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29. Mai 2024 |

Montage mit Ausblick - Arbeiten auf Deutschlands höchstem Bauwerk

Montage mit Ausblick - Arbeiten auf Deutschlands höchstem Bauwerk

Datum 29.05.2024

Einige Kollegen erlebten Anfang Mai einen ganz besonderen Arbeitsort. Um den DWD-Windsensor auf der äußersten Spitze des Berliner Fernsehturms zu wechseln, ging es in 368 Meter Höhe.

Der Einsatz in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai wurde vorab sorgfältig geplant, jeder Arbeitsschritt gut vorbereitet. Mehrfach kontrollieren Holger H., Torsten W. und Jens L. die Werkzeugtaschen, jeder Schlüssel, jede Zange wird sorgsam ausgesucht und mit einem Sicherungssystem verbunden. Nichts darf im Einsatz herunterfallen.

Das Wartungsfenster, in dem die Sendetechnik des Berliner Fernsehturms komplett abgeschaltet wird, beginnt um 01:05 Uhr nachts. Mit dem Fahrstuhl geht es zunächst bis auf 45 Meter Höhe. Hier befindet sich ein Technikraum des Deutschen Wetterdienstes.

Die Kollegen rüsten sich für den Aufstieg (Quelle TI34 Service und Logistik)
Die Kollegen rüsten sich für den Aufstieg (Quelle TI34 Service und Logistik)


Anschließend geht es mit dem Fahrstuhl auf 230 Meter Höhe. Ab hier befindet man sich bereits oberhalb der ikonischen Kugel des Fernsehturms. Ein enges Treppenhaus führt weiter nach oben. Sieben Stockwerke müssen zu Fuß zurückgelegt werden, denn einen Fahrstuhl gibt es hier nicht mehr. Dann auf 245 Metern Höhe ist der Ausblick über Berlin bei Nacht bereits atemberaubend. Am Geländer einer begehbaren Außenplattform befinden sich in gegenüberliegenden Himmelsrichtungen zwei Eisablagerungsgeräte (EAG) sowie zwei LAM630-Wetterhütten des DWD.


LAM630 und Eisablagerungsgerät (EAG) des DWD in 245 Metern Höhe (Quelle TI34 Service und Logistik)
LAM630 und Eisablagerungsgerät (EAG) des DWD in 245 Metern Höhe (Quelle TI34 Service und Logistik)


Im Zentrum des Turms befindet sich ein Serviceraum. Hier befindet sich der Einstieg in die riesige Sendeantenne. 123 Meter vertikaler Kletterweg bis zur Serviceplattform auf der äußersten Spitze müssen überwunden werden. 45 Minuten sind dafür eingeplant.








123 Meter Leiter führen bis zur Serviceplattform (Quelle TI34 Service und Logistik)
123 Meter Leiter führen bis zur Serviceplattform (Quelle TI34 Service und Logistik)


Nach einer letzten Prüfung der Sicherheitsausrüstung geht es endlich los. Holger und Torsten beginnen mit dem Aufstieg in den Antennenturm. Jens bleibt im Serviceraum zurück. Über einen Seilzug wird er die Werkzeugtaschen ca. 50 Meter nach oben befördern. Aber irgendwann endet der Flaschenzug und die Taschen müssen getragen werden. Für einen Rucksack ist es im Inneren der Röhre zwischen den vielen Antennen und Kabeln viel zu eng.


Es wird immer enger (Quelle TI34 Service und Logistik)
Es wird immer enger (Quelle TI34 Service und Logistik)


Unsere Kollegen ziehen ihre Taschen daher an einem ca. 1,5 Meter langen Seil, unter sich hängend, mit nach oben. Eine sprachliche Verständigung mit den Kollegen am Einstieg ist nun nicht mehr möglich. Die lange Röhre schluckt sämtlichen Schall.

Innerhalb des Sendeturms geht jedes Gefühl für die Höhe verloren. Der Blick ist ohnehin die meiste Zeit nach oben gerichtet. Eine viel größere Herausforderung ist die zunehmende Enge. „Mit Platzangst darf hier keiner hoch“ sagt Holger H.. Direkt unterhalb des Ausstiegs zur Spitze beträgt der Innendurchmesser nur noch knapp 1,60 Meter. Dabei spürt man deutlich wie sich die Antenne im Wind bewegt. Der Ausstieg auf die Service-Plattform ist noch einmal eine Kraftanstrengung. Die Ausstiegsluke ist eng. Doch dann ist man am Ziel. In 368 Metern Höhe, Berlins höchstem Arbeitsplatz.


Ausstieg in 368 Metern Höhe: Ganz oben angekommen (Quelle TI34 Service und Logistik)
Ausstieg in 368 Metern Höhe: Ganz oben angekommen (Quelle TI34 Service und Logistik)


Die 1,60 Meter durchmessende Plattform ist von einem Sicherungskorb umgeben. Drei horizontale Querstangen auf Fuß-, Bauch-, und Brusthöhe. Die Aussicht ist einzigartig. Selbst auf fliegende Hubschrauber schaut man von hier oben herab. Zeit zum Genießen bleibt keine, der Zeitplan ist eng. In der Mitte der Plattform befindet sich das Ultraschallanemometer des DWD. Der Austausch des Sensors gelingt problemfrei. Die gute Vorbereitung hat sich ausgezahlt.


Der alte Windsensor (Krake links) wird gegen einen neuen getauscht (Quelle TI34 Service und Logistik)
Der alte Windsensor (Krake links) wird gegen einen neuen getauscht (Quelle TI34 Service und Logistik)


Als unsere Kollegen nach Abschluss der Arbeiten wieder zurück im Serviceraum stehen, brennen ihre Beine und der Schweiß läuft. Trotzdem lächeln sie. Die meisten Kollegen, die es bis zur Spitze geschafft haben, melden sich freiwillig für den nächsten Aufstieg. Den Aufstieg auf Deutschlands höchstes Bauwerk – den Berliner Fernsehturm.

 

Stefan Wagner (TI34)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdiens



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