Facebook Twitter
14. August 2024 |

Wassertemperaturen

Wassertemperaturen

Datum 14.08.2024

In vielen Bundesländern sind noch Sommerferien und da ist die Küste oft ein beliebtes Urlaubsziel. Doch was sagen die Wassertemperaturen zum Badevergnügen an den verschiedenen europäischen Küsten?

Während viele Urlauber ihre freie Zeit im Sommer gerne an der Nord- oder Ostsee verbringen, fahren andere lieber in den wärmeren Mittelmeerraum. Doch nicht nur das Navi weist in entgegengesetzte Richtungen, sondern auch die Werte auf dem Thermometer liegen weit auseinander. Sowohl die Lufttemperaturen an den beiden Küstenregionen stehen in starkem Kontrast zueinander als auch die Wassertemperaturen. An den deutschen Küsten und bei unseren Nachbarn im Norden ist es mit Tageshöchsttemperaturen von gut 20 Grad recht angenehm sommerlich warm, in den Mittelmeerländern herrschen hingegen verbreitet heiße 35 bis 40 Grad. Wo man im Norden noch ein erfrischendes Bad bei 20 Grad genießen kann, fühlt es sich im Süden mit nahezu 30 Grad eher an, wie in der Badewanne. Dazwischen lassen sich die Temperaturen an der europäischen Atlantikküste einordnen. Die Lufttemperaturen liegen in ähnlichen Bereichen wie in Norddeutschland, das Wasser hat etwas wärmere 21 bis 24 Grad zu bieten. Doch woran liegen diese Unterschiede?

Das Mittelmeer liegt etwa 15 Breitengrade weiter südlich, als die Randmeere des Nordatlantiks, was einen spürbaren Unterschied ausmacht, in Hinblick auf die Menge der einfallenden Sonnenstrahlung. Dadurch kann sich die Erdoberfläche dort mehr aufheizen und insbesondere die dunkle Meeresoberfläche absorbiert viel der wärmenden Energie. Wenn die Sonne in den Sommermonaten weiter nach Norden wandert, erreicht ihre wärmende Kraft unsere Breiten erst etwas später als die Mittelmeerregion. Dort wird also bereits eher die Heizung angeschmissen. Die hohe Wärmekapazität des Wassers, sprich seine Fähigkeit, Wärme zu speichern, hat zwei Effekte zur Folge: Zwar ist zuerst viel Energie nötig, es dauert also lange, bis es sich erwärmt hat, wenn es aber soweit ist, kann die Temperatur auch lange gehalten und die Umgebung beheizt werden. So hat das Mittelmeer der Nord- und Ostsee gegenüber einen Vorsprung, wenn es darum geht, Wärme zu sammeln - und den können die beiden auch über den Sommer nicht aufholen.

Das Mittelmeer ist ein Binnenmeer, sodass der Austausch mit anderen Wassermassen erschwert ist und das erwärmte Wasser sich in der "XXL-Badewanne" hält. Einen kleinen Abfluss in den Atlantik gibt es durch die Straße von Gibraltar. Eigentlich würde man nun erwarten, dass das Wasser durch seine hohe Temperatur leichter ist und sich an der Oberfläche auf den Weg in den weiten Ozean machen würde. Das Mittelmeerwasser ist aber zusätzlich ziemlich salzig, was es wiederum schwerer macht. Dadurch verlässt es seine Kinderstube in größeren Tiefen und beeinflusst die Temperatur des Oberflächenwassers im Ostatlantik nicht.

Obwohl beispielsweise Spanien und Portugal auf einem ähnlichen Breitengrad liegen, also ähnlich von der Sonne verwöhnt werden, wie das Mittelmeer, liegt das Temperaturniveau deutlich niedriger. Das liegt an einem größeren Strömungssystem im Atlantik, das im Westen warmes Wasser in Richtung Nordpol transportiert und im Gegenzug kälteres Wasser am Ostrand wieder zum Äquator bringt. Vor der europäischen Atlantikküste übernimmt diese Rolle der Kanarenstrom, der neben dem kühlen Wasser aus Norden auch Reste des warmen Wassers aus dem Golfstrom mit sich führt und damit für beständige Temperaturen in seinem Einzugsgebiet sorgt. Außerdem findet durch die vielfältigen Strömungen mehr Durchmischung mit tieferem und damit kälterem Wasser statt. Dadurch wird das erwärmte Oberflächenwasser hinunter gemischt.

Wenn man also bei der Urlaubsplanung die Wassertemperaturen an einigen Küsten Europas vergleicht, sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein.


Wassertemperaturen der europäischen Küstenregionen
Wassertemperaturen der europäischen Küstenregionen


Christina Kagel

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.08.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst



© Deutscher Wetterdienst

Themenarchiv:

18.03. - Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006

17.03. - Christian Andreas Doppler

16.03. - Nach turbulentem Wochenstart kehrt der Frühling zurück

15.03. - Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

14.03. - Aprilwetter - der März übt schon mal

13.03. - Wie wahrscheinlich ist die Hitzewelle im Westen der USA?

12.03. - Luftmassen

11.03. - Wetterumstellung ante portas!

10.03. - Frag doch mal die Maus

09.03. - Ozeanische Strömungen

08.03. - Gewitter und Saharastaub

07.03. - Radaranalyse an einem Gewittertag: Ein kleiner Einblick

06.03. - Die Omegawetterlage

05.03. - Grüße aus der Sahara

04.03. - Frühlingshafte Phase mit nur wenigen Ausnahmen

03.03. - Deutschlandwetter im Winter 2025/2026

02.03. - Deutschlandwetter im Februar 2026

01.03. - Fulminanter Start in den Frühling

28.02. - Der Winter 2025/2026 – persönliche Erlebnisse und eine Einschätzung

27.02. - Hochnebel - das Haar in der Suppe

26.02. - Ungewöhnliche Frühlingswärme zum meteorologischen Winterende

25.02. - Frühlingsluft

24.02. - Wintersport – Schnee von gestern?

23.02. - Bunte Satellitenbilder

22.02. - Von Tauwetter und Schneeschmelze

21.02. - Tschüss Winter! Hallo Frühling! Bleibst du länger?

20.02. - Satelliten und Sahara-Staub in Suriname

19.02. - Winter versus Vorfrühling

18.02. - La malkovro de la ĵetfluo, oder die Entdeckung des Jetstreams

17.02. - Es bleibt turbulent beim Wetter