09:40 MESZ | 30.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
20. Februar 2024 | Dipl.-Met. Marcus Beyer

Nasser Winter

Nasser Winter

Datum 20.02.2024

Das heutige Tagesthema beschÀftigt sich mit dem nassen Winter 2023/24 und schaut, wo wir derzeit im Vergleich zu den Mittelwerten und Rekorden stehen.

Einleitung – Grauer und nasser Winter

In diesem Winter ist es nicht nur hĂ€ufig grau gewesen, es ist auch einiges an Regen gefallen. Die Folge war wiederholt Hochwasser: Sicher ist den meisten auch noch das Hochwasser in vielen Landsteilen von Ende Dezember bis in den Januar in Erinnerung. Auch kĂŒrzlich sind die Pegel nach einer neuerlichen Dauerregenlage nochmal vielerorts ĂŒber die Hochwassermarken geklettert.

VerÀnderung der NiederschlÀge in den vergangenen Jahrzehnten

Höchste Zeit mal einen kurzen Blick auf den aktuellen Stand des Niederschlags zu werfen. Seit Beginn des meteorologischen Winters hat es im Mittel ĂŒber ganz Deutschland an 54 von 82 möglichen Tagen geregnet oder in anderen Worten: An zwei von drei Tagen gab es Niederschlag. Interessant sind aber besonders die Niederschlagsmengen.

In der folgenden Grafik sieht man die durchschnittlichen Niederschlagsmengen der Monate Dezember, Januar und Februar und den Gesamtwinter fĂŒr die zwei Referenzperioden 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020. Man erkennt, dass die WinterniederschlĂ€ge im Zeitraum 1991 bis 2020 im Vergleich zum Zeitraum 1961 bis 1990 zugenommen haben. Die Winter sind also im Mittel nasser geworden.


Die Grafik zeigt die mittleren NiederschlÀge der Referenzperioden 1961-1990 und 1991-2020 und im Vergleich dazu den aktuellen Winter 2023/24. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)


Aktueller Winterniederschlag im Vergleich zu Rekorden und den Referenzperioden

FĂŒr den aktuellen Winter sind die NiederschlĂ€ge in Form von roten Linien und die jeweilige Abweichung dazu in Prozent vom Mittel 1991-2020 eingetragen. FĂŒr Februar und den Gesamtwinter sind die Mengen nur vorlĂ€ufig, den auch in den verbleibenden neun Tagen kann noch einiges an Niederschlag fallen.

Man erkennt, dass alle Wintermonate zum Teil deutlich nasser ausgefallen sind, als im vieljĂ€hrigen Mittel. Das gilt ganz besonders fĂŒr den Dezember 2023. Im Mittel ĂŒber ganz Deutschland sind 72 % mehr Niederschlag gefallen als ĂŒblich. Dabei waren die Abweichungen im Norden und Osten am höchsten (hier nicht gezeigt). In Brandenburg fiel die doppelte Menge (+100 %), in Sachsen-Anhalt (+125 %) und Niedersachsen (+133 %) war es sogar mehr als die doppelte Monatsmenge im Vergleich zu 1961-1990.

Schaut man auf die Gesamtbilanz des Winters, dann sticht ganz klar das Jahr 1948 (Winter 1947/48) mit 304 l/qm als FlĂ€chenmittel ĂŒber ganz Deutschland hervor. Das war direkt nach dem „Hungerwinter 1946/47“, einem der kĂ€ltesten Winter in Deutschland seit Aufzeichnungsbeginn. Im Winter 1947/48 war es hingegen deutlich milder und vor allem niederschlagsreich. Ganze 66 % mehr Niederschlag gab es in jener Saison, wobei die grĂ¶ĂŸten positiven Anomalien im SĂŒden und SĂŒdosten anzutreffen waren. Die Folge war hĂ€ufiges Hochwasser. Das vor allem den SĂŒden und SĂŒdwesten des Landes betraf. So liest man beispielsweise an der Saar von einer „Jahrhunderthochwasser“ zum Jahreswechsel 1947/48. Damals wurde zur Hilfe der Flutopfer sogar eine Briefmarkenserie aufgesetzt. Auch im Osten gab es im MĂ€rz als Folge des nassen Winters ein schweres Hochwasser, an der Oder war es eines der folgenreichsten der Neuzeit. Neben dem Niederschlag war aber auch Treibeis fĂŒr das Hochwasser verantwortlich.


Briefmarke zu UnterstĂŒtzung der Hochwasseropfer der „Jahrhunderflut“ 1947/48 an der Saar. (Quelle Wikipedia)


In jedem Fall ist der Winter 1947/48 mit Abstand auf Platz 1, gefolgt von 1993/94 und 1994/95 mit jeweils 278.6 l/qm im Deutschlandmittel. Der derzeitige Winter 2023/24 ordnet sich derzeit auf Platz 6 ein. Es ist aber mit Blick auf die noch zu erwartenden NiederschlÀge gut möglich, dass er am Ende auf Platz 5 oder 4 ins Ziel lÀuft.

RÀumliche Verteilung der NiederschlÀge

Schauen wir nun noch auf die rĂ€umliche Verteilung. In der Grafik wurde Deutschland dafĂŒr nach BundeslĂ€ndern unterteilt. Es wurde jeweils das Rekordjahr mit der Rekordmenge sowie der aktuelle Stand eingetragen. Man sieht, dass in der SĂŒdosthĂ€lfte der Winter 1947/1948 das Maß aller Dinge war, wĂ€hrend nach Westen und Nordwesten die Winter 1993/1994 bzw. 1994/95 zu Buche schlagen. Daneben tauchen noch die Winter 1986/87 (Sachsen-Anhalt) und 1959/50 (Mecklenburg-Vorpommern) auf.


Die Grafik zeigt fĂŒr jedes Bundesland jeweils das Rekordjahr fĂŒr den nassesten Winter seit Aufzeichnungsbeginn und die jeweilige Gesamtmenge. Im Vergleich dazu ist bisherige Menge des Winters 2023/24 zu sehen. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)


Setzt man den aktuellen Winter im Vergleich hinzu, so ist zu erkennen, dass dieser im SĂŒden und SĂŒdwesten weit weg von den Rekordwerten entfernt ist. Je weiter man nach Norden und Osten kommt, desto nĂ€her rĂŒcken die Rekordwerte in Reichweite. In einigen Regionen sind schon jetzt neue Niederschlagsrekorde fĂŒr den Winterniederschlag zu verzeichnen. In Brandenburg und Niedersachsen wurden die bisherigen Rekorde bereits im FlĂ€chenmittel ĂŒbertroffen. Dort ist es also der nasseste Winter seit Aufzeichnungsbeginn. In Sachsen-Anhalt steht man kurz davor den Rekord zu knacken. In Mecklenburg-Vorpommern wird es knapp.

Entwicklung der Bodenfeuchte

Die großen Niederschlagsmengen haben natĂŒrlich dazu gefĂŒhrt, dass sich die Bodenfeuchte deutlich erholt hat. In einigen Regionen stehen aufgrund ĂŒbersĂ€ttigter Böden noch immer große FlĂ€chen unter Wasser. Auch in tieferen Schichten hat die DĂŒrre in großen Landesteilen ein Ende. Kritisch sieht es allenfalls noch in der Mitte des Landes aus.


Die Grafik zeigt den Zustand der Bodenfeuchte in Deutschland. Links sind die oberen 10 cm dargestellt, rechts der Zustand zwischen 190 und 200 cm Tiefe. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst(Bodenfeuchteviewer))


Ausblick

Schauen wir noch kurz auf die Aussichten. Auch in den nĂ€chsten Tagen bleibt es unbestĂ€ndig. Die Prognose der Niederschlagssumme bis Monatsende zeigt, dass in einigen Regionen noch so einige Liter pro Quadratmeter zu den bisherigen gezeigten Mengen noch hinzukommen. Die endgĂŒltigen Zahlen folgen dann zum Monatsende.


Die Grafik zeigt die zu erwartende Niederschlagsmenge bis Ende des Monates. Basis ist das europÀische ECMWF Modell mit dem Modellauf vom 20.02.2024 00 UTC. (Quelle DWD - Deutscher Wetterdienst)


Damit wird der Winter 2023/24 nicht nur als einer der mildesten Winter in die GeschichtsbĂŒcher eingehen, sondern in einigen Regionen auch als einer der nassesten. Er bestĂ€tigt damit den Trend hin zu grĂ¶ĂŸeren Niederschlagsmengen in den Wintermonaten.



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nÀchsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

22.08. - Pokalwetter mit Sommer-Comeback

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen

18.08. - Von laut bis leise: Der Donner

17.08. - Erwartet uns nun der langersehnte Landregen?

16.08. - Sind Sie auf dem aktuellen Stand?

15.08. - Waldbrandwetter

14.08. - Hitze ade?

13.08. - Von LabilitÀt und Feuchte

12.08. - Höhepunkt der Perseiden

11.08. - Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

10.08. - Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? AtmosphÀrische InstabilitÀten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026