02:55 MESZ | 04.08.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
12. April 2019 |

Wo steckt denn eigentlich der Sommer?

Wo steckt denn eigentlich der Sommer?

Datum 12.04.2019

Die aktuellen Temperaturwerte fühlen sich eher winterlich als frühlingshaft an. Herrschte letztes Jahr um diese Zeit nicht sogar Sommerwetter in Deutschland? Wo finden wir ihn denn derzeit in Europa, den Sommer?

Am heutigen Freitag (12. April) halten klimatologisch für die Jahreszeit gesehen sehr kühle Luftmassen in Deutschland Einzug. Verbreitet schafft es die Temperatur nicht einmal bis zur 10-Grad-Marke. Vom Harz bis ins Erzgebirgsvorland steigt das Thermometer auf maximal 1 bis 4 Grad Celsius an, im Bergland bleibt es dort wohl auch tagsüber bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Lediglich einzelne Stationen am Oberrhein werden heute zweistellige Tageshöchstwerte von 12 Grad verzeichnen (vergleiche linke Grafik).


Zum Vergrößern bitte klicken


Die "Schuldige" mit dem Namen "Katharina" findet sich in Form eines umfangreichen Hochdruckgebiets über Skandinavien wieder. Dieses führt zurzeit mit einer nordöstlichen Strömung sehr kühle und trockene Luft aus Sibirien nach Deutschland.

Vom Sommer im April zu sprechen, ist klimatologisch sicher noch zu früh. Aber vielleicht erinnert sich die eine oder der andere an den April im vergangenen Jahr 2018. Denn genau heute vor einem Jahr wurde am 12. April dagegen verbreitet die 20-Grad-Marke geknackt. Einzelne Stationen in Potsdam, Berlin und Dresden verzeichneten mit Werten über 25 Grad sogar einen Sommertag (vergleiche Grafik in der Mitte).

Wer aber jetzt denkt, dass die aktuell vorherrschende Kälte "rekordverdächtig" ist, der irrt. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass so ein Kaltlufteinbruch im April auch winterlicher ausfallen kann. Bei einer recht ähnlichen Wetterlage vor 33 Jahre konnten noch deutlich kältere Luftmassen aus polaren Breiten angezapft werden. Dabei sorgten Schneefälle am 11. April 1986 in den Mittelgebirgen, im Osten sowie im Süden Deutschlands verbreitet bis in tiefe Lagen für ein wahres Verkehrschaos. Während man zwei Tage zuvor am 09. April 1986 in Bayern bei Tageshöchstwerten von 24 Grad im T-Shirt reichlich Sonne genießen konnte, schaffte es das Thermometer in den Folgetagen am 11. und 12. April teilweise nicht mal mehr über die 0 Grad hinaus (siehe Tageshöchstwerte vom 12. April 1986 in der rechten Grafik; blaue Punkte markieren Höchstwerte unter 0 Grad Celsius). Damals wurde in den Nächten in höheren Lagen der Mittelgebirge bei zweistelligen Minuswerten sogar strenger Frost registriert!

Aber wo steckt nun derzeit der Sommer?

Schaut man auf den östlichen Mittelmeerraum im Bereich von Griechenland und der Türkei, liegen dort die Temperaturen mit Werten von 18 bis 23 Grad aktuell zwar deutlich höher als in Deutschland. Allerdings sorgt tiefer Luftdruck in der Region für wechselhaftes und wolkiges Wetter mit teils kräftigen Gewittern und wiederholten Starkregenfällen. Bis Montagfrüh gehen in der Region gebietsweise zwischen 20 und 50 l/qm nieder. Besonders an der Westküste Griechenlands besteht örtlich sogar das Potenzial für Niederschlagssummen bis 100 l/qm. Nach herrlichem Sommerwetter hört sich das also auch nicht an. Auch im "schönsten Stiefel der Welt", genauer gesagt in Italien, sieht die Vorhersage für das Wochenende nicht besser aus.

Weiter nach Westen erreicht man auf der Europakarte dann Spanien und genau dort lacht zurzeit die Sonne. Hochdruckeinfluss sorgt übers Wochenende zumindest noch im Süden und Osten Spaniens für viel Sonnenschein mit nur wenigen Wolken am Himmel und sommerlichen Temperaturen von 24 bis 30 Grad.

Den Lesern mit einer Abneigung gegenüber sommerlichen Temperaturen sei an dieser Stelle zur Beruhigung gesagt, dass diese hierzulande zurzeit noch nicht in Aussicht sind. Im Laufe der nächsten Woche kehrt aber zumindest der Frühling in Deutschland wieder zurück. Die Temperaturen steigen dann nach und nach auf Werte bis 20 Grad an, die Nächte bleiben zunehmend frostfrei und der Regenschirm kann vielerorts ebenfalls in der Garderobe verstaut bleiben.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 12.04.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

03.08. - Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage

02.08. - Deutschlandwetter im Juli 2026

01.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 12: Meteorologie um 1800 und zu Beginn des 19. Jahrhunderts

31.07. - Zwischenbilanz der Tornadosaison 2026

30.07. - Was ist eine Fallböe?

29.07. - Erst große Hitze, dann schwere Gewitter?

28.07. - Vegetationsbrände, Wetterextreme und globale Erwärmung

27.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 11: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (b) und um 1800

26.07. - Tag der Seenotrettung

25.07. - Gebietsweise anhaltende Trockenheit und neue Hitze

24.07. - Von Hunden und Erfrischungen

23.07. - Kühle Meeresbrise oder die „Land-Seewind-Zirkulation“

22.07. - Nordströmung hält die Hitze auf Abstand

21.07. - Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz – Wie KI die Wettervorhersage verändert

20.07. - Spanien - Olé

19.07. - Deutliches Nordost-Südwestgefälle bei der Temperatur

18.07. - Von Trockenheit und rekordniedrigen Wasserständen

17.07. - Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

16.07. - Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

15.07. - Vom Scheren und schweren Gewittern

14.07. - Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

13.07. - Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?

12.07. - Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

11.07. - Supertaifun BAVI

10.07. - Trockenheit im Südwesten Deutschlands

09.07. - Neue Hitze im Südwesten

08.07. - Sommersturm an der Ostsee

07.07. - Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

06.07. - Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie

05.07. - Erwartet uns eine neue Hitzewelle?