02:49 MESZ | 03.09.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
17. Juni 2018 |

Der Einfluss von Raketen auf die Ozonschicht

Der Einfluss von Raketen auf die Ozonschicht

Datum 17.06.2018

Vor knapp 60 Jahren hob Juri Gagarin mit der Rakete Wostok 1 in der Sowjetunion ab und war der erste Mensch im Weltraum. Heute wollen Unternehmen wie SpaceX oder Virgin Galactic die Menschen in Massen ins All bringen. Doch hat das ganze Auswirkungen auf unsere AtmosphÀre und unser Wetter?

Schnell mal den Urlaub auf die Malediven gebucht oder fĂŒr einen Kurztrip mit dem Flugzeug nach London - dass Fliegen Auswirkungen auf unser Klima hat, ist fast jedem bekannt. Doch wie schaut das eigentlich bei FlĂŒgen außerhalb unserer AtmosphĂ€re aus? Hat die vergleichsweise zu Flugzeugen geringe Anzahl an Raketen auch Einfluss auf die Prozesse in der AtmosphĂ€re?


Zum Vergrößern bitte klicken


Den jĂ€hrlich ĂŒber 40 Millionen FlugzeugflĂŒgen weltweit stehen knapp 100 Raketenstarts pro Jahr gegenĂŒber. Diese Tatsache könnte einen schnell zu der Schlussfolgerung bringen, dass Raketen kaum Einfluss auf die AtmosphĂ€re haben. FĂŒr die TroposphĂ€re, also die unterste Schicht der AtmosphĂ€re, in der sich unser tĂ€gliches Wettergeschehen abspielt, mag dies primĂ€r auch zutreffen. Anders schaut das schon in der StratosphĂ€re, der Schicht oberhalb der Tropopause, aus. In dieser befindet sich die allseits bekannte und wichtige Ozonschicht.

Ozon (O3) ist ein Spurengas, das quasi "zwei Seiten" hat: In der TroposphĂ€re trĂ€gt es zum Treibhauseffekt bei, doch die Ansammlung von Ozon in der StratosphĂ€re (die Ozonschicht) schĂŒtzt uns gleichzeitig vor solarer UV-Strahlung. Ohne Ozon wĂ€re die Strahlenbelastung auf der Erde fĂŒr Lebewesen deutlich zu hoch.

ZurĂŒck zu den Raketen. WĂ€hrend die Flugzeuge ihr Kerosin hauptsĂ€chlich in der TroposphĂ€re verteilen, geht es bei jeder Mission ins Weltall einmal durch alle Schichten, also auch durch die Ozonschicht. Dabei unterscheiden sich die Antriebsstoffe der Raketen von denen der Flugzeuge. Um das Gravitationsfeld der Erde zu verlassen, muss die Rakete eine grĂ¶ĂŸere Geschwindigkeit als die Fluchtgeschwindigkeit erreichen, die um ein Vielfaches grĂ¶ĂŸer ist als die Geschwindigkeit eines Flugzeugs. Um solch ein Tempo zu erreichen, werden andere (sogenannte "kryogene" oder feststoffartige) Antriebsmittel als im tĂ€glichen Flugbetrieb verwendet. Diese Antriebsmittel setzen jede Menge ozonschĂ€dliche Stoffe frei, unter anderem Chlor. Bei einem Start der derzeit leistungsstĂ€rksten TrĂ€gerrakete der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation (ESA) Ariane 5 werden in der HochatmosphĂ€re ungefĂ€hr 100 Tonnen Chlor freigesetzt. Ein Chloratom reicht aus, um bis zu einer Millionen Ozon-MolekĂŒle zu zerstören.

Aber wie so oft, hat ein einzelner Start einer Rakete auf die Ozonschicht noch keine nachhaltigen Auswirkungen. Über ein ganzes Jahr zerstören Raketen global momentan weniger als 1% der Ozonschicht.

Sollten die PlÀne der verschiedenen Unternehmen aber RealitÀt werden und ein regelrechter Massentourismus ins All stattfinden, ist eine stÀrkere BeeintrÀchtigung der Ozonschicht durchaus vorstellbar. Durch die daraus resultierende, erhöhte IntensitÀt der Sonneneinstrahlung könnte sich dann auch das tÀgliche Wettergeschehen Àndern.

Met. Cornelius Weiß (Praktikant) in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.06.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

02.09. - Deutschlandwetter im August 2026

01.09. - Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

31.08. - Wie wird eigentlich ... gemessen? - Temperatur

30.08. - Kommt die hochsommerliche Hitze zurĂŒck?

29.08. - Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

28.08. - Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

27.08. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

26.08. - Marine Hitzewellen

25.08. - Steigende Gewitter- und Unwettergefahr in dieser Woche!

24.08. - SINFONY: Vom aktuellen Wetter zur nahtlosen Vorhersage der nÀchsten Stunden

23.08. - Mögliche Auswirkungen eines starken El-Niño auf Europa?

22.08. - Pokalwetter mit Sommer-Comeback

21.08. - Noch einmal turbulent, dann wird's wieder ruhiger

20.08. - Sommer im Barock

19.08. - Übers Ziel hinausgeschossen

18.08. - Von laut bis leise: Der Donner

17.08. - Erwartet uns nun der langersehnte Landregen?

16.08. - Sind Sie auf dem aktuellen Stand?

15.08. - Waldbrandwetter

14.08. - Hitze ade?

13.08. - Von LabilitÀt und Feuchte

12.08. - Höhepunkt der Perseiden

11.08. - Die partielle Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

10.08. - Ätna: Feuer, Asche und Gewitter

09.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 14: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (b)

08.08. - Geschichte der Meteorologie − Teil 13: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 in Europa (a)

07.08. - Starke Bodentrockenheit

06.08. - Schweißtreibender QUIRIAKUS

05.08. - Noch ganz stabil? AtmosphÀrische InstabilitÀten, Turbulenz und Klimawandel

04.08. - Wetter, Waldbrand, Wasserdurst