "Förderband" und steuerte das Tief bis Freitag (20.12.) südostwärts über das Seegebiet zwischen Korsika und Italien zum Tyrrhenischen Meer. Dabei intensivierte sich das Tief vorübergehend sogar noch. Dadurch verschärften sich die Luftdruckgegensätze vor allem an der Westflanke des Tiefs nochmal deutlich. Zu dem orographischen und schwerkraftbedingten Mistral-Fallwind gesellte sich folglich noch eine von lokalen Luftdruckbegebenheiten gesteuerte Windverstärkung über dem gesamten nördlichen Teil des westlichen Mittelmeerraums.


Satellitenbild von Sturm


Abbildung 2 (links) zeigt eine Auswahl der stärksten Böen am Donnerstag und Freitag. Man sieht, dass in Südfrankreich und auf Korsika örtlich extreme Orkanböen über 140 km/h auftraten. Auch sonst gab es von Südfrankreich bis nach Korsika verbreitet Sturm- und schwere Sturmböen, selbst in Großstädten wie Marseille. In der Folge kam es zu umstürzten Bäumen sowie Schäden an Gebäuden und an der Infrastruktur. Tausende Haushalte waren in Frankreich zeitweise ohne Strom.


Windspitzen und Wellenhöhe im Zuge von Sturm


Darüber hinaus wühlte der Sturm die See mächtig auf. Es bauten sich mitunter meterhohe Wellen auf. Abbildung 2 (rechts) zeigt zur Verdeutlichung eine DWD-Vorhersage der Wellenhöhe. Es musste demnach mit bis zu 8 m hohen Wellen gerechnet werden. Dieser Seegang führte an den Küsten zu massivem Wellenschlag und Überschwemmungen.

Mittlerweile hat sich "Dionisio" etwas abgeschwächt und zog über Süditalien zum Balkan. Dabei treten zwar nicht mehr die ganz hohen Windgeschwindigkeiten auf, allerdings kommt es zum Teil zu heftigen Regen- und Schneefällen.

Nach einer vorübergehenden Wetterberuhigung wiederholen sich die Ereignisse am Sonntag und Montag wahrscheinlich wieder. Bedingt durch einen neuen Kaltluftvorstoß über West- und Mitteleuropa ereignet sich wieder eine Genua-Zyklogenese. Das daraus resultierende und bereits auf den internationalen Namen "Enol" getaufte Tief wird zwar nicht ganz die Stärke von "Dionisio" erreichen. Dennoch muss rund um das westliche und zentrale Mittelmeer erneut mit Sturm, hohem Seegang, Starkregen und intensiven Schneefällen im Bergland gerechnet werden.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

16.09. - Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz

15.09. - Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!

14.09. - Magdeburger Halbkugeln - Auf der Suche nach dem Nichts

13.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

12.09. - Wo endet die Atmosphäre, wo beginnt der Weltraum?

11.09. - Verifikation von Wettermodellen

10.09. - Stark- und Dauerregen von Mittelitalien bis nach Österreich

09.09. - Tschüss Hochsommer, hallo Spätsommer und Frühherbst

08.09. - Geschichte der Meteorologie – Teil 16: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (b)

07.09. - Geschichte der Meteorologie − Teil 15: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)

06.09. - "WeatherNext3" – Wie zuverlässig ist ein KI-Modell ohne explizite Physik?

05.09. - Kopfschmerzen durch Wetter

04.09. - Zwischen Sturm und Spätsommer

03.09. - Deutschlandwetter im Sommer 2026

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nächsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

22.08. - Pokalwetter mit Sommer-Comeback

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen

18.08. - Von laut bis leise: Der Donner