00:05 MESZ | 25.06.2026 Profi-Wetter| Mobile Seite| Kontakt| Impressum| Datenschutz
Social
Drucken
17. Juni 2018 |

Der Einfluss von Raketen auf die Ozonschicht

Der Einfluss von Raketen auf die Ozonschicht

Datum 17.06.2018

Vor knapp 60 Jahren hob Juri Gagarin mit der Rakete Wostok 1 in der Sowjetunion ab und war der erste Mensch im Weltraum. Heute wollen Unternehmen wie SpaceX oder Virgin Galactic die Menschen in Massen ins All bringen. Doch hat das ganze Auswirkungen auf unsere Atmosphäre und unser Wetter?

Schnell mal den Urlaub auf die Malediven gebucht oder für einen Kurztrip mit dem Flugzeug nach London - dass Fliegen Auswirkungen auf unser Klima hat, ist fast jedem bekannt. Doch wie schaut das eigentlich bei Flügen außerhalb unserer Atmosphäre aus? Hat die vergleichsweise zu Flugzeugen geringe Anzahl an Raketen auch Einfluss auf die Prozesse in der Atmosphäre?


Zum Vergrößern bitte klicken


Den jährlich über 40 Millionen Flugzeugflügen weltweit stehen knapp 100 Raketenstarts pro Jahr gegenüber. Diese Tatsache könnte einen schnell zu der Schlussfolgerung bringen, dass Raketen kaum Einfluss auf die Atmosphäre haben. Für die Troposphäre, also die unterste Schicht der Atmosphäre, in der sich unser tägliches Wettergeschehen abspielt, mag dies primär auch zutreffen. Anders schaut das schon in der Stratosphäre, der Schicht oberhalb der Tropopause, aus. In dieser befindet sich die allseits bekannte und wichtige Ozonschicht.

Ozon (O3) ist ein Spurengas, das quasi "zwei Seiten" hat: In der Troposphäre trägt es zum Treibhauseffekt bei, doch die Ansammlung von Ozon in der Stratosphäre (die Ozonschicht) schützt uns gleichzeitig vor solarer UV-Strahlung. Ohne Ozon wäre die Strahlenbelastung auf der Erde für Lebewesen deutlich zu hoch.

Zurück zu den Raketen. Während die Flugzeuge ihr Kerosin hauptsächlich in der Troposphäre verteilen, geht es bei jeder Mission ins Weltall einmal durch alle Schichten, also auch durch die Ozonschicht. Dabei unterscheiden sich die Antriebsstoffe der Raketen von denen der Flugzeuge. Um das Gravitationsfeld der Erde zu verlassen, muss die Rakete eine größere Geschwindigkeit als die Fluchtgeschwindigkeit erreichen, die um ein Vielfaches größer ist als die Geschwindigkeit eines Flugzeugs. Um solch ein Tempo zu erreichen, werden andere (sogenannte "kryogene" oder feststoffartige) Antriebsmittel als im täglichen Flugbetrieb verwendet. Diese Antriebsmittel setzen jede Menge ozonschädliche Stoffe frei, unter anderem Chlor. Bei einem Start der derzeit leistungsstärksten Trägerrakete der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Ariane 5 werden in der Hochatmosphäre ungefähr 100 Tonnen Chlor freigesetzt. Ein Chloratom reicht aus, um bis zu einer Millionen Ozon-Moleküle zu zerstören.

Aber wie so oft, hat ein einzelner Start einer Rakete auf die Ozonschicht noch keine nachhaltigen Auswirkungen. Über ein ganzes Jahr zerstören Raketen global momentan weniger als 1% der Ozonschicht.

Sollten die Pläne der verschiedenen Unternehmen aber Realität werden und ein regelrechter Massentourismus ins All stattfinden, ist eine stärkere Beeinträchtigung der Ozonschicht durchaus vorstellbar. Durch die daraus resultierende, erhöhte Intensität der Sonneneinstrahlung könnte sich dann auch das tägliche Wettergeschehen ändern.

Met. Cornelius Weiß (Praktikant) in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.06.2018

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

24.06. - Nur noch 6 Monate

23.06. - Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer

22.06. - Sommer, Sonne, Hitze

21.06. - Von Sonnenstand und Höchsttemperatur

20.06. - Mitternachtsdämmerung

19.06. - Große Hitze und auch schwere Gewitter?

18.06. - Gewitter im Anmarsch: So verhalten Sie sich richtig

17.06. - Wann gibt es Hitzewarnungen und warum?

16.06. - Stormchasing in den USA 2026

15.06. - Weltwindtag

14.06. - Erwartet uns eine intensive Hitzewelle?

13.06. - Das Vertikalprofil - ein zentrales Analyse-Werkzeug

12.06. - Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ist-Zustand und Prognosen

11.06. - Nicht so schönes Wochenende?

10.06. - Das Observatorium auf dem Hohen Sonnblick

09.06. - Wetterweisheiten aus den Bergen

08.06. - Die Schafskühle

07.06. - Die Wettervorhersage für den D-Day

06.06. - Eine Nebelnacht im Juni

05.06. - Aprilwetter im Juni

04.06. - Abwechslungsreiches Wetter für einen bunten CSD am Samstag in Dresden

03.06. - Deutschlandwetter im Frühjahr 2026

02.06. - Deutschlandwetter im Mai 2026

01.06. - Tief NESRIN - der erste Dämpfer für den (meteorologischen) Sommerbeginn

29.05. - Trockene und feuchte Luftmassen

28.05. - Erste große Gewitterlage 2026?

27.05. - In 16000 m Höhe

26.05. - Was ist eine „Heat Dome“?

25.05. - Geschichte der Meteorologie – Teil 7: Meteorologie im beginnenden Zeitalter der Aufklärung und Weiterentwicklung der quantitativen Meteorologie

24.05. - Die Sonne nähert sich dem Höchststand, gewinnt täglich an Kraft und bringt somit auch entsprechende Gefahren mit!