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21. Juli 2022 | Dipl.-Met. Adrian Leyser

Hitzewelle endet historisch

Hitzewelle endet historisch

Datum 21.07.2022

Eine kurze, aber heftige Hitzewelle suchte Deutschland in den vergangenen Tagen heim. Vor allem deren Intensit├Ąt erreichte in einigen Regionen ein historisches Ausma├č.

Schon Anfang Juli wurde in den Medien kolportiert, es st├╝nde eine extreme Hitzewelle ab Monatsmitte in Deutschland bevor. Zu diesem Zeitpunkt wurden diese Aussagen seitens der seri├Âsen Meteorologie zurecht als unwissenschaftlich bezeichnet. Denn zu gro├č war der Vorhersagehorizont und die damit in Verbindung stehende Unsicherheit und zu extrem die angek├╝ndigten Temperaturen bis 45 ┬░C. Leider fand die "Modellhitze", wenn auch in nicht ganz so extremer Form und leicht versp├Ątet, letztendlich doch ihren Weg in den seri├Âsen Vorhersagebereich und bewahrheitete sich schlie├člich in den vergangenen zwei bis drei Tagen. Dabei war weniger die Andauer, als die Intensit├Ąt bemerkenswert.


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W├Ąhrend am Dienstag (19.7.) im Westen die 40-Gradmarke im DWD-Stationsnetz noch denkbar knapp verfehlt wurde, ging es am gestrigen Mittwoch (20.7.) gleich an vier Stationen im Norden und Osten ├╝ber die 40 ┬░C hinaus. In Bad Mergentheim-Neunkirchen (40,3 ┬░C), Hamburg-Neuwiedenthal (40,1 ┬░C), Barsinghausen-Hohenbostel und Huy-Pabstorf (40,0 ┬░C) wurden nicht nur die Allzeitrekorde f├╝r die Stationen ├╝berboten, sondern auch die des jeweiligen Bundeslandes (Baden-W├╝rttemberg, Hamburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt). Dazu kamen zwei weitere Bundeslandrekorde f├╝r Mecklenburg-Vorpommern (Boizenburg 39,4 ┬░C) und Schleswig-Holstein (Grambek 39,1 ┬░C). Au├čergew├Âhnlich ist der Wert f├╝r Hamburg, nicht nur, weil der vorherige Rekord gleich um knapp 3 Grad ├╝berboten wurde, sondern auch, wenn man ihn im geographischen Kontext liest: Temperaturen von 40 ┬░C und mehr sind auf diesem Breitengrad und in dieser maritimen Klimazone eine echte Rarit├Ąt, weltweit. In Europa - Russland ausgenommen - wurde noch nie so weit im Norden die 40-Gradmarke gerissen.

Alleine diese Daten zeugen von der historischen Dimension der Hitzewelle. Dennoch gibt es Stimmen, die behaupten, Tage mit 40 ┬░C und mehr habe es fr├╝her schon "├Âfter" gegeben und man habe im "Sommer" solche Temperaturen zu erwarten. Dabei handelt es sich aber im besten Falle um eine verzerrte, subjektive Wahrnehmung, die unter Umst├Ąnden durch die sich gerade in den letzten Jahren beschleunigende Klimaerw├Ąrmung beg├╝nstigt worden sein k├Ânnte. Die "nackten Zahlen" sprechen eine andere Sprache: Der 20. Juli 2022 ist gerade einmal der 10. Tag, an dem seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland 40 ┬░C erreicht wurden. Das erste Mal war es 1983 in K├Âsching (Bayern) und G├Ąrmersdorf (Bayern) der Fall, dann erst wieder im legend├Ąren "Jahrhundertsommer" 2003. In den 2010er Jahren nahm schlie├člich nicht nur die Frequenz der Hitzewellen mit Spitzenwerten ├╝ber 40 Grad zu, sondern auch die Verbreitung, mit der die 40-Gradmarke ├╝berschritten werden konnte. Im August 2015 wurden 3-mal, im Juli 2019 unglaubliche 25-mal die "40 Grad" verk├╝ndet. Die j├╝ngste Hitzewelle reiht sich mit 4 Stationsmeldungen immerhin auf Platz 2 ein.

Zum Abschluss soll betont werden, dass es sich bei den Temperaturwerten der vergangenen beiden Tage noch um vorl├Ąufige Werte handelt. Der Deutsche Wetterdienst wird die Daten nochmal eingehend auf Plausibilit├Ąt pr├╝fen und beh├Ąlt sich etwaige Anpassungen oder - im schlimmsten Fall - Annullierungen vor.



© Deutscher Wetterdienst