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25. April 2023 | Dipl.-Met. Julia Tuschy

Neuer Temperaturrekord für Spanien erwartet

Neuer Temperaturrekord für Spanien erwartet

Datum 25.04.2023

Teile Spaniens hatten in den vergangenen Wochen bereits mit Hitzewellen zu kämpfen. Diese Woche steigen die Temperaturen wieder in die Höhe. Ob der Allzeitrekord für April eingestellt wird, bleibt abzuwarten. Es folgt eine Einschätzung der Lage.

Vor einigen Tagen veröffentlichte Copernicus - das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union - neueste, detaillierte Daten über das Klima in Europa und wie es sich verändert. Unter anderem ging aus dem Bericht hervor, dass das Jahr 2022 für viele Regionen in Europa wieder ein Jahr der Extreme war. Der Sommer 2022 war mit 1,4 Grad im Mittel über dem Durchschnitt der heißeste, den es bisher gegeben hatte. Ferner führten fehlende Niederschläge im Frühjahr und Sommer zu einer weitverbreiteten Dürre.


Die Satellitenbilder von 2016 und 2023 verdeutlichen die Trockenheit auf der Iberischen Halbinsel. (Quelle NASA Worldview)
Die Satellitenbilder von 2016 und 2023 verdeutlichen die Trockenheit auf der Iberischen Halbinsel. (Quelle NASA Worldview)


Insbesondere der Südwesten Europas litt vergangenen Sommer unter Hitze und Trockenheit. Diese beherrschen jedoch auch derzeit das Geschehen in Spanien. Der Blick aus dem Weltall macht die Dürre eindrücklich. Die nebenstehende Abbildung (Quelle: https://worldview.earthdata.nasa.gov) zeigt die Iberische Halbinsel Ende April im Jahr 2016 und diesen Monat. Während 2016 Spanien und Portugal noch von grüner Landschaft geprägt waren, zeugen die braunen, ausgedörrten Flächen von ausgedehnter Trockenheit.

Der Blick auf die Wettermodelle verspricht nichts Gutes. Eine neuerliche Hitzewelle steht Spanien bevor. Bereits Mittwoch dieser Woche könnte der Allzeittemperaturrekord für April in Spaniens Süden eingestellt und sogleich am Donnerstag erneut gebrochen werden. In Sevilla liegt der April-Rekord laut Spanischem Wetterdienst bei 35,4 Grad, in Murcia wurden am 09. April 2011 sogar 37,4 Grad gemessen.

Wie kommt es dazu?

Auf der Vorderseite eines Langwellentroges über dem Nordatlantik wird mit einer süd- bis südwestlichen Strömung heiße Sahara-Luft zur Iberischen Halbinsel geführt. Dieser Trog verharrt gewissermaßen an Ort und Stelle, sodass insbesondere Spanien in den kommenden fünf Tagen im Zustrom der heißen Saharaluft verbleibt. Bezüglich der Temperatur liegen alle(!) Modellberechnungen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Vorhersage am Oberrand des Klimamittels. So etwas haben selbst Meteorologen mit langer Erfahrung selten gesehen. In Andalusien wird es voraussichtlich am heißesten werden. Vorhergesagt werden für Sevilla am Mittwoch Höchstwerte um 36 Grad. Am Donnerstag könnten sogar 38 Grad erreicht werden. Es ist sogar zu befürchten, dass aufgrund der trockenen Böden eine starke Überhitzung eintritt und Modellprognosen sogar übertroffen werden könnten. Höchsttemperaturen nahe 40 Grad sind lokal nicht ausgeschlossen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Bevölkerung Spaniens auf diese neue Hitzewelle entsprechend vorbereitet hat!


Vorderseitig eines Langwellentroges (dargestellt durch weiße Isolinien) wird heiße Luft aus der Sahara nach Spanien geführt (farbige Fläche). Ein roter Pfeil deutet die Strömungsrichtung aus der die Luft kommt an.
Vorderseitig eines Langwellentroges (dargestellt durch weiße Isolinien) wird heiße Luft aus der Sahara nach Spanien geführt (farbige Fläche). Ein roter Pfeil deutet die Strömungsrichtung aus der die Luft kommt an.



Kommt diese Hitze auch zu uns?


Verlauf der Höchst- und Tiefstwerte in Grad Celsius von Dienstag, den 25.04.2023 bis in die Nacht zum Samstag, den 29.04.2023
Verlauf der Höchst- und Tiefstwerte in Grad Celsius von Dienstag, den 25.04.2023 bis in die Nacht zum Samstag, den 29.04.2023


In Deutschland ist in den kommenden Tagen keinesfalls mit einer Hitzewelle zu rechnen. Am heutigen Dienstag liegt Deutschland in einer nordwestlichen Strömung und kalte Meeresluft polaren Ursprungs gelangt zu uns. Diese gerät ab Mittwoch unter Hochdruckeinfluss und wird sich nur langsam erwärmen können. Verbreitete Nachtfröste sind hierzulande wieder ein Thema. Gartenfreunde und Obstbauern müssen bangen, ob und wie viele Pflanzen der Frost in den kommenden Nächten zunichtemacht.




© Deutscher Wetterdienst

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