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18. September 2024 | Dipl.-Met Martin Jonas

Altweibersommer 2

Altweibersommer 2

Datum 18.09.2024

Das heutige Thema des Tages beleuchtet die aktuelle Altweibersommer-Phase von der synoptischen Seite.

Schon gestern drehte sich hier im Thema des Tages alles um den Altweibersommer. Heute wollen wir die kommenden Tage entsprechend aus synoptischer Sicht beleuchten. Welche Druckkonstellation sorgt für den Altweibersommer, wie lange bleibt der Altweibersommer - und ist wirklich alles eitel Sonnenschein (im wahrsten Sinn des Wortes) oder gibt es vielleicht kleine Wetter-Schönheitsfehler.

Frontenvorhersagekarte für Donnerstag 19.09.2024, 12:00 UTC (14:00 MESZ)



Die erste oben gestellte Frage lässt sich recht einfach beantworten. Prägender Protagonist auf den europäischen Wetterkarten der kommenden Tage ist Hoch SERKAN (Abbildung 1). Es soll sich am morgigen Donnerstag von Island über den Süden Skandinaviens bis ins Baltikum erstrecken, seine "Fühler" in Form von Hochdruckkeilen streckt es dabei bis nach Grönland und Westrussland aus. Grundsätzlich ist SERKAN ein zuverlässiger Zeitgenosse, seine Position räumt er nicht überstürzt. Aber er nimmt bis zum kommenden Wochenende Verbindung mit einem Hoch über Grönland auf und verschiebt seinen Schwerpunkt allmählich über den Nordatlantik. Erkennbar ist dabei schon jetzt, dass uns bis dahin keine Frontensysteme behelligen werden. Denn auch diesbezüglich liefert die Abbildung 1 Hinweise. SERKAN führt die Fronten auf seiner Nordflanke an uns vorbei und hält sie damit auf Abstand.
Da SERKAN es über dem Mittelmeer und damit auf seiner Südflanke mit mehr oder weniger klar aufgestelltem Tiefdruckeinfluss aufnehmen muss, stellt sich über Mitteleuropa und Deutschland eine zumeist östliche Strömung ein (blaue Pfeile in Abbildung 1). Und Luftmassen aus Osten sind oft ziemlich trocken. Das sind natürlich gute Voraussetzungen für einen sonnigen Altweibersommer.

Erwartete relative Sonnenscheindauer (in %) für die kommenden drei Tage (Do., 19.09. bis Sa., 21.09.)



Das Stichwort "sonnig" führt uns unmittelbar zur Abbildung 2. Sie liefert für die kommenden drei Tage (Donnerstag 19.9. bis Samstag 21.9.) die erwartete relative Sonnenscheindauer. Grob über den Daumen gepeilt stehen uns in den kommenden Tagen 60 bis 90 % Sonne ins Haus. Ja, die Tage sind schon deutlich kürzer als im Sommer und die Tag- und Nachtgleiche steht vor der Tür. Aber 80 % relative Sonnenscheindauer bedeuten auch aktuell noch so etwa 10 Stunden Sonne - wenn das nix ist. Also Gesicht in die Sonne und genießen. Ein wenig Vorsicht ist aber angebracht. Denn in den 20 % des Tages, an denen die Sonne nicht scheint, stecken nicht nur die gebietsweise auftretenden Frühnebelfelder drin, sondern auch ein paar Quellwolken, die über den Mittelgebirgen hier und da ganz vereinzelt mal einen Schauer bringen können.

Meteogramm für die Station Frankfurt/M.-Flughafen für den Zeitraum 19.09. bis 22.09. mit Temperaturinformationen (oben), Wind (Mitte) sowie Sonnenscheindauer und Bewölkung (unten)



Was der Tagesverlauf im Altweibersommer so zu bieten hat, darüber gibt Abbildung 3 Auskunft. Das dort dargestellte Meteogramm für die Station Frankfurt/Flughafen (bzw. den dem Flughafen zugeordneten Vorhersagepunkt) zeigt im oberen Teil in Rot den Temperaturverlauf. Auffällig ist der große Tagesgang. Etwa 24 °C am Tage stehen nachts etwa 14 °C gegenüber - anfangs etwas mehr, ab Freitag etwas weniger. Dabei sind die prognostizierten Höchstwerte am Tage mit grünen Kästchen markiert, die Tiefstwerte in der Nacht mit blauen. In der mittleren Zeile werden Informationen über den Wind angegeben, einerseits bezüglich des Mittelwindes (Wind 10m), andererseits über dessen Böigkeit. Im Laufe des Tages nimmt der Wind immer wieder etwas zu, um dann in der Nacht wieder nachzulassen. Dies ist typisch für Wetterlagen mit viel Sonnenschein, weil sich die unteren Luftschichten stark erwärmen und mit der aufsteigenden Luft (Stichwort Quellwolken) Böen aus höheren Luftschichten nach unten gemischt werden. Und dann bleibt noch der Sonnenschein. Nur wenige Wolken trüben den Blick in den blauen Himmel, eine Aussage, die gut zu Abbildung 2 passt.



© Deutscher Wetterdienst

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