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09. Mai 2026 | Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm

Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

Datum 09.05.2026

Gibt es die Eisheiligen oder sind sie nur ein Mythos? Wir gehen dieser Frage heute auf den Grund.

Wenn es nach den ersten warmen Frühlingstagen im Mai zu einem plötzlichen Kälterückfall kommt mit Nachtfrösten oder gar Schnee, wird das gerne den sogenannten "Eisheiligen" zugeschrieben. Zu den Eisheiligen, die gerne auch "Gestrenge Herren" oder "Eismänner" genannt werden, zählen die fünf katholischen Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, die nach dem julianischen Kalender zwischen dem 11. und 15. Mai ihren Namenstag haben. Mehreren Bauernregeln zufolge sollen sich in diesem Zeitraum späte Frostnächte häufen. Um es vorweg zu nehmen: Die Eisheiligen haben, im Gegensatz zu einigen anderen sogenannten "Witterungsregelfällen" wie dem "Siebenschläfer" oder dem "Weihnachtstauwetter", keine große Aussagekraft. Warum sie als meteorologische Singularität deswegen umstritten sind, soll in der Folge erläutert werden.

Ein grundlegendes Problem ergibt sich schon alleine aus der Tatsache, dass sich die Namenstage auf den julianischen Kalender beziehen. Im Zuge der gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 müsste man die Regel eigentlich eine gute Woche später anwenden. Doch selbst unter Berücksichtigung der Verschiebung sucht man in historischen Wetterdaten vergeblich nach einer statistisch auffälligen Häufung von Kaltlufteinbrüchen und Nachtfrösten während der Eisheiligen. Vielmehr treten Kaltlufteinbrüche und Nachfröste im Mai eher zufällig auf, wobei deren Wahrscheinlichkeit mit fortschreitender Jahreszeit sukzessive abnimmt (siehe Abbildung 1 als Beispiel).


Verlauf von Höchst-, Mittel- und Tiefsttemperatur sowie die Anzahl der Tage mit Tiefsttemperaturen unter 3 °C im Mai in Frankfurt/Main, gemittelt über den Zeitraum von 1961 bis 2020. Quelle: Deutscher Wetterdienst


Betrachtet man die letzten 50 Jahre und setzt als Kriterium für Eisheilige eine Tiefsttemperatur von höchstens 3 °C an, dann trafen sie im Schnitt nur in einem Drittel der Fälle zu, was sehr wenig ist für einen Witterungsregelfall. Das Weihnachtstauwetter zum Beispiel tritt in mehr als zwei Drittel der Fälle ein.

Tatsächlich scheinen die Eisheiligen als meteorologische Singularität also eher ein Mythos zu sein, der auf regionalen Sondererfahrungen aus dem Mittelalter fußt und keinesfalls Allgemeingültigkeit besitzt.

Davon losgelöst haben späte Kaltlufteinbrüche im Mai aber sehr wohl eine herausragende Bedeutung, insbesondere für die Landwirtschaft. Frostschäden sind trotz oder gerade wegen des Klimawandels ein großes Thema und können zu erheblichen Ernteeinbußen führen. Die Klimaerwärmung sorgt tendenziell für einen immer früheren Vegetationsbeginn, gleichzeitig nimmt die Gefahr später Kaltlufteinbrüche aber dennoch nicht signifikant ab. Ausgerechnet der Mai ist nämlich der Monat mit dem klimawandelbedingt geringsten Temperaturanstieg (siehe Abbildung 2).


Abweichungen der Temperaturen vom Referenzzeitraum 1961-1990 im Mai in Deutschland. Quelle: Deutscher Wetterdienst


Die Eisheiligen haben zumindest als mystischer Platzhalter für die generelle Spätfrostgefahr im Mai ihre Daseinsberechtigung. Aber: Nicht der Mythos selbst entscheidet darüber, wie das Wetter wird, sondern das Wetter selbst.



© Deutscher Wetterdienst

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